Idealstadt gesucht!

Idealstadt gesucht!

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Teaserbild-Quelle: nasa.org
Die Erdbevölkerung wächst rasant - jede Woche um eine Million Menschen. Städteplaner, Soziologen, Statistiker, Verkehrs- und Ernährungs-Experten suchten am Kongress „Planet under Pressure“ in London nach Visionen für die Städte der Zukunft und gingen der Frage nach, wie diese umwelt- und sozialverträglich organisiert werden können.
 
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Die Stadt der Zukunft liegt im All: Visualisierung der Nasa aus den Siebzigerjahren.
 
Bis Mitte dieses Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung auf etwa neun Milliarden Menschen angewachsen sein. Das Hauptwachstum wird vor allem in städtischen Ballungsräumen stattfinden. Dabei stellt sich schon längst nicht mehr die Frage, ob die Städte weiter werden, sondern wie dies vor sich gehen wird.
 
Allein bis 2030 werden sich die Stadtflächen weltweit insgesamt über 1,5 Millionen Quadratkilometer erstrecken.
Dies entspricht etwa der Fläche von Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen. An dem Kongress waren sich die meisten der 3000 Teilnehmer einig, dass mit einer Umstrukturierung und Verdichtung bestehender Grossstädte und mit einer besseren Planung neuer Siedlungen ein grosses Potenzial gegen das unkontrollierte Wuchern in die Landschaften hinaus besteht.
 
So, wie die Städte in den vergangenen 70 Jahren gewachsen sind, kann es nicht mehr weitergehen - dies die vorherrschende Meinung unter den Kongress-Teilnehmern - und das aus sozialen und umweltbezogenen Gründen, aber auch aus Gründen der Nachhaltigkeit.
 
Ziel des Kongresses „Planet under pressure“ war es auch, global anwendbare Leitlinien zu entwickeln, die auch beim UN-Gipfel „Rio+20“ im Juni Verwendung finden können.

Nichs neues für die Zukunft?

Manche Ideen und Anregungen sind für Mitteleuropäer alte Bekannte. Verdichtetes Bauen in den Städten ist schon lange ein Thema im Zusammenhang mit dem Bauen in der Stadt und wird auch schon intensiv gefördert und praktiziert. Und innerstädtische Mautgebühren sind angesichts kollabrierender Verkehrssituationen in den Städten auch kein Tabua mehr, vielmehr wurden sie bereits da und dort eingeführt oder in der Testphase.
 
Als Mitorganisator des Kongresses, forderte Mark Stafford Smith, vermehrt in die Infrastrukturen zu investieren. Alles was von aussen angeliefert werden muss wie Nahrung, Wasser, alle Produkte des täglichen Bedarfs sowie die Energie sollten aus nachhaltigen Quellen stammen. Nötig sei es auch, energieeffizientere Gebäude zu bauen und den Trend zu immer grösseren Wohnflächen pro Person umzukehren.
 
In neuen Städten und Siedlungen könnte man noch viel weitergehen und vom vorhandenen technischen und organisatorischen Know how profitieren. Shobhakar Dhakal vom Global Carbon Project denkt zum Beispiel an Sensoren, die Stromerzeugung und -verbrauch aufzeichnen und an die Möglichkeit, die innerstädtischen Maut abzurechnen sowie an weitere Daten, die die Bewohner über Ihre Mobiltelefone an die Stadt weiterleiten. Alles ist möglich mit moderner Technik als Hilfsmittel für die nachhaltige Stadt. Ist es auch immer erwünscht? Interessant und Zukunft gerichtet ist die „C40 Cities Climate Leadership Group“ in deren Rahmen sich Grossstädte wie Berlin, New York und Hongkong dazu verpflichtet haben, Projekte gegen den globalen Klimawandel zu realisieren und unterstützen.
 
Was an der Konferenz „Planet under Pressure“ aus der Sicht Aussenstehender herausgekommen ist, macht wohl eher den Eindruck einer Auslegeordnung von Problemen und Lösungsansätzen von und für Städte unter Druck einer rasanten Bevölkerungszunahme. Und das ist ja auch schon etwas. (mai/mgt)