Immobilienmarkt in Schieflage?

Immobilienmarkt in Schieflage?

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Teaserbild-Quelle: Golem Cabaret / flickr.com
Mit tiefen Zinsen und hoher Liquidität will die Schweizerische Nationalbank die Franken-Hausse unterlaufen. Wie weit das den Immobilienmarkt vor allem in den bereits überhitzten Regionen stimuliert, darüber scheiden sich die Geister.
 
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Wie sehr und ob der Immobilienmarkt tatsächlich in die Schieflage gerät - darüber sind sich die Experten uneins.
 
Vergangene Woche hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Zielband für den Dreimonats-Libor von 0% bis 0,75% auf neu 0% bis 0,25% gesenkt. Auf dem Markt wirkte der Entscheid und drückte diesen Zinssatz von 0,17 auf  0,09%. Zusätzlich zur Herabsetzung des Leitzinses stellte die SNB in Aussicht, die Liquidität im Bankensystem zu erhöhen und entsprechend markant mehr Geld  in Umlauf zu setzen, um den massiv überbewerteten Franken zu korrigieren. Mit ihrer Geldpolitik will sie die Gefahr eines Konjunktureinbruchs eindämmen.

Mit dieser Massnahme nahm die SNB in Kauf, dass die Hypothekarzinsen trotz historischer Tiefphase noch weiter sinken. Grosse Bewegungen sind bei den mittel- und langfristigen Hypotheken jedoch nicht mehr zu erwarten, da die Banken und andere Kreditgeber seit Mai stagnierende Leitzinsen erwartet haben. Entsprechend sind in diesem Zeitraum beispielsweise die fünfjährigen Hypotheken bei den meisten Kreditgeber um 0,5 auf bis zu 2% zurückgefallen. Zumindest bis 2012 können künftig Hausbesitzer von den tiefen Zinsen profitieren, sagen viele Experten.

Boom puscht den Preis

Allerdings wird der Kreise derer, die gemessen an ihrem Einkommen sich noch Wohneigentum kaufen können, immer kleiner. Vor allem seit dem 2. Quartal sind die Preise für Mehrfamilienhäuser, aber auch für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in die Höhe geschossen. Gerechnet auf Jahresbasis beträgt der Preisaufschlag für Mehrfamilienhäuser gemäss dem Zürcher Immobilienberatungsunternehmen IAZI AG 6,7%. Bei den Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen stagnierten die Kosten im 1. Quartal noch; dann, im 2. Quartal, verteuerten sie sich um 3,1% beziehungsweise 3,8%.   

Gemäss dem UBS-Immobilienblasenindex befindet sich der Häusermarkt momentan in einer Boomphase bei einem Wert von 0,65. Wird ein Wert zwischen 1 und 2 erreicht,  so befindet sich der Markt in einer riskanten Phase, und zwischen 2 und 3  hat sich eine Immobilienblase gebildet. Anders als IAZI stellt die UBS im 2. Quartal von einer «verlangsamten Zunahme der Immobilienpreise» aus. Zu den riskanten Regionen rechnet diese Bank Zürich, Genf und Lausanne, weiter hat sie die aufstrebenden Agglomerationen Zug, Pfannenstil, March, Vevey, Nyon und Zimmerberg sowie die Tourismusdestination Davos auf dem Radar.   (ur)