Holcim – „bröckeliger Zahlenzement“

Holcim – „bröckeliger Zahlenzement“

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Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise sowie der starke Franken machen Holcim arg zu schaffen: Denn obwohl der Konzern im ersten Halbjahr mehr Zement, Beton und Zuschlagsstoffe verkaufen konnte, hat der Gewinn gelitten. Im 2011 dürfte Holcim operativ weniger verdienen als 2010.
 
Im ersten Semester sank der Umsatz um 7 Prozent auf 10,143 Milliarden Franken. Dabei sorgte der starke Franken für erheblichen Gegenwind, der 1,351 Mrd. Fr. Umsatz kostete. Ohne die Währungseinflüsse wäre der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 4,6 Prozent gestiegen, so Konzernchef Markus Akermann. Der so genannte betriebliche EBITDA (operativer Gewinn vor Abschreibungen undAmortisationen) sank gar um 19 Prozent auf 1,897 Mrd. Franken. Der Gewinn des grössten Zementkonzerns der Welt schrumpfte um 4,2 Prozent auf 586 Mio. Franken. Unter dem Strich wäre der Rückgang allerdings noch grösser: eine einmalige Steuerbelastung in Nordamerika hatte im Vorjahr den Reingewinn um 186 Mio. Fr. gedrückt.

"Nicht zufrieden"

Zwar hat Holcim laut Akermann in den ersten sechs Monaten mehr Zement, Zuschlagstoffe und Transportbeton verkauft. Der Kostenschub für Energie, Rohmaterialien und Transport habe aber nicht in genügendem Ausmass auf die Kunden überwälzt werden können. Mit den Preiserhöhungen von 2,2 Prozent im ersten Halbjahr "sind wir nicht zufrieden", sagte Finanzchef Thomas Aebischer. Weitere Preiserhöhungen wären nötig. Den grössten Gewinneinbruch musste Holcim in Nordamerika hinnehmen, wo der betriebliche EBITDA um über ein Drittel auf 92 Mio. Fr. tauchte. In Europa schmolz der betriebliche EBITDA um ein Viertel auf 378 Mio. Franken. Im Vorjahr hatte der Konzern allerdings CO2-Zertifikate verkauft, die 65 Mio. Fr. in die Kasse gespült hatten. In der Schweiz sei die Baukonjunktur robust geblieben. Die Werke waren voll ausgelastet. In den anderen Weltregionen musste Holcim Einbussen in zweistelliger Prozenthöhe hinnehmen.

Verfehlte Erwartungen

Den Erwartungen der Analysten hat der Zementriese mit diesen Zahlen nicht entsprochen. Laut der AWP hatten diese mit einem Umsatz von 10,272 Mrd. Fr. und einem betrieblichen EBITDA von 2 Mrd. Fr. gerechnet. Auch der Reingewinn blieb unter den Erwartungen. Die gestiegenen Energie-, Transport- und Rohstoffkosten sowie der starke Franken sorgten für einen „bröckeligen Zahlenzement“, kommentierte die Bank Wegelin. „Die Risse im Ergebnisfundament dürften daher kaum überraschen, dennoch ist das Ausmass der Schäden enttäuschend." Das zweite Quartal sei erneut eher schwach ausgefallen, hiess es in einem Kommentar der Bank Sarasin. An der Börse machten die Investoren ihrer Enttäuschung Luft: Die Aktie fiel um 6,6 Prozent auf 44,70 Franken. Damit gehörte Holcim zu den grössten Verlierern an der Schweizer Börse. Seit der letzten Enttäuschung anlässlich der Zahlen zum ersten Quartal hat die Aktie massiv an Wert eingebüsst. Damals war das Papier noch über 70 Fr. wert gewesen.
 
 
Die Prognosen für die Zukunft seien nicht einfach, sagte Akermann. In Europa sei von einer vielerorts steigenden Nachfrage nach Baustoffen auszugehen. Demgegenüber zeichne sich in Nordamerika kein Aufschwung des Bausektors ab. Die meisten aufstrebenden Länder Asiens und Lateinamerikas dürften weiter wachsen. Insgesamt erwartet Holcim einen betrieblichen EBITDA, der knapp an das Vorjahr anschliessen wird. 2010 hatte der Konzern 4,513 Mrd. Fr. verdient. (mai/sda)