Härtere Zeiten für Ingenieure auf Arbeitssuche

Härtere Zeiten für Ingenieure auf Arbeitssuche

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Zwar hat sich die Zahl der ausgeschriebenen Stellen seit März kaum verändert. Im Jahresvergleich jedoch schon: Er beträgt minus acht Prozent. Dies zeigt der quartalsweise erhobene Adecco Swiss Job Market Index der Universität Zürich. Betroffen von der Marktschwäche sind vor allem die Ostschweiz, Zürich und die Genferseeregion. Bei den Berufen ist es im Vergleich zum Vorjahr vor allem für Ingenieure und Informatiker schwieriger geworden.

Im zweiten Quartal bleibt der Adecco Swiss Job Market Index (ASJMI) gegenüber dem Vorquartal mit einer minimalen Abnahme von einem Prozent beinahe unverändert. Der Vorjahresvergleich zeichnet jedoch ein anderes Bild und belegt die noch immer gedämpfte Stimmung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: Seit Juni 2014 hat die Personalnachfrage mit minus 8 Prozent deutlich abgenommen. „Die anhaltende Unsicherheit im Zusammenhang mit der Währungsentwicklung, der Personenfreizügigkeit und der europäischen Schuldenkrise lässt die Unternehmen vorsichtig agieren,“ erklärt dazu Arbeitsmarktexperte Alexander Salvisberg von Universität Zürich. Dies äussere sich auch in der defensiven Personalsuche.

Starke regionale Unterschiede

Eine positive Quartalsentwicklung verzeichnen lediglich die Gebiete Espace Mittelland (+9%) und Zentralschweiz (+2%). Während im Espace Mittelland mehr offene Stellen im Handel und Verkauf sowie im Managementbereich ausgeschrieben werden, suchen die Firmen in der Zentralschweiz mehr Personal im Hotellerie- und Gastgewerbe.

Weniger Personal wird hingegen in der Genferseeregion nachgefragt (–8%): Hier hat insbesondere der Bedarf an Ingenieuren deutlich abgenommen. Auch in der Ostschweiz (–6%) ist die Personalnachfrage sowohl im Hotellerie- und Gastgewerbe, als auch bei den Reinigungsberufen gesunken.

Etwas kleiner sind die Rückgänge im Grossraum Zürich (–4%) und in der Nordwestschweiz (–3%). Aber auch in der Region der Limmatstdt hat das sich Stellenangebot für Ingenieure verringert. Zudem wird in beiden Regionen zudem weniger Informatikpersonal gesucht.

Starker Rückgang im Jahresvergleich

Eine deutlichere Sprache als die Entwicklung in den letzten drei Monaten spricht der Vergleich mit dem Vorjahr. Allen voran in der Genferseeregion (–20%), wo der Bedarf an kaufmännischem Personal stark zurückgegangen ist und ausserdem deutlich weniger Ingenieure, Informatiker und technische Fachkräfte gesucht werden. Auch in der Ostschweiz wird in den Berufsfeldern der Ingenieure und technischen Fachkräfte weniger Personal nachgefragt, was zu einer Abnahme von insgesamt minus 11 Prozent führt. In der Nordwest- und der Zentralschweiz (je –10%) ist das Stellenangebot ebenfalls deutlich zurückgegangen. Grund dafür ist in der Nordwestschweiz die Bedarfsabnahme im Informatikbereich, während in der Zentralschweiz vorwiegend ein Rückgang im Ausbaugewerbe und in den Managementpositionen ausschlaggebend ist. Auch der Personalbedarf in der Region Zürich fällt etwas geringer aