Holcim leidet unter schwacher Nachfrage in Europa

Holcim leidet unter schwacher Nachfrage in Europa

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Der Zementhersteller Holcim kann auch im dritten Quartal nicht mit seinem Ergebnis der Vorjahresperiode mithalten. Trotz leicht gesteigertem Zementabsatz fallen Umsatz und Gewinn erneut tiefer aus. Auf bereinigter Basis konnte sich das Unternehmen jedoch leicht steigern.

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Das Holcim-Zementwerk in Siggenthal

Der Umsatz des vor der Fusion mit dem französischen Konkurrenten Lafarge stehenden Unternehmens sank um 2,1 Prozent auf 5,182 Milliarden Franken, der Gewinn um 4,7 Prozent auf 447 Millionen Franken, wie Holcim am Montag bekanntgab. Um Währungseffekte und Restrukturierungskosten bereinigt konnte das Unternehmen jedoch wie schon im ersten Halbjahr leicht zulegen. Holcim-Chef Bernard Fontana zeigte sich darum mit dem Ergebnis zufrieden: „Holcim erzielte in den ersten neun Monaten trotz des weiterhin herausfordernden Marktumfelds einen soliden Leistungsausweis“, lässt er sich in der Medienmitteilung zitieren.

Stagnierender europäischer Baumarkt

Herausfordernd war der Markt vor allem in Europa. Im zweitwichtigsten Absatzmarkt hat Holcim deutlich weniger Zement und Zuschlagstoffe – Schotter, Kies und Sand – verkauft als im letzten Jahr. Über die gesamten ersten neun Monate des laufenden Jahres konnte Holcim jedoch dank Restrukturierungen und einem Sparprogramm den Betriebsgewinn in Europa trotz stagnierendem Absatz stark steigern.

Eine stark steigende Nachfrage verzeichnete Holcim seit Jahresbeginn dagegen in Nordamerika. Und auch in Asien hat die Bauindustrie laut Holcim wieder leicht angezogen, wenn sich dies auch wegen der ungünstigen Wechselkurse nicht im Umsatz und Gewinn niederschlägt. In Südamerika dagegen stagnierte wie in Europa der Absatz. Der Betriebsgewinn war sogar in Landeswährung wegen der hohen Inflation rückläufig.

Für den Rest des Jahres erwartet das Management von Holcim eine weiterhin uneinheitliche Entwicklung. In Europa sollte laut der Mitteilung die Talsohle erreicht sein. Unsicherheiten macht das Unternehmen dagegen in Südamerika aus. In Nordamerika und in Asien dagegen sollten die Verkäufe wachsen.

Auf bereinigter Basis - also unter Ausklammerung von Restrukturierungs- und Fusionskosten - wurde das Resultat von Analysten als solide beschrieben. Die Börse reagierte trotzdem negativ. Die Holcim-Aktie verlor bis 15 Uhr 2,7 Prozent.

Fusion mit Lafarge auf Kurs

Deutlich stärker als das laufende Geschäft beschäftigt das Unternehmen zurzeit jedoch die geplante Fusion mit Lafarge. Holcim will diesen Zusammenschluss in der ersten Hälfte des kommenden Jahres vollziehen. Grösste Hürde dabei sind die Wettbewerbshüter. In gewissen Märkten haben Holcim und Lafarge – die Nummer eins und zwei der Branche – eine marktbeherrschende Stellung. Um kartellrechtliche Einwände zu vermeiden, haben die Zementhersteller Fabriken und Geschäftsbereiche im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro zum Verkauf angeboten. Am 20. Oktober ist die Angebotsfrist abgelaufen. Wie Holcim-Finanzchef Thomas Aebischer am Montag in Zürich gegenüber den Medien sagte, sind rund 60 Angebote eingegangen. Laut Aebischer sind sowohl ein Verkauf des gesamten Pakets an einen einzigen Käufer wie auch ein regionaler Verkauf denkbar. In jedem Fall erfolge jedoch der Verkauf unter der Einschränkung, dass die Wettbewerbsbehörden und die Aktionäre der Fusion zustimmten.

Holcim und Lafarge haben bereits von sieben Ländern grünes Licht für die Fusion erhalten. Letzte Woche wurde der für das Fusionsprojekt entscheidende und laut Aebischer darum schwierigste Fusionsantrag bei der EU-Kommission eingereicht. Die Kommission kann den Antrag ohne Auflagen gutheissen oder aber eine vertiefte Prüfung einleiten. „Auch für den zweiten Fall sind wir zuversichtlich, dass wir die Fusion in der ersten Hälfte 2015 vollziehen können“, sagte Holcim-Chef Bernard Fontana dazu. (sda)