Immobilienmarkt: Abkühlung in Sicht

Immobilienmarkt: Abkühlung in Sicht

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Teaserbild-Quelle: Bild: Andy Satzer/pixelio.de
Institutionelle und private Schweizer Immobilieninvestoren blicken insgesamt auf ein gutes Jahr zurück. Gleichzeitig müssen sie in einem unsicheren politischen und wirtschaftlichen Umfeld mit wachsenden Hürden rechnen.

Der Schweiz droht eine Immobilienblase, der Markt sei heiss gelaufen, schreibt die FAZ. Nichts wird indessen so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Laut UBS-Ökonom Andreas Höfert erwartet den Schweizer Immobiliensektor eine weiche Landung. Die von der Schweizerischen Nationalbank und dem Bundesrat ergriffenen Massnahmen hätten den Markt beruhigt. Marktbeobachter wie Wüest & Partner haben unlängst eine Abflachung des Preisanstiegs festgestellt. In mehreren hundert Gemeinden sind die Preise für Wohneigentum im letzten Jahr bereits gesunken.

Die Zürcher Immobilienberatung IAZI AG erfasst die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser seit 1982. Auch das Unternehmen hat eine Preisabflachung festgestellt. Bei den Einfamilienhäusern betrug die Preissteigerung im 1. Quartal gerade noch 0,1 Prozent (im Vorquartal waren es 0,9 Prozent). Auf Jahresbasis betrachtet reduzierte sich die Preisentwicklung von 2,6 auf 2,2 Prozent. Die effektive und die hochgerechnete Jahresteuerungen liegen folglich deutlich unter der langjährigen durchschnittlichen Preisentwicklung. Die Preisentwicklung bei den Eigentumswohnungen stieg im 1. Quartal minim von 0,4 auf 0,6 Prozent an. Die Jahresteuerung schwächte sich jedoch weiter ab, und zwar von 5,2 Prozent im Vorquartal auf nunmehr 2,8 Prozent. Annualisiert beträgt die Preissteigerung 2,4 Prozent, was ebenfalls deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegt.

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Auch bei den Einfamilienhäusern liegt die Jahresteuerung deutlich unter der langjährigen, durchschnittlichen Preisentwicklung.

Mehrfamilienhäuser sind gefragt

Eine Ausnahme bezüglich der Preisentwicklung bilden Mehrfamilienhäuser. Hier betrug die Preissteigerung im 1. Quartal 1,3 Prozent, womit sie um 0,2 Prozent höher lag als im Vorquartal. Die Jahresteuerung fiel indessen weiter, und zwar von 5,5 auf 4.6 Prozent. Die Performance liegt nun bei 2,3 Prozent (Vorquartal 2,0 Prozent). Auf Jahresbasis betrachtet fiel sie von 9,7 auf 8,6 Prozent. «Fallenden Renditen zum Trotz sind Mehrfamilienhäuser noch immer sehr gefragt. Der Anlagedruck hält an. In Büro- und Gewerbeimmobilien fliesst der zunehmenden Unsicherheit wegen weniger Liquidität, was den Druck auf Mehrfamilienhäuser eher noch erhöht», sagt Donato Scognamiglio, CEO der IAZI AG. «Anstelle von Zukäufen um jeden Preis sollten Investoren jedoch vermehrt Geld in die fortlaufende Sanierung ihrer Portfolios stecken.»

Keine Entwarnung

Zwar blickten institutionelle und private Schweizer Immobilieninvestoren insgesamt auf ein gutes Jahr zurück. Entwarnung gibt er aber trotzdem nicht: Die «Hürden werden in einem von Unsicherheit geprägten politischen und wirtschaftlichen Umfeld» nicht kleiner. Zwar hätten die Märkte die Übertreibungen der letzten Jahre korrigiert, allerdings nicht zuletzt auch wegen der schärferen Regulierung bei der Finanzierung von Wohneigentum». Unter der schärferen Regulierung versteht er die Vorschriften, beim Kauf einer Immobilie den minimalen Eigenkapital-Anteil von 20 Prozent nur noch zur Hälfte mit Vorsorgegeldern aus der zweiten Säule zu finanzieren werden darf sowie die zwingende Amortisation der zweiten Hypothek innerhalb von längstens 20 Jahren. «Ein weiterer Eingriff in die Immobilienmärkte erhöht das Risiko einer deflationären Entwicklung», befürchtet der Titularprofessor für Real Estate Finance an der Universität Bern. «Ich kann mir weder aus volkswirtschaftlicher noch gesellschaftspolitischer Sicht vorstellen, wie ein solcher Entscheid begründet werden könnte.» Ob die Politiker, Stimmbürger und Behörden dem Markt eine Verschnaufpause gönnen? «Derzeit sieht es nicht danach aus.» (sda/cet)