Hochhäuser beim Rheinfall

Hochhäuser beim Rheinfall

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Vor allem auf kommunaler Ebene fanden vergangenes Wochenende verschiedene baurelevante Abstimmungen statt. So kann nun in Luzern die neue Bau- und Zonenordnung in Kraft treten und in Neuhausen am Rheinfall können zwei Hochhäuser gebaut werden. Auf Kantonsebene ging es zu einem grossen Teil um Verkehrsprojekte: Die Aargauer Stimmberechtigten sagten Ja zur Südwestumfahrung von Brugg, während im Tessin die Lega mit ihrer Initiative für ein Tunnelprojekt scheiterte.

Abstimmungen auf Gemeindebene

Allschwil BL: Schulanlage für rund 70 Millionen Franken. Für die Schulanlage Gartenhof und die Sportplatzerweiterung im Brüel bewilligte das Stimmvolk mit einem klaren Mehr 69,6 Millionen Franken. Das geplante Schulhaus soll vier Klassenzügen Platz bieten und die beiden in die Jahre gekommenen Schulhäuser Gartenstrasse und Bettenacker ersetzen. In der neuen Anlage, die Gemeinschaftsprojekte der Birchmeier Uhlmann Architekten und der Carlos Rabinovich Architekten aus Zürich ist,  werden 24 Klassenzimmer untergebracht, acht Spezialzimmer, eine Aula und eine Dreifachturnhalle.

Bern: Wohnraum wird weiterhin geschützt. Wer in Bern eine Wohnung abbrechen oder in ein Büro umwandeln will, braucht auch künftig eine Bewilligung. Dies verlangt die teilevidierte Bauordnung, welche von den Stadtbernern mit einem überwältigenden Ja-Stimmenanteil abgesegnet wurde. Der Wohnraumschutz gilt allerdings nur, wenn in der Stadt Wohnungsknappheit herrscht. Das ist dann der Fall, wenn der über drei Jahre ermittelte Leerwohnungsbestand unter einem Prozent liegt.

Biel: Park an der Schüss. Vor dem neuen Swatch-Hauptsitz kann die Stadt einen neuen, etwa acht Fussballplätze grossen Park anlegen, die sogenannte „Schüssinsel“ aus der Feder des Basler Büros Fontana Landschaftsarchitektur. Der Souverän genehmigte mit einem sehr deutlichen Mehr den dafür notwendigen Kredit von 15,3 Millionen. Der neue Erholungsraum kommt grösstenteils zwischen dem Ufer der Schüss und dem Steblerkanal zu liegen. Die Ufer der Schüss werden revitalisiert und teilweise für die Bevölkerung zugänglich gemacht. - Beim Park ist auch eine Siedlung mit Mehrfamilienhäusern geplant.

Luzern: Ja zur revidierten Bau- und Zonenordnung, Nein zum Hochhaus in der Seeburg. In Luzern dürfen nur an drei neuen Standorten Hochhäuser gebaut werden: Das Stimmvolk lehnte die Seeburg als möglichen Hochhausstandort ab. Ja sagte es allerdings dazu, dass am Pilatusplatz, am Bundesplatz und im Steghof höhere Häuser gebaut werden können. In einer separaten Vorlage ging es um die neue Bau- und Zonenordnung, mit der eine verdichtete Siedlungsentwicklung gefördert werden und eine spezielle Tourismuszone festgelegt werden soll. Diese segneten die Luzerner mit einem klaren Mehr ab. – Die Juso-Volksinitiative „Zwischennutzung statt Baulücke“ die verlangte, dass leerstehende Gebäude und Räume für Zwischennutzungen zur Verfügung gestellt werden müssen verwarf das Stimmvolk deutlich.
 
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Die Hochhäuser in Neuhausen werden vom Rheinfall aus zu sehen sein.

Neuhausen SH: Zwei Hochhäuser beim Rheinfall. Auf dem früheren Gelände der Alusuisse kann eine Wohnüberbauung mit zwei umstrittenen Hochhäusern gebaut werden. Die beiden Türme werden auch vom Rheinfall aus zu sehen sein und stammen aus der Feder des Zürcher Architekten Peter Märkli. - Mit einem äusserst knappen Mehr – es waren gerade mal 16 Ja-Stimmen mehr - sagte das Stimmvolk Ja zur Umzonung des entsprechenden Areals. Das Projekt privater Investoren umfasst 240 Miet- und Eigentumswohnungen, ein Park, ein Marktplatz sowie Gewerbe- und Dienstleistungsflächen.

