Höhlenkino in der Steinzeit

Höhlenkino in der Steinzeit

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Teaserbild-Quelle: wikimedia.org
Zu den ältesten erhaltenen Kunstwerken gehören die Höhlenmalereien in Frankreich und Spanien. Viele sind heute noch von einer unglaublichen Farbigkeit. In den zum Teil übereinander gelagerten Bildern gleicher Tiere in unterschiedlichen Positionen sehen französische Archäologen Darstellungen von Bewegungsabläufen oder vielmehr eine Art Steinzeit-Kino.
 
 
Bisher wurden die zahlreich übereinander gelagerten Höhlenbilder als Korrekturen oder als einfache „Übermalungen“ gedeutet. Nun überrascht der französische Archäologe Marc Azém mit einer verblüffenden These: Er sieht darin gewollte Darstellungen von Bewegungsabläufen. Azèm hat zusammen mit dem Künstler Florent Rivière diese neue Sichtweise veranschaulicht. Es scheint, als hätten die Höhlenkünstler vor Zehntausenden von Jahren damit die Grundlagen für Trickfilme vorweggenommen. Das heisst: im flackernden Schein des Feuers entsteht der Eindruck, dass sich die Tiere bewegen. Dies funktioniert nach dem selben Konzept wie das Daumenkino.
 
Die Forscher glauben, damit eine Erklärung zum Beispiel für Darstellungen eines achtbeinigen Bisons in der Höhle von Chauvet gefunden zu haben. In der Hähle sind von 53 Tierbildern zwölf auf diese Weise dargestellt. Sie zeigen Bewegungsabläufe wie Laufen, Schwanzwedeln oder Kopfnicken. Auch in der weltberühmten Höhle von Lascaux gibt es zahlreiche Tierabbildungen mit multiplen Köpfen, Beinpaaren und Schwänzen.
 
Bereits vor einigen Jahren präsentierten Forscher Knochenscheiben mit unterschiedlichen Bewegungsdarstellungen von identischen Tieren. Diese können über ein Loch in der Mitte gedreht werden und erwecken beim Betrachter den Eindruck einer Bewegung. (mai/mgt)
 
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Tierdarstellungen in der Höhle von Chavet.