Hauptdurchstich am Ceneri-Basistunnel

Hauptdurchstich am Ceneri-Basistunnel

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Mineure stehen im Staub nach der Sprengung beim Hauptdurchschlag des Ceneri-Basistunnels in Camorino-Vigana TI. (Samuel Golay / Keysteone) 1/13

Heute Mittag, kurz vor 12 Uhr ist die 15,4 Kilometer, lange Weströhre des Ceneri-Basistunnels rund 700 Meter vor dem Nordportal durchschlagen worden. Vor und im Tunnel haben 1500 Zuschauer in Camorino TI einen der letzten Durchstiche der neuen Nord-Süd-Alpentransversalen mit verfolgt.

Eine donnernde Explosion, fliegende Gesteinsmassen und anschliessend jubelnde Mineure, die sich in die Arme fielen: Heute ist in der Weströhre des Ceneri-Basistunnel der Hauptdurchstich gelungen. Am Ende waren dem historischen Ereignis nur noch zwei Meter Fels im Wege gestanden.

1992 sei der Volksentscheid für die NEAT gefallen und nun seien die Ausbrucharbeiten für die erste Flachbahn durch die Alpen beendet worden, sagte Renzo Simoni, Chef der Alptransit Gotthard AG vor dem Durchstich. Es sei ein denkwürdiger Tag für die Schweiz und den gesamten Eisenbahnverkehr.

Die Arbeiten am Ceneri-Basistunnel sind 2006 in Angriff genommen worden, und nun folgte der Hauptdurchschlag mit grosser Präzision: Denn die seitlichen Abweichungen betrugen nach dem Durchbruch nur zwei Zentimeter. Mitte dieses Jahres soll mit dem Einbau der Bahntechnik begonnen werden. Wann der Ceneri- Basistunnel als Ergänzung zum Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen werden kann, steht noch nicht ganz fest. Vorläufig wird Ende 2020 angepeilt.

Tessiner Gemeinde stellt sich quer

Um diesen Termin einhalten zu können, bedarf es allerdings einer Einigung mit Camorino: Die Tessiner Gemeinde war weder mit der Grösse noch mit der Position des Bahntechnikgebäudes am Nordeingang des Tunnels einverstanden und konnte sich damit letzten Sommer vor dem Bundesgericht gegen den Bund und die AlpTransit Gotthard AG durchsetzen. Man sei zuversichtlich, dass sich eine Einigung finden lasse, sodass keine weitere Verzögerung entstehe, sagte Renzo Simoni vor dem Durchstich. Die Zeit drängt: Können die Bauarbeiten nicht im März starten, befürchtet die NEAT-Aufsichtsdelegation dass das Risiko besteht, dass die Inbetriebnahme verschoben werden muss.

Die NEAT sei das Kernstück für den Gütertransport zwischen Rotterdam und Genua, erinnerte Peter Flüglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV) im Rahmen des Medienanlasses an die europäische Dimension des Bauwerks.  Sie sei der Beweis für eine offene Schweiz. Dies sei in einer Zeit, in der das Land drohe sich zu isolieren von grosser Bedeutung. Derweil verwies Lega-Staatsrat Claudio Zali fest, dass das Tessin werde durch den Ceneri-Basistunnel zu einer "dynamischeren und kompakteren Region“ wird. Durch die Fahrtzeitverkürzungen im Dreieck zwischen Bellinzona, Lugano und Locarno solle die Verkehrssituation des Stau geplagten Kantons grundlegend verbessert werden.

Sicherheitsbedenken widerlegt

Alptransit Gotthard AG-Chef Simoni gedachte mit einer Gedenkminute vor dem Durchstich der zwei während des Baus des Tunnels ums Leben gekommenen Arbeiter. In seiner Rede unterstrich er, dass die Sicherheit aller Arbeitenden zu keiner Zeit vernachlässigt worden sei. Wer ohne Fakten das Gegenteil behaupte, sei „schlicht und einfach nicht glaubhaft“, sagte Simoni. Im Oktober 2015 hatte das Magazin „Falò“ des Tessiner Fernsehens RSI schwere Vorwürfe bezüglich der Sicherheitsbedingungen auf der Baustelle des Ceneri-Basistunnels erhoben.

Gefeiert wurde heute der Hauptdurchschlag der Weströhre. Der Durchschlag der Oströhre findet Anfang nächster Woche statt. Dort fehlen aktuell noch rund 20 Meter. (mai/sda)