Herzog & de Meuron sanieren Berliner Tacheles

Herzog & de Meuron sanieren Berliner Tacheles

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Am Anfang war der Komplex von 1908 ein Einkaufstempel, dann wurden seine Räume unter anderem von der SS genutzt und zuletzt diente er als alternatives Kulturzentrum:  das Kunsthaus Tacheles in Berlin. Und nun wird es unter der Leitung von Herzog & de Meuron saniert, der Rest der Brache mausert sich zum neuen Stadtteil. Heute starteten erste Vorarbeiten für den Bau.

Als die Friedrichsrassenpassage 1908 ihre Pforten eröffnete, dürfte der fünfstöckige Gebäudekomplex zu den modernsten Berlins gezählt haben. Schliesslich hatte das Kaufhaus eine der ersten Stahlbetonkuppeln der Stadt sowie ein eigenes Beförderungs- und Rohrpostsystem.  Weil das Kaufhaus Konkurs gegangen war, nutzte darauf die AEG den Bau. Mitte der 1930er-Jahre wichen die Schauräume des Elektrokonzerns den Büros  der Deutschen Arbeitsfront für den Gau Kurmark und kurz darauf zog das Zentralbodenamt der SS ein. Immerhin überlebten grosse Teile des Gebäudes die Luftangriffe auf Berlin. Im Osten der Stadt gelegen übernahm es nach dem Krieg der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund.  Als dieser auszog wurde der Bau zwar weiterhin intensiv genutzt, aber nie saniert.

Schliesslich baute man ihn – nachdem Statikgutachten erstellt waren – teilweise zurück. Nachdem die letzten Überreste auch noch  hätten weichen sollen, besetzte die Künstlerinitiative Tacheles das marode Gebäude – mit Erfolg: Es wandelte sich zum Kulturzentrum und avancierte zur Touristenattraktion. 2012 wurde die mittlerweile unter Denkmalschutz gestellte Ruine geräumt. Seither steht sie leer. Das Areal gilt als eine der letzten unbebauten Brachen in Berlin Mitte.

Nun folgt ein weiteres Kapitel seiner bewegten Geschichte: Das Immobilienunternehmen Perella Weinberg Reals Estate (PWRE) plant am Platz des einstigen Kulturzentrums einen neuen Stadtteil mit Wohnungen, Geschäften und Büroflächen, während die Überreste des einstigen Kaufhauses instandgesetzt werden. Hierfür zeichnen Herzog & de Meuron verantwortlich, ebenso obliegt ihnen die „künstlerische Gesamtleitung“ des Projektes. Dies teilte der Investmentfonds von PWRE mit. Neben den Baslern werden vier Berliner Büros Entwürfe für das neue Quartier erarbeiten. Die Verhandlungen laufen gemäss Medienmitteilung bereits und sollen noch diesen Monat über die Bühne gegangen sein.

„Mit der Neubebauung und der Sanierung wollen wir die Geschichte dieses besonderen Ortes in der Mitte Berlins einfangen und auf zeitgemässe Art widerspiegeln“ erklärt dazu Sebastian Klatt, Geschäftsführer von PWR Development.  Ein erster Schritt ist bereits getan. Heute starteten die Vorarbeiten für den Aushub der Baugrube. Ab Mitte 2018 will man mit den Hochbau- und Sanierungsarbeiten beginnen. Und 2020 soll das letzte Gebäude bezugsbereit sein.  (mai)