Hässliche, rettende Mauer

Hässliche, rettende Mauer

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Schön ist sie nicht. Und sie sorgte während des Baus für Ärger und Kritik: die gigantische Betonmauer, die das Dorf Fudai an der japanischen Nordostküste vor hohen Flutwellen schützt. Doch sie hat gute Dienste geleistet. Der Ort blieb am 11. März vom Tsunami verschont.
 
Fudai hatte Glück, weil der damalige Bürgermeister Kotaku Wamura 1972 eine riesige Mauer zum Schutz vor Tsunamis errichten liess – mit ihren 16 Metern war sie höher als vergleichbare Bauten in der Nachbarschaft und mit Kosten von umgerechnet 31 Millionen Franken auch teurer. Dass sich der Bau der hässlichen Mauer gelohnt hat, zeigte sich rund vierzig Jahre später: Als am elften März der Tsunami über Japan hereinbrach und die Nachbarorte von Fudai dem Erdboden gleich machte, gab es in Fudai kaum Schäden. Das 205 Meter lange Bauwerk konnte der gigantischen Welle stand halten.
 
Dass der mittlerweile verstorbene Wamura der See nicht traute, hat übrigens seinen Grund: In der Region hatte 1933 ein 20 Meter hoher Tsunami rund 3000 Opfer gefordert. „Als ich die Leichen sah, die man aus den Erdhaufen geborgen hatte, wusste ich nicht was sagen. Mir fehlten die Worte“, schrieb Wamura später in seinem Buch über Fudai. Er schwor, sich dafür einzusetzen, dass solches nicht mehr passiert. Doch als er seine Mauer errichten liess, sorgte dies für Ärger. Einerseits, weil Landbesitzer für das Projekt Land abgeben oder vielmehr verkaufen mussten und andererseits, weil das Fluttor verhältnismässig teuer und gross war. „Irgendwie schaffte es Wamura die Bevölkerung zu überzeugen, dass es die einzige Möglichkeit, war um im Notfall Leben zu retten“, erinnert sich Lokalhistoriker Yuzo Mifune gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).
 
„Auch wenn man auf Widerstand stösst, sollte man überzeugt sein, von dem was man tut und es zu Ende führen. Zuletzt werden es die Leute verstehen“, sagte Wamura als er in Pension ging. Er sollte recht behalten. Seit der Katastrophe vom 11. März besuchen die Bewohner von Fudai sein Grab, um ihm zu gedenken. (mai)
 
 

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