Häuser statt Äcker und Weiden

Häuser statt Äcker und Weiden

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Das Siedlungswachstum hat sich in der Schweiz in den vergangenen Jahren verringert. Für das Siedlungswachstum „bezahlen“ vor allem Landwirtschaftsflächen. Dies zeigen Teilergebnisse der dritten Erhebung der Arealstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS), die neu auch die Kantone Zürich, Zug und Schaffhausen berücksichtigt.
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Das Bundesamt für Statistik verzeichnete in den letzten 24 Jahren ein abgeschwächtes Siedlungswachstum.
 
 
Bei seiner Arealstatistik verglich das BFS die Jahre zwischen 1982 und 1994 mit der Zeit von 1994 bis 2004 und nahm total 16 Kantone unter die Lupe: Der Perimeter umfasst Zürich, Bern, Luzern, Obwalden, Nidwalden, Zug, Freiburg, Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn, Schaffhausen, Aargau, Waadt, Neuenburg, Genf sowie den Jura. Dabei stellte sich heraus, dass sich das Siedlungswachstum in den vergangenen Jahren abgeschwächt hat: Vergrösserte sich der Siedlungsraum in der ersten Beobachtungsperiode noch um zwölf Prozent, waren es in der zweiten noch neun Prozent. Laut dem BFS lässt sich in allen untersuchten Kantonen eine Abschwächung des Siedlungswachstums fest stellen – bis auf den Kanton Zürich. Dort ist es nahezu konstant geblieben (8,9 in der ersten Beobachtungsperiode und 8,6 in der zweiten).

Wiesen für Golfer

In den ausgewerteten Kantonen hat die Siedlungsfläche dem BFS zufolge total um 393 Quadratkilometer zugenommen, damit stieg der Anteil der Gesamtsiedlungsfläche von 8,8 auf 10,8 Prozent. Die neuen Siedlungsflächen waren zuvor zu 39 Prozent Ackerland, 28 Prozent waren Naturwiesen, 13 Prozent dientem dem Obstbau, Rebbau sowie Gartenbau. Neun Prozent wurden als Weiden genutzt. Zum Siedlungsraum werden neben Industrie- und Gewerbearealen auch Verkehrs- sowie Erholungs- und Grünanlagen gezählt. Bei letztern ist laut dem BFS die Zunahme „ungebremst hoch“ geblieben, nämlich 15 Prozent. Dieser Trend wird unter anderem mit der wachsenden Zahl von Golfplätzen erklärt.

Kühe statt Kartoffeln und Co.

Des Weiteren zeigen die Untersuchungsergebnisse klar, dass das Siedlungswachstum vor allem auf Kosten der Landwirtschaftsflächen geht: Letztere hätten während der beiden Beobachtungsperioden – oder vielmehr in den vergangenen 24 Jahren – um 420 Quadratkilometer abgenommen. Ihr Anteil an der Gesamtfläche sei von 46 auf 44 Prozent gesunken, heisst es in der Medienmitteilung. Entsprechend dem kleineren Siedlungszuwachs in der zweiten Beobachtungsperiode hat sich auch der Verlust von Landwirtschaftsflächen verlangsamt. Paralell dazu änderte sich die Art und Weise der Nutzung jener Flächen: Weidegebiete nahmen zu während gepflügte Flächen abnahmen. Das BFS führt diese Entwicklung auf neue Vorschriften zur artgerechten Viehhaltung mit vermehrten Auslauf und Weidegang zurück, aber auch auf den Trend zur Mutterkuh- und Pferdehaltung.

Schutz für Wälder

Wenig verändert hat sich hingegen der Anteil Wald an der Gesamtfläche. Er bedeckt rund 28 Prozent. Grund dafür mag der strenge gesetzliche Schutz sein, den diese Gebiete seit Beginn des 20. Jahrhunderts geniessen. Der Verlust von neun Quadratkilometern wegen Siedlungsbaus ist laut dem BFS etwa mit dem gleichen Zuwachs auf Landwirtschaftsflächen in der Dauersiedlungszone wieder ausgeglichen worden. Dies zeige eindrücklich die Wirkung des Waldgesetzes, das für bewilligte Rodungen eine Kompensation der Waldfläche durch Aufforstung verlange. (mai)