Höhere Hürden bei Hypothekenvergabe

Höhere Hürden bei Hypothekenvergabe

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Wer eine Immobilie kaufen will, muss mit grösseren Hürden rechnen. Die Schweizer Banken haben die Richtlinien zur Hypothekenvergabe in einigen Punkten verschärft. – Im Gegensatz zum Hauseigentümerverband hat der SBV Verständnis für die härtere Gangart der Banken; und der Mieterverband begrüsst die höheren Anforderungen.

Neu wird die Frist für die Amortisation der Hypothekarschuld auf zwei Drittel des Belehnungswerts von 20 auf 15 Jahre heruntergesetzt. Zudem muss die Rückzahlung in regelmässigen Tranchen und „linear“ erfolgen. Dies teilte die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) heute Dienstag mit. Nicht von den neuen Regeln betroffen sind allerdings bestehende Hypotheken und Verlängerungen. Zur selbstauferlegten Zurückhaltung gehört auch, dass bei der Finanzierung von Immobilienkäufen oder vielmehr Handänderungen grundsätzlich nach dem Niederstwertprinzip bewertet werden soll: Als Belehnungswert ist damit der tiefere Wert von Marktwert und Kaufpreis massgebend. Des Weiteren sind bezüglich Tragbarkeit Zweiteinkommen grundsätzlich nur anrechenbar, wenn Solidarschuldnerschaft besteht. Eine Verschärfung der Eigenmittelerfordernisse - üblicherweise 20 Prozent - plant Bankiervereinigung jedoch nicht.

Mit der Anpassung der Selbstregulierung leistet die SBVg nach eigener Beurteilung einen substanziellen Beitrag zur Beruhigung des Immobilien- und Hypothekarmarkts: Es sei nun wichtig, dass diesen Richtlinien genügend Zeit eingeräumt wird, ihre Wirkung zu entfalten.

Regulatorische Eingriffe vorbehalten

Ob von staatlicher Seite nicht doch zusätzliche Massnahmen verordnet werden, ist noch offen. Die Behörden behalten sich auf Anfrage der SDA zusätzliche verbindliche regulatorische Eingriffe ausdrücklich vor: Die Finma will die von der Bankiervereinigung präsentierten neuen Richtlinien „eingehend prüfen und sofern angemessen genehmigen“. Zwar begrüsse die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV) die Anpassung der Standesregeln für die Vergabe von Hypotheken. Entscheidend für die Anerkennung sei aber die Beurteilung durch die Finma. Der Bundesrat werde über die Lage auf den Hypothekenmärkten und die beschlossenen Massnahmen nächstens diskutieren.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wollte die Massnahmen der Bankiervereinigung nicht qualifizieren. Ein Sprecher erinnerte aber daran, dass die SNB die Finma in den Anstrengungen unterstütze, damit die Risikonahme einzelner Banken reduziert oder spezifisch mit Eigenkapital unterlegt wird. Dazu war 2013 auf der Angebotsseite der antizyklische Kapitalpuffer eingeführt worden. Der Anstieg der Ungleichgewichte auf den Schweizer Hypotheken- und Immobilienmärkten habe sich jüngst zwar verlangsamt. Wie SNB-Präsident Thomas Jordan vergangene Woche erklärte, ist es für eine Entwarnung noch zu früh. Bei inlandorientierten Banken sei der Risikoappetit praktisch unverändert hoch geblieben. - Namentlich erwähnt haben die Währungshüter die Raiffeisen-Gruppe. (sda)

Reaktionen HEV, SBV und Mieterverband

Der Schweizerische Hauseigentümerverband (HEV) hat keine Freude an den schärferen Hypothekenvorschriften. Laut dem Verband wird es für Personen mit mittleren Einkommen unnötig schwieriger, sich eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen. „Die Massnahmen erschweren den Zugang des Mittelstands zum Wohneigentum“, sagt Michael Landolt, Ressortleiter Immobilienmarkt beim HEV. Ein breiter Zugang in der Bevölkerung sei aber wichtig. Landolt verweist auf Vergleiche mit dem Ausland, wo die Wohneigentumsquoten deutlich höher seien.

Beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) hat man zwar Verständnis für Selbstregulierungsmassnahmen im Hypothekarbereich. Der SBV ziehe Selbstregulierungen der Branche gegenüber staatlichen Massnahmen vor und begrüsse daher den Schritt der Bankiervereinigung, heisst es dazu in der Medienmitteilung. Die Branche sei näher am Marktgeschehen und könne daher flexibler auf Veränderungen reagieren als eine staatliche Institution, die schwerfällige Gesetze und Verordnungen erlassen müsse. Allerdings hofft man beim SBV, auf ein baldiges Ende der Regulierungsmassnahmen im Immobilienbereich, weil laut dem Verband sonst eine Überregulierung droht.

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) begrüsst den Entscheid der Schweizer Banken, bei der Hypothekenvergabe schärfere Richtlinien anzuwenden. „Die Massnahmen sind richtig“, sagt Generalsekretär Michael Töngi. Es sei ganz im Sinne des SMV, wenn die Banken sich an strengere Kriterien halten, damit eine Blase verhindert wird. Bereits vor zwei Jahren, bei den Diskussionen um die Eigenmittelverordnung in Bezug auf das Hypothekengeschäft, habe der SMV von den Banken gefordert, dass sie die Risiken minimieren, in dem sie beispielsweise bei der Amortisationspflicht ansetzen. Beim Vorbezug der Pensionskassengelder, um die es damals ging, wollte der SMV aber keine Einschränkungen. (mai/mgt/sda)