Höchster Kirchturm der Welt hat Geburtstag

Höchster Kirchturm der Welt hat Geburtstag

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Teaserbild-Quelle: flickr.com, Andreas Hallerbach, CC

Das Münster von Ulm blickt auf eine bewegte Baugeschichte zurück. Mehrere hundert Jahre wurde am gotischen Bau gearbeitet. Das architektonische Meisterwerk, das mit 161,53 Metern den höchsten Kirchturm der Welt besitzt, wurde erst vor 125 Jahren fertiggestellt.

Der Sakralbau ist das Wahrzeichen der Donaustadt Ulm. Seine Geschichte beginnt im tiefen Mittelalter. Am 30. Juni 1377 legte der damalige Bürgermeister Ludwig Krafft den Grundstein für das Ulmer Münster. Wie auf Wikipedia nachzulesen ist, soll der Bauplan vom ersten Baumeister Heinrich II. Parler stammen. Er beinhaltete eine Hallenkirche mit drei ungefähr gleich hohen Schiffen, einen Westturm und zwei Chortürme. Allein der Chor weist eine Länge von 29 Metern und eine lichte Breite von 15 Metern auf. Der Meister baute diesen sowie die unteren Teile der Chorflankentürme, bevor die Bauleitung 1381 an Meister Michael Parler überging. Dieser führte den Bau sodann im Langhaus weiter. Von 1387 bis 1391 hatte Meister Heinrich III. Parler die Bauleitung inne. Ein Jahr später war es Ulrich Ensinger. In seine Zeit fiel auch die Weihung des Münsters am 25. Juli 1405. Damals war der Bau nur durch ein provisorisches Notdach gedeckt. 1446 übernahm Eningers Sohn Matthäus die Bauleitung bis 1463. Er vollendete im Jahr 1449 das Chorgewölbe und drei Jahre später das Gewölbe des Nordschiffs.

Neue Pläne

1447 war erneut ein anderer Meister am Werk, Matthäus Böblinger. Er änderte die Pläne, vor allem jene des Hauptturms. In seine Zeit – er wirkte bis 1494 am Kirchenbau mit – fielen auch die ersten Schäden. Die Seitenschiffe mussten abgerissen und niedriger geplant werden, weil sie die Wände des Mittelschiffs belasteten. Die Nordwand dieses Schiffs weist noch heute eine Abweichung aus dem Lot von bis zu 27 Zentimetern auf. Böblingers Nachfolger Burkhard Engelberg aus Augsburg übernahm die notwendigen Sicherungen am Bau.

Kein Geld mehr

Der Stillstand erfolgte im Jahr 1543. Einerseits herrschten zu dieser Zeit innenpolitische Spannungen in Ulm, andererseits war die Reformation der Stadt in vollem Gang (in diesen Jahren trat Ulms Bevölkerung zum evangelischen Glauben über). Und es fehlte auch am Geld. In dieser Zeit ragte der Hauptturm bereits 100 Meter in den Himmel, die Chortürme etwa 32 Meter. Dieser Zustand blieb drei Jahrhunderte erhalten. So lange ruhte der Bau. Die Arbeit wurde erst 1844 wieder aufgenommen, als die Stadt wieder zu Wohlstand gekommen war. Priorität hatten in jener Zeit die Sicherungsmassnahmen für den Weiterbau und der Ausbau der zwei Chortürme. 1880 mussten wieder Erhaltungsmassnahmen unternommen werden, bevor es fünf Jahre später mit der Vollendung des Haupt- beziehungsweise Westturms losging. Am 31. Mai 1890 wurde eine Kreuzblume aufgesetzt. Das Münster hatte sein heutiges Aussehen erhalten. Die Leitung für diesen letzten Bauabschnitt lag in den Händen Augusts von Beyer. Gegenüber den ursprünglichen Plänen wurde der Hauptturm damals um zehn Meter erhöht. Es wurde spekuliert, dass der Grund darin liege, dass der Turm des Ulmer Münsters den Kölner Dom – er ist 157 Meter hoch – überragen sollte. Ulm bestritt dies stets. Und bis heute weiss man es nicht genau. (mt)