St. Gallen: Erneuerung des Bahnhofplatzes. Die Stimmberechtigten hiessen den Kredit von 37,4 Millionen Franken für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes gut. Geplant sind unter anderem ein zentraler neuer Bushof, eine neue Ankunftshalle für Zugpassagiere und eine eine Verbesserung der Personenunterführung. Am Projekt beteiligen sich die SBB sowie Kanton und Bund. Insgesamt wird mit Kosten von rund 120 Millionen Franken gerechnet. - Eine Verlängerung der Unterführung von den Perrons bis zum Kornhausplatz lehnten die Stimmberechtigten klar ab. Für die Verlängerung hätten zusätzliche zwölf Millionen Franken ausgegeben werden müssen.

Uster ZH: Aus für Jean Nouvels Expo-Pavillon? Mit einem klaren Mehr lehnten die Stimmberechtigten die Verlegung der Buswendschlaufe ab. Bei dieser Abstimmung ging es  jedoch um einiges mehr als um den ÖV. Denn eine Verlegung der Schlaufe hätte Platz für Jean Nouvels Pavillon geschaffen: Einst stand er in Murten an der Expo02, nun will ihn der Verein Pavillon Nouvel am Greifensee zu neuem Leben erwecken, bzw. ihn wieder aufstellen und darin ein Restaurant unterbringen. Am Bau des Stararchitekten scheiden sich die Geister: Für die einen ist er ein Architekturjuwel für die anderen eine „Rostlaube“. Im Abstimmungskampf sei zum Teil der falsche Eindruck entstanden, dass man mit einem Nein den Pavillon verhindern könne, erklärt Stadtrat Thomas Kübler in der aktuellen Ausgabe des „Tages-Anzeigers“. Denn der Verein Pavillon Nouvel hatte vom Baurekursgericht die Auflage erhalten, zusätzliche Standorte abzuklären. Somit ist erst ein Standort vom Tisch.

Zürich: Wohnsiedlung und Schulhaus werden gebaut. Auf der Kronenwiese in Zürich-Unterstrass kann eine neue städtische Wohnsiedlung gebaut werden. Neben 99 Wohnungen gehören ein Doppelkindergarten, ein Hort, eine Kindertagesstätte sowie Gewerbe- und Lagerräume zur Überbauung. Der Baustart soll 2014 erfolgen. Die Stimmberechtigten genehmigten den Kredit für das Projekt der Armon Semadeni Architekten aus Zürich mit einem hohen Ja-Stimmenanteil. – Ebenfalls gebaut werden kann das Schulhaus Blumenfeld in Zürich-Affoltern: Die Stimmberechtigten segneten den 90-Millionen-Franken-Kredit ebenfalls mit einem überwältigenden Ja-Stimmenanteil ab. Im Schulhaus aus der Feder der AGPS Architekten aus Zürich sollen 15 Primarschulklassen untergebracht werden, eine Dreifachturnhalle ist ebenfalls Teil des Projekts. Diesen Sommer sollen die Bauarbeiten starten.

Kantonale Abstimmungen

Aargau: Südwestumfahrung Brugg wird gebaut. Die rund 47 Millionen Franken teure und drei Kilometer lange Südwestumfahrung von Brugg kann definitiv gebaut werden. Dies haben die Stimmberechtigten mit einem klaren Mehr entschieden. Die Entlastungsstrasse soll eine bessere Verbindung zwischen der Region Aaretal/Schinznach und dem A1/A3-Anschluss im Birrfeld sicherstellen. Die Bauarbeiten starten voraussichtlich erst Ende 2014.

Tessin: Kein Tunnelprojekt im Malcantone. Die Gemeinde Agno wird nicht mit einem Umfahrungstunnel sondern mit einer Umfahrungsstrasse vom Verkehr entlastet. Die Stimmbürger haben sich mit einem eher knappen Mehr gegen die Idee der Lega entschieden, das Entlastungsprojekt unter den Boden zu verlegen. Damit wird der Verkehr nun von der Kantonsstrasse über eine neue Ausweichroute parallel zum Flughafen geführt. Dafür hat das Parlament bereits einen Kredit von 133 Millionen Franken bewilligt. Langfristig besteht die Möglichkeit, zwei zusätzliche Tunnel in den Gemeinden Caslano und Magliaso zu realisieren. Die Lega kritisierte die Pläne des Kantons als ein „"Puzzle aus Baumassnahmen“.

Uri: Kanton übernimmt in Härtefällen die Schneeräumung für Gemeinden.  Die Grundlage für diese Sonderregelung schafft das neue Strassengesetz, das vom Stimmvolk klar angenommen wurde. Das neue Gesetz bildet die rechtliche Grundlage für die Planung, den Bau und den Unterhalt der öffentlichen Strassen im Kanton. Das neue Gesetz tritt per 1. Januar 2014 in Kraft. (mai/sda)