Hochhaussanierung im Passivhaus-Standard

Hochhaussanierung im Passivhaus-Standard

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Ein Vorzeigeprojekt in mehrfacher Hinsicht wurde in den letzten anderthalb Jahren in Freiburg (DE) realisiert: Unter anderem ist der 16-Geschosser von 1968 das erste sanierte Hochhaus im Passivhausstandard weltweit. Es stellt außerdem den Auftakt zu einem dreiphasigen Sanierungsprojekt dar, mit dem der Stadtteil Weingarten bis 2020 energetisch und sozial zukunftsfähig werden soll.
 
zvg
Quelle: 
zvg
Das kürzlich sanierte Hochhaus bedeutet erst den Beginn der Quartieraufwertung. Bis 2020 soll der Primärenergiebedarf der Umgebung um 50 Prozent gesenkt werden.
 
In Freiburg-Weingarten wohnen 5800 Einwohner auf einer Fläche von 30 Hektaren. Die verschiedensten Akteure von der städtischen Wohnbaugesellschaft bis zum Bundesbauministerium (mit dem Programm «Energieeffiziente Stadt») beteiligten sich an dem Projekt: So wird das Haus mit Fernwärme und Strom aus einem Blockheizkraftwerk des örtlichen Energieversorgers beliefert.
 
Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) war für die Planung der bauphysikalischen Veränderungen zuständig und wird während der nächsten zwei Jahre durch detaillierte Messungen von Warmwasser-, Haushaltsstrom- und Wärmeverbrauch sowie Fensterkontakten die Berechnungen überprüfen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in künftige vergleichbare Planungen einfliessen. Im April wurde das sanierte Hochhaus übergeben, weitere drei werden in Bauphase eins ertüchtigt. Zum Sanierungsgebiet gehören neben Hochhäusern auch acht- und viergeschossige Mehrfamilienhäuser sowie Nichtwohngebäude wie die Evangelische Hochschule für Sozialwesen, die Kirche und das Gemeindezentrum, Einzelhandelsgeschäfte und ein Lebensmittelmarkt.

Wärmedämmung und Luftdichtheit

Der Primärenergiebedarf des gesamten Stadtteils soll bis 2020 um 50 Prozent gesenkt werden. Der Heizwärmebedarf der Hochhaus-Energieschleuder aus den 60er-Jahren hat sich um 80 Prozent reduziert. Wesentliches Element der Ertüchtigung war die Sanierung der Gebäudehülle. Dazu gehörte die Minimierung von Wärmebrücken, wie die thermische Trennung der Balkone. Die bislang vor der Schottenfassade durchlaufenden Freisitze wurden zum Teil abgeschnitten, die restlichen ins Gebäude integriert. Fassaden und Kellerdecken wurden mit 20, das Dach mit 40 Zentimetern Dämmung eingepackt.
 
Auch die Rollladenkästen wurden gedämmt. Sämtliche Fenster sind nun mit Dreifachverglasung ausgestattet, deren U-Wert zwischen 0,8 und 0,9 W/m²K liegt. Dieser Wert wird durch die besonders stabilen Fensterprofile des Herstellers Rehau erreicht, die eine Stahlarmierung überflüssig machen und damit den Wärmedurchgang weiter reduzieren. Zur Realisierung der notwendigen Luftdichtheit nach Passivhausstandard dichtete der Fensterbauer Kneer-Südfenster, Westerheim, die 86 Millimeter tiefen Mehrkammerprofile mit der Fensterfolie «illbruck ME500 TwinAktiv» von Tremco illbruck, Köln, ab. Diese eignet sich aufgrund ihrer Flexibilität besonders für Fensterfugenabdichtungen an Umbauten. Es gibt sie in vielen verschiedenen Varianten. Zum Beispiel mit Bewegungsfalte für besonders unregelmässige Fugen. Mehrere Klebebefestigungen ermöglichen die unterschiedlichsten Anschlüsse, mit Keder zum Einklinken in Kunststofffensterprofile und zum Einputzen in die Fensterlaibung. Im abschliessenden Blower-Door-Test erreichte das Freiburger Hochhaus einen sensationellen Luftdichtigkeits-Wert von 0,25 – deutlich unter dem Grenzwert für Passivhäuser von 0,5.

Intelligentes Feuchtemangement

Bauphysikalisch sorgt die flexible Folie für besonders trockene Fensteranschlussfugen auf Dauer und damit für die Unterbindung von Wärmebrücken etwa durch feuchte Wärmedämmung und von Schimmelbefall. Möglich wird das durch die feuchtevariable Einstellung der Folie. Ihr Dampfdiffusionswiderstand (Sd-Wert) passt sich den Feuchteverhältnissen in der Fuge an. Üblicherweise verläuft der Weg des Dampfdrucks vom warmen Inneren des Gebäudes nach aussen. Dort entweicht der Dampf durch die Folie nach draussen. Mitunter jedoch, etwa wenn die Sonne auf das Fenster scheint, kehrt sich der Weg des Dampfdrucks um.
 
In diesem Moment wird die Folie – anders als andere Abdichtungsprodukte, etwa Silikon – nach innen durchlässig; nicht auf Dauer, sondern nur so lange, bis sich die Druckverhältnisse wieder «normalisieren» und die Feuchtigkeit wieder nach aussen entweichen kann. Die Fuge bleibt damit viel trockener und die Wärmedämmung ist besonders gut geschützt. Durch dieses intelligente Feuchtemanagement erfüllt die Folie souverän die Bedingungen der EnEV an die Ausführung von Fensteranschlussfugen auf dem Stand der Technik. «illbruck ME500 TwinAktiv» ist als einzige Fensterfolie auf dem Markt von der RAL Gütegemeinschaft FDKS, Frankfurt am Main, ausgezeichnet worden, darüber hinaus wurde sie vom ift Rosenheim, vom Deutschen Institut für Bauqualität, Berlin, und nicht zuletzt vom Fraunhofer Institut für Bauphysik, Stuttgart, mit hervorragendem Ergebnis unter anderem auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Der Hersteller Tremco Illbruck gewährt ausserdem eine Funktionsgarantie im Rahmen des Illbruck «i3» Fenster-Abdichtungssystems von zehn Jahren auf die Folie.
 
Abgerundet wird das Programm hochwertiger Abdichtungsprodukte durch den kompetenten Service für Verarbeiter, sodass mangelfreie Ausführung der Regelfall in den von Tremco Illbruck betreuten Objekten ist. Bei der Firma in Freiburg wurden die Verarbeiter beraten und erhielten eine Einweisung in die Verwendung von «illbruck ME500 TwinAktiv» durch eine Mustermontage.

Mehr Wohnqualität

Durch diese bemerkenswert luftdichte Gebäudehülle steigt in den Wohnungen die Behaglichkeit, Energiekosten und Umweltbelastung sinken dagegen. Neben der ertüchtigten Gebäudehülle tragen dazu verschiedene technische Komponenten bei: kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung, platziert in einem eigenen Geschoss auf dem Dach, und eine Photovoltaik-Anlage mit 24 Kilowatt.
 
Innerhalb des Hauses fand eine Verdichtung statt: Pro Geschoss gibt es jetzt neun Wohnungen statt sechs, insgesamt 49 mehr als zuvor; die Drei-Zimmer-Wohnungen haben jetzt eine Wohnfläche von 70 statt 86 Quadratmetern, bei den Zwei-Zimmer-Wohnungen sind es 50 statt 64 Quadratmetern. Die in die Wohnfläche einbezogenen Balkone machen einerseits die Räume tiefer und dunkler, andererseits gelangt durch die sturzfreien Fenster, vor denen sich nun keine Balkone mehr befinden, mehr Licht und Wärme in die Wohnungen. Gegen zu starke Aufheizung im Sommer wurde ein aussen liegender Sonnenschutz angebracht. (Dagmar Ruhnau)