«Im Sommer gibt es am meisten zu tun»

«Im Sommer gibt es am meisten zu tun»

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Teaserbild-Quelle: Christine Harte
Was macht eigentlich ein Eismeister? Ein Top-Junior des EV Zug hat für «ZugUp!» bei Werner Hürlimann vom Eismeisterteam der Bossard Arena nachgefragt.
 
 
 
Christine Harte
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Christine Harte
Philip Arnold mit Eismeister Werner Hürlimann.
 
Von Philipp Arnold
 
ZugUp: Herr Hürlimann, Sie sieht man an den Eis­hockey-Matches in den Pausen übers Eis fahren: Was machen Sie eigentlich mit dieser Eismaschine?
Werner Hürlimann: Meine Kollegen und ich – wir sind insgesamt acht Personen im Eismeisterteam – führen damit verschiedene Arbeiten gleichzeitig aus: Vorne hat die Maschine eine Art Messer, das den durch die Kratzer entstandenen «Schnee» vom Eis hobelt und zusammenkehrt. Der hintere Teil der Maschine wäscht mit dem in der Maschine gespeicherten Seewasser die Rillen aus. Das Ganze wird dann abgesaugt. Danach wird neues Seewasser fein auf die Fläche gespritzt. Und vor allem da ist die Erfahrung des Eismeisters gefragt. Er darf nur soviel auftragen, dass das Eis rechtzeitig wieder trocken ist.
 
Wie viele Eismaschinen haben Sie und was kosten die?
Es sind vier Maschinen zu je rund 200 000 Franken. Eine wird mit Benzin betrieben, die verwenden wir fürs Aussenfeld, da wir in der Halle mit dem Umluftsystem kein Abgas brauchen können; für drinnen haben wir die drei elektrisch betriebenen Maschinen.
 
Wie viel Wasser brauchen Sie, um das Eis zu produzieren?
Um eine 4,5 Zentimeter dicke Eisschicht für die beiden Felder neu zu machen, benötigen wir 72 Kubik Wasser, das ergibt dann 72 Tonnen Eis. Das Wasser für die Eisproduktion und den Waschvorgang kommt übrigens aus dem Zugersee. Pro Reinigung eines Feldes braucht es 1200 Liter.
 
Was macht das Eis so weiss?
Früher war es Kalk. Heute macht man aus Kreidemehl und Wasser eine weisse «Sosse», die mit Düsen zuunterst aufs Feld aufgetragen wird, bevor ganz sorgfältig, mit feinem Strahl, die Wasserschichten aufgesprüht werden.
 
Und wieso betreibt man diesen Aufwand?
Dunkle Flächen nehmen die Sonnenstrahlen auf, helle reflektieren sie. Dieses Prinzip ist vor allem für das Aussenfeld entscheidend. So kämpften wir im September und Anfang Oktober damit, dass das Eisfeld dank des schönen Wetters noch zu sehr der Sonneneinstrahlung ausgesetzt war. Deshalb bekamen wir damals auf der Hälfte des Feldes – wegen des Daches – noch kein Eis hin. Die Eröffnung des Aussenfeldes wurde deswegen auf den 8. Oktober verschoben. Übrigens hatten die meisten Eisbahnen in diesem Herbst das gleiche Problem.
 
Hatte das auch Auswirkungen auf das Klima in der Halle?
Durchaus. In der Halle war es während des sonnigen Herbstwetters auf den oberen Rängen 20 bis 25 °C warm; im Winter ist es 7 oder 8 °C kühler. Es ist aber auch ein grosser Unterschied, ob 2000 oder 7000 Besucher kommen. Durch das häufige «Tür auf – Tür zu» kommt Wärme in die Halle. Zudem bringen die Be­sucher Wärme und Feuchtigkeit mit rein. Das können wir aber regulieren: In der Halle wird nur mit Umluft operiert – deshalb misst die Gebäudetechnik über die Lüftung, wann die umgewälzte Luft «verbraucht» ist und von aussen neue Luft zugeführt werden muss. Apropos Klima: Nebel ist auch ein Thema, vor allem im Frühling und Herbst. Vor dem Problem zu hoher Luftfeuchtigkeit bewahrt uns unsere Entfeuchtungsanlage.
 
Haben verschiedene Trainer unterschiedliche Ansprüche?
Nicht nur die Trainer! Letztlich hat jede Gruppe – und das sind bei uns viele – ihre Ansprüche: EVZ, Curling-, Eiskunstläufer-, Eisstöcklerverein, dann die 10 bis15 Plauschmannschaften, die 15 Nachwuchsmannschaften, die Sommerveranstaltungen wie die Generalversammlung der Zuger Kantonalbank – wir wollen sie alle gleich gut behandeln. Aber natürlich ist die Beanspruchung bei den top-fitten Erst-Liga-Mannschaften oder auch den Junioren viel grösser. Gerade wenn dann im Training noch auf Kondition getrimmt wird.
 
Wie kommt die Werbung auf das Eis?
Das passiert, wenn das Eis neu produziert wird, also einmal pro Saison. Die Werbung wird auf einer Art Lösch­papier auf die erste feine Eisschicht gelegt und angefroren. Ein heikler Vorgang, da die Gefahr besteht, dass es zu Lufteinschlüssen im Eis kommt. Dann wird Schicht um Schicht Wasser aufgetragen, bis etwa 3,5 Zentimeter Eis auf der Werbefläche liegt. Die Firmen, welche die Werbung finanzieren, wollen natürlich, dass sie immer gestochen scharf zu sehen ist. Deshalb ersetzen wir einmal pro Woche die obere Schicht, um die Trübung des Eises zu beseitigen, die durch Kratzer und Kalkablagerungen entsteht. Das bedeutet bei uns sehr viel Arbeit, da unsere Felder auch öffentlich genutzt werden. Da geht es uns wie Fribourg und Genf. Zürich hingegen hat es einfacher, die haben nur die Matches.
 
Wie wird man eigentlich Eismeister?
Eine Lehre gibt es nicht. Wir haben bei uns Berufsleute aus dem Sanitär-Bereich, Stromer, aber auch einen Landwirt, einen Automechaniker. Vielseitigkeit, handwerkliche Begabung und technisches Verständnis sind entscheidend. Unsere Hauptthemen sind Wasser und Strom, aber auch Maschinenwartung und Reinigungen aller Art ge­hören zur täglichen Arbeit. Und da wir alle einen anderen Hintergrund haben, lernen wir viel voneinander.
 
Sie haben schon in der alten Eishalle Herti gearbeitet – was hat sich verändert?
Das ist richtig, ich arbeite schon seit 22 Jahren für das Eisstadion Zug. Viel hat sich nicht verändert. Das Umfeld ist ein bisschen anders. Heute ist's schön warm, früher wars kalt. Vorher habe ich viel draussen gearbeitet, jetzt hauptsächlich drinnen. Die Technik ist etwas komplizierter geworden, aber dafür haben wir den Chef Technik.
 
Reden Sie auch mit Eismeistern von anderen Hallen in der Schweiz?
Ja, das ist auch sehr wertvoll. Ich konnte mal ein paar Tage mit einem Eismeister in Kloten abtauschen. Sonst kennt man die Eismeister der anderen Anlagen vom Eismeister-Kurs, der alle zwei Jahre stattfindet, und man besucht auch dann und wann mal einen Match an einem anderen Ort und plaudert dann miteinander.
 
Und was macht ein Eismeister im Sommer?
Jedenfalls nicht einfach nur Urlaub – obwohl alle Eis­meister in dieser Zeit auch noch ihre Sommerferien nehmen sollten. Tatsächlich haben wir im Sommer am meisten zu tun, da wir alle Hallen auf Sommerbetrieb umbauen. Das heisst im Detail: Eis, Gläser, Banden, Geländer und vieles mehr müssen raus – Holzböden und Nottreppen müssen rein. Und das gilt für alle Hallen und das Aussenfeld. Die ganzen Anlagen, also Tribünen, Treppen, Garderoben und Eisplatten werden gründlich gereinigt. Danach führen wir die Wartungen und Reparaturen durch, die man im Eisbetrieb nicht machen kann; dazu gehören die Eisanlage, die Eismaschinen, aber auch Malerarbeiten. Auch die zahlreichen Sommerveranstaltungen wie etwa die Generalversammlung der Zuger Kantonalbank, Prüfungen oder Konzerte geben zu tun. Unser Sommer dauert so von April bis Anfang August. Und danach bauen wir wieder alles auf Eisbetrieb um.
 
Das Interview mit Werner Hürlimann führte Philip Arnold aus Weggis LU. Er ist Lernender im 3. Lehrjahr bei der Firma Hans Abicht AG.  In seiner Freizeit spielt er beim EV Zug in der Top-Juniorenmannschaft. (Textbearbeitung: Christine Harte, Zug)