Holcim auf der Überholspur

Holcim auf der Überholspur

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Die stotternde Bauwirtschaft und der Preisdruck in Europa und den USA haben Holcim einen Dämpfer versetzt. Diese bremsten zusammen mit dem heftigen Monsun in Indien Umsatz und Gewinn des Zementkonzerns in den ersten neun Monaten des Jahres. Dennoch hat Holcim den bisherige Branchenprimus Lafarge knapp überholt.
 
Der Reingewinn von Holcim sackte um 27,1 Prozent auf 875 Millionen Franken ab. Schuld am Taucher sei einerseits der schlechtere Geschäftsgang, andererseits hätten die neu in Betrieb genommenen Zementwerke Abschreibungen und Finanzkosten in die Höhe getrieben, erklärte Finanzchef Theophil Schlatter anlässliche der Medienkonferenz von heute Mittwoch. Zudem hätten Sonderfaktoren wie beispielsweise eine einmalige Steuerbelastung in Nordamerika per saldo für ein kräftiges Minus gesorgt. Der Umsatz von Januar bis September stieg indes dank Zukäufen um 5 Prozent auf 16,568 Milliarden Franken, ohne die der Umsatz um 2,3 Prozent gesunken wäre. Durch die Akquisitionen konnte Holcim auch den Absatz von Zuschlagstoffen (+15 Prozent) und Transportbeton (+13 Prozent) kräftig steigern. Ohne Zukäufe hätte der Absatz stagniert.
 
Die Verkäufe von Zement nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent auf 102,8 Mio. Tonnen zu. Damit hat Holcim seinen französischen Konkurrenten Lafarge knapp überholt. Der bislang grösste Zementkonzern der Welt musste beim Zementabsatz einen Rückschlag von 6 Prozent auf noch 101,3 Mio. t hinnehmen. Auch beim Umsatz hat Holcim wieder leicht die Nase vor Lafarge, das in den ersten neun Monaten umgerechnet 16,4 Mrd. Fr. umsetzte. Die Lafarge-Zahlen hatten in der letzten Woche die Finanzgemeinde enttäuscht. Allerdings zeigten sich die Analysten auch über das Holcim-Ergebnis wenig begeistert. Umsatz und Betriebsgewinn verfehlten die Erwartungen, der Reingewinn übertraf sie. Das Gros der Analysten bezeichnete laut der Nachrichtenagentur AWP die Geschäftsentwicklung des dritten Quartals als enttäuschend. Die Baustoffnachfrage habe im dritten Quartal wie erwartet einen Dämpfer erlitten, erklärte Konzernchef Markus Akermann. Insbesondere in den USA, in Mexiko, Osteuropa und Indien harzte das Geschäft wegen der schlechten Wirtschaftslage und Unwettern.

Weniger Betriebsgewinn

In den ersten neun Monaten sank der so genannte betriebliche EBITDA (operativer Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen) um 1 Prozent auf 3,577 Milliarden Franken. Gründe für diese Abnahme sei ein höherer Preisdruck in wichtigen Märkten und steigende Kosten für Produktion und Distribution. Stark bekam dies Holcim in Indien zu spüren. In dem wichtigen Markt bremste der besonders starke Monsun in diesem Jahr die Bauwirtschaft, was die Zementpreise im ganzen Land ins Rutschen brachte. Zusätzlich litt Holcim unter Lieferengpässen und dem zeitweiligen Ausfall eines sehr grossen Werks, wie Akermann sagte. Nach dem Monsun werde die Nachfrage aber wieder stark anziehen. Auch in Europa und in den USA hätten sich speziell im dritten Quartal die Preise verschlechtert. Die Bauwirtschaft in Europa machte kaum Fortschritte. In Nordamerika habe sich die Nachfrage nach Wohn- und Geschäftsimmobilien ungenügend erholt. In Südamerika erwies sich die Bauwirtschaft als ziemlich krisenresistent.

Besonders rosig sieht man bei Holcim die Zukunft nicht. Die Aussichten für Europas Baumärkte seien verhalten. Auch in Nordamerika werde sich die Nachfrage kaum ändern. Derweil dürften Asien, Ozeanien und Afrika weiter wachsen. Insgesamt werde es nicht einfach sein, den betrieblichen EBITDA des Vorjahres von 4,63 Milliarden Franken zu erreichen, sagte Akermann. (sda)