Höhenluft statt Meeresbrise

Höhenluft statt Meeresbrise

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Teaserbild-Quelle: zvg
Während in Zürich an der Limmat Hafenpoller und nächstes Jahr ein Hafenkran für Hafenatmosphäre sorgen sollen, weht auf dem Oberalppass schon bald eine Meeresbrise: Kommenden Donnerstag wird dort eine zehn Meter hohe Nachbildung des Leuchtturms „Hoek van Holland“ errichtet.
 
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Statt flaches Land umgeben das Abbild des Leuchturms "Hoek van Holland" Berge und Felsen.
 
Der Turm ist Teil des Projektes „Rheinquelle“, dass die Region um den Oberalppass Werbung bewerben soll. Der Toma-See auf dem Pass gilt gemeinhin als Quelle des Rheins. Zu stehen kommen soll das Projekt auf dem Gebiet der Bündner Gemeinde Tujetsch/Sedrun, die es auch in Auftrag gegeben hat. Neben dem höchstgelegenen Leuchtturm der Welt – er kommt auf einer Höhe von 2604 Metern zu stehen – soll auf dem Pass obendrein noch ein alter Frachtkahn einen neuen „Ankerplatz“ finden: Ab Mai 2012 fährt ein Rheinfrachter von Rotterdam den Fluss hinauf Richtung Basel. Dort wird er zerlegt und ins Gebirge transportiert um dort ab 2013 ein Museum zu beherbergen.
 
Dass der Turm ausgerechnet am Vortag des Neat-Durchstichs eingeweiht wird, hat übrigens seinen Grund: Am Vorabend sind bereits zahlreiche ausländische Journalisten in der Gegend. Er wisse bereits von holländischen Journalisten, die sicher kommen würden, erklärte Projektleiter Hanno Wyss gegenüber der „Neuen Urner Zeitung“. „Wir planen auch eine Direktschaltung nach Rotterdam.“ Derweil freut sich der Direktor von Andermatt Gotthard Tourismus Benno Nager: Man sei froh, dass die Bündner Werbung für den Oberalppass machten.
 
Allderdings scheint der Leuchtturm auch zum Stein des Anstosses geworden sein. Zumindest bei Umweltschutzorganisationen, die von dem Projekt erst vergangenen Samstag aus den Medien erfahren hatten. Dies berichtet die aktuelle Ausgabe der „Neuen Urner Zeitung“. „Das Projekt widerspricht unseren Bestrebungen, dass auf Alpen und im Gebirge nur in die Landschaft eingepasste Bauten erstellt werden sollen“ reklamiert Pia Tresch, Geschäftsführerin von Pro Natura Uri. Als wenig sinnvoll erachtet sie offenbar auch den Rheinfrachter: Allein schon der Transport sei „ökologischer Blödsinn“, wird sie im Artikel zitiert. Weil der Leuchtturm auf Bündner Grund aufgestellt wird, hat Pro Natura Uri nur einen beschränkten Handlungsspielraum. Doch immerhin steht man auch bei der Pro Natura Graubünden laut der „Neuen Urner Zeitung“ dem Projekt skeptisch gegenüber. Wenn ein Baubewilligungsverfahren laufe, werde man dieses genau studieren, so der Bündner Pro-Natura-Geschäftsführer Hans F. Schneider gegenüber der Zeitung. Den Urner Grünen passt das skurrile Projekt ebenfalls nicht. Ein Leuchtturm gehöre ans Meer und nicht auf einen Pass.
 
Projektleiter Hanno Wyss relativiert die Bedenken der Gegner. Der Leuchtturm sei ein provisorisches Projekt. Es sei nie vorgesehen gewesen, diesen auf immer und ewig stehen zu lassen. Wegen des Zeitdrucks sei es nicht möglich gewesen, die Umweltverbände mit einzubeziehen. Das will man nun nachholen.
 
Für den Leuchtturm existiert laut der „Neuen Urner Zeitung“ übrigens erst eine provisorische Baubewilligung. Ein Ankerplatz für das Frachtschiff wurde bis anhin noch festgelegt. Kosten soll das Projekt – nicht miteingerechnet den Innenausbau des Schiffs – rund 2,5 Millionen Franken. (mai)