Ideensuche für Flüchtlingsunterkünfte

Ideensuche für Flüchtlingsunterkünfte

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Der Strom der Asylsuchenden nimmt nicht ab. Tausende kamen in den letzten Monaten in die Schweiz. Prognosen gehen von 30.000 Asylgesuchen in diesem Jahr aus. Wohin mit den Flüchtlingen?  Menschwürdige, winterfeste Unterkünfte werden in allen Kantonen dringend gesucht. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt analysiert momentan die Situation in Deutschland. Anfang nächsten Jahres sind 50 Projekte, die mit öffentlichem Auftrag erstellt wurden und werden, im Internet einsehbar.

Dabei steht als Herausforderung: Die Gebäude müssen schnell verfügbar beziehungsweise realisierbar und dazu möglichst kostengünstig sein. Aber auch an die Nutzung nach dem Auszug der Flüchtlinge sollte bereits vor dem Bau nachgedacht werden. Zeltlager stehen im Aargau, Wohncontainer sind in Basel geplant, in Zug werden Klöster in Betracht gezogen und im Wallis so manche Touristenherberge für die ankommenden Menschen geöffnet. Selbst Bunker scheinen für die Menschen aus den Krisengebieten beim jetzt einbrechenden Winter eine bessere Zuflucht zu sein als die bisher erlebten Notlager auf ihrer wochen- oder monatelangen Odyssee.

Auch in den Nachbarländern wird aufgerüstet. Die Flüchtlingsunterkünfte müssen den tiefen Temperaturen, Wind, Regen und Schnee standhalten und den Menschen Schutz bieten können. Eile ist geboten. Täglich steigt die Zahl der Neuankömmlinge, die Obdach benötigen. In Deutschland ist die Situation besonders prekär. Durchschnittlich 10'000 Flüchtlinge wurden in den Bundeländern in den letzten Monaten pro Tag registriert. Deshalb werde in allen Bundesländern nach günstigen und vor allem schnellen Lösungen gesucht, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Für München wird ins Auge gefasst, Flüchtlingsunterkünfte aus Überseecontainern zu bauen. Innen verkleidet und isoliert und auf der Oberseite begrünt, könnten sie zu kleinen Siedlungen zusammengestellt werden. Zwischen den übereinandergestapelten Modulen entstehen Durchgänge und Höfe, die das bestehende Konzept der geradlinig angeordneten Baracken- und Containersiedlungen komplett umwerfen. Wohnliches Ambiente mit Freiräumen und Privatsphäre wird so auch in Metallcontainern möglich. Das Ensemble soll im Sommer 2016 fertiggestellt sein.

Auch Bremen überprüft diese Variante der Unterbringung, in München sind zudem Leichtbauhallen im Gespräch, in Essen Fertighäuser, Holzmodule in Hannover. Um die vielen Flüchtlinge dauerhaft unterzubringen, werden solide Lösungen gesucht, die nach ihrer Nutzung als Asylstätte möglichst auch einem anderen Verwendungszweck entsprechen können.

Mit der Frage, welche Bauweise sich am besten eignet, haben sich die Experten am Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt beschäftigt. Nach der Durchsicht der laufenden Projekte von Architekten, die im öffentlichen Auftrag für Flüchtlinge bauen, werden diese Anfang nächsten Jahres auf einer Online-Plattform vorgestellt. Bewerbungen durften nur für Projekte eingereicht werden, die bereits fertig, gerade im Bau oder definitiv geplant sind. Insgesamt haben 50 Büros ihre Arbeiten eingereicht. "Mit der Zusammenfassung erhalten die Länder, Kreise und Gemeinden eine Übersicht über alle realisierbaren Projekte und können einschätzen, welche Lösung für sie am günstigsten ist", erklärte Kurator Oliver.

Das Thema „Bauen für Flüchtlinge“  steht auch im Mittelpunkt der 15. Architekturbiennale, die vom  28. Mai bis 27. November 2016 in Venedig stattfindet. (cb)