Holcim-Aktionäre stimmen der Fusion mit Lafarge zu

Holcim-Aktionäre stimmen der Fusion mit Lafarge zu

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Die mit einiger Spannung erwartete ausserordentliche Generalversammlung von Holcim, die über die Fusion mit Lafarge befinden musste, war eine klare Angelegenheit. Über 93 Prozent der Aktionäre sagen Ja zur Fusion der beiden Zementgiganten.

Damit fiel das Ergebnis deutlicher aus als von vielen erwartet. Im Vorfeld hatten einige Aktionäre von Holcim Opposition gegen den Zusammenschluss mit dem französischen Konkurrenten Lafarge gemacht. Letztlich kamen an der GV allerdings nicht einmal sechs Prozent Nein-Stimmen zusammen.

Abgestimmt wurde nicht über die Fusion an sich, sondern über eine Erhöhung des Aktienkapitals um 528,47 Millionen Franken, um alle Lafarge-Aktien in LafargeHolcim-Aktien umtauschen zu können. Zusätzlich wird über eine zweite Kapitalerhöhung in Höhe von 59,13 Millionen Franken befunden, um Bonusaktien für die LafargeHolcim-Aktionäre zu schaffen. Die Aktionäre sollen pro 20 Anteilscheinen eine Gratisaktie zugeteilt erhalten.

Mit der Zustimmung zur Kapitalerhöhung sei die wichtigste Hürde auf dem Weg zur Fusion genommen, sagte ein sichtlich erleichterter Holcim- Verwaltungsratspräsident Wolfgang Reitzle. "Mit der Zustimmung haben Sie den Grundstein für die Entstehung des fortschrittlichsten und besten Unternehmens der Zementindustrie gelegt."

Reitzle gestand nach der GV vor Journalisten ein, eine so deutliche Zustimmung nicht erwartet zu haben. Vor einigen Wochen habe er noch Zweifel gehabt, ob die Fusion überhaupt durchkommen werde.

Ball bei Lafarge-Aktionären

Jetzt müssen noch die Lafarge-Aktionäre ihre Anteile Holcim andienen. Damit die Fusion zustande kommt, müssen mindestens zwei Drittel der Lafarge-Aktionäre ihre Titel gegen neue Aktien des gemeinsamen Konzerns LafargeHolcim umtauschen. Für 10 eigene Titel sollen sie 9 Aktien von LafargeHolcim erhalten. Das Umtauschangebot wird im Juni beginnen.

Auch die übrigen Anträge des Verwaltungsrats für eine Statutenänderung sowie die Änderung des Konzernnamens in LafargeHolcim wurden mit Mehrheiten von weit über 90 Prozent der Aktionärsstimmen angenommen. Die Wahlen von sieben Lafarge- Vertretern in den Verwaltungsrat gingen ebenfalls glatt über Bühne.

Lafont zuversichtlich

Sogar Lafarge-Chef Bruno Lafont, der zunächst Chef des gemeinsamen Konzerns hätte werden sollen, jetzt aber nach Widerstand von Holcim-Seite mit dem Co-Präsidium vorlieb nehmen muss, wurde reibungslos gewählt. Nur 6,6 Prozent der Aktionäre sagten Nein zum Franzosen, dessen Führungsstil im Vorfeld der Fusion auf Schweizer Seite auf Kritik gestossen war.

Lafont zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda sehr zufrieden über die klaren Resultate an der GV. Nun sei er zuversichtlich, dass auch die Lafarge-Aktionäre die Fusion annehmen und ihre Aktien umtauschen würden.

Rede auf Deutsch

Lafont war an der GV in die Charmeoffensive gegangen, indem er seine Rede auf Deutsch hielt: "Es geht um die einmalige Chance, ein Jahrhundertprojekt durchzuziehen. Lafarge hat in Holcim den idealen Partner gefunden. Geben Sie dem Projekt ihre Stimme!" Zuvor hatte bereits Reitzle für die Fusion geworben. "Wir wollen die Gründung eines globalen Unternehmens in der Baustoffindustrie." Es gehe darum, die neue Nummer eins zu schmieden, sagte Reitzle vor hunderten Aktionären in der Messe Zürich. Denn die Baustoffbranche verändere sich. "Ein Weiter wie bisher ist nicht zu empfehlen." Denn selbstkritisch gestand Reitzle ein, dass Holcim in den letzten zehn Jahren keinen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen habe. Das gelte auch für Lafarge. "Wer sich auf die Veränderungen nicht einstellt, zieht am Ende den Kürzeren. Auch Holcim muss sich auf die Veränderungen einstellen." Das gemeinsame Unternehmen könne künftig mehr in Forschung und Entwicklung investieren, um neue Produkte zu lancieren.

Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Zudem würden sich die Standorte von Holcim und Lafarge nahezu perfekt ergänzen, sagte Reitzle: "Wir sind breiter aufgestellt, auch in Ländern, in denen wir bisher nicht waren. Wir können uns künftig 30 bis 40 Prozent der Investitionen sparen und müssen keine neuen Werke bauen. Somit steigern wir den Wert des Unternehmens und die Ertragskraft."

Die kulturellen Unterschiede zwischen den Schweizern und den Franzosen seien zwar eine Herausforderung, könnten aber gemeistert werden. In einem internationalen Konzern habe man es immer mit vielen verschiedenen Kulturen zu tun. (Johannes Brinkmann, sda)