Harter Franken bleibt eine harte Nuss

Harter Franken bleibt eine harte Nuss

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Für die Schweizer Wirtschaft ist der Frankenschock nach wie vor eine Herausforderung. Das KOF-Konjunkturbarometer liegt mit 99,8 Punkten nahe beim langjährigen Durchschnitt und das Konsumklima liegt trotz günstigerer Konjunkturerwartungen noch immer unter dem historischen Mittel. Weniger optimistische Erwartungen bezüglich Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatzsicherheit  drücken auf die Stimmung. Beim BIP-Wachstum wird für 2015 nach wie vor ein bescheidenes Plus erwartet. Die Teuerung bleibt im negativen Bereich.Dies zeigt die Metaanalyse von Fahrländer Partner. 

In der aktualisierten Metaanalyse "Konjunktur"  von Fahrländer Partner fliessen die Erkenntnisse aller wichtiger Indikatoren und Prognose-Institute der Schweiz (Seco, KOF, CS, UBS, Créa, BAK). Aus den Prognosen der einzelner Institute wird ein mittlerer Prognosewert errechnet, der ein ziemlich verlässliches, breit abgestütztes Prognosebild ergibt.  Gut 10 Monate nach dem SNB-Entscheid liegen die so errechneten Mittelwerte für eine BIP-Prognose bei +0,8% für 2015 und bei +1,3%für 2016. Für die Arbeitslosenrate liegen die Erwartungen bei 3,4% für 2015 und 3,6% für 2016.

Im Detail heists das: Auffallend ist, dass die Werte aller Prognose-Institute im Gegensatz zu früheren Erhebungen nicht stark voneinander abweichen. Die Seco-Prognose gibt sich etwas optimistischer und rechnet für das gesamte 2015 mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von +0,9% und für 2016 mit +1,5%. Das KOF kommt etwa auf die gleichen Werte nämlich +0,9% in diesem und +1,5% im nächsten Jahr während  BAK Basel  +0,8% im laufenden Jahr und einem Anstieg auf +1,2% im 2016 entgegensieht. Die Grossbanken geben sich für dieses und das nächste Jahr etwas zurückhaltender, die CS mit +0,8% und +1,2% , sowie die UBS mit +0,5% und +1,1%, fast gleichauf wie die Créa-Prognose mit +0,6% und 1,2%. Das unmittelbar nach dem Frankenschock da und dort befürchtete Abrutschen der Schweizer Wirtschaft in eine Rezession scheint sich definitiv nicht zu bewahrheiten. Die durch Fahrländer Partner errechneten Mittelwerte liegen mit +0,8% im 2015 und +1,3% für 2016 noch deutlich im grünen Bereich.

Importe und Exporte wertmässig im Minus

Gemäss Eidgenössischer Zollverwaltung schwächten sich die Aussenhandelszahlen im dritten Quartal  stärker ab als in den beiden Quartalen zuvor. Die Rückgänge sind vor allem das Resultat von rückläufigen Preisen (–7%). In bescheidenerem Masse dürften Preissenkungen auch bei den Exporten einen Teil des Minus ausmachen, da viele Unternehmen Ihre Kalkulationen nach unten anpassen mussten, um im Markt zu bleiben. Die Handelsbilanz schloss im dritten Quartal mit einem Rekordüberschuss. 

Robuste Konsum-Erwartungen

Die von Fahrländer Partner errechneten durchschnittlichen Prognosen für den Privatkonsum liegen bei +1,3% für 2015 und +1,4% für 2016. Ein positives Signal sind die höheren Neuimmatrikulationen von Personenwagen, die ebenfalls auf ein solides Konsumwachstum deuten. Der öffentliche Konsum liegt etwas höher mit +2,2% für 2015 und +1,4% für 2016.

Das Konsumklima in der Schweiz hat sich gemäss SECO zwischen Juli und Oktober 2015 kaum verändert und liegt damit nach wie vor deutlich und dem Durchschnitt. Obwohl mit einer leicht besseren Konjunktur gerechnet wird, haben sich die Erwartungen der Konsumenten bezüglich Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatz-Sicherheit verschlechtert.  

Dass sich die Inflation mittelfristig noch im Minusbereich bewegen wird, darin sind sich alle massgeblichen Institute einig. Beim Mittelwert aller entsprechenden Prognosen kommt Fahrländer Partner auf -1,1% im 2015 und –0,1% im 2016.

Differenzierte Entwicklungen bei Immobilienpreisen und Mieten

Die Metaanalyse Immobilien von Fahrländer Partner für den Bereich Wohnimmobilien zeigt nach wie vor unterschiedliche Entwicklungen auf überwiegend hohem Niveau. 

Gemäss Transaktionspreisindizes von Fahrländer Partner sind im 3. Quartal die Preise für Eigentumswohnungen schweizweit um  –1,9% gesunken. Dies ist vor allem auf das gehobene Segment zurückzuführen, wo ein Rückgang von –4,7% ausgewiesen wird. Die Einfamilienhaus-Preise im  mittleren Segment ziehen leicht an und im gehobenen Segment herrscht weiterhin Zurückhaltung. 

Bei den Preisen für Mehrfamilienhäuser zeigt sich gemäss SWX IAZI Preisindex im 3. Quartal 2015 gesamtschweizerisch eine Stagnation.

Die Wohnungsmieten in den grosszentralen Regionen Genf, Basel und Zürich, vor allem bei  Altbau-Wohnungen, ziehen deutlich an. Bei Neubauwohnungen zeigt sich jedoch eine Seitwärtstendenz. Auch schweizweit steigen die Mieten im Altbau deutlich stärker  – mit +5,6% im Vergleich zum Neubau mit +1,9%.

Die Marktmieten für Büroflächen bleiben unter Druck.  Das Überangebot an Büroflächen drückt auf die Preise. Die Markt(netto)mieten für Büroflächen reduzierten sich im Vergleich zum Vorquartal in der Region Genfersee  um –4,7%, Region Mittelland –3,1%, Region Basel –1,1%, Region Zürich –1,0%.  Weiterhin gilt, dass sich auf Grund bevorstehender und geplanter Neuzugänge die Situation vorläufig noch nicht beruhigen dürfte. Das Gleiche gilt auch für Verkaufsflächen vor allem an peripheren Lagen. Hier kommen noch die Veränderungen im Einkaufsverhalten (Online-Einkäufe, Einkaufstourismus) als negative Einflüsse dazu.

Der Bauindex der CS des Schweizer Baumeisterverbandes erreicht im 3. Quartal 2015 mit 127 Punkten den tiefsten Stand seit 2010. Verantwortlich ist hier die Indexkomponente Hochbau, die gegenüber dem Vorquartal  um –4,3% zurückgeht. (mai/mgt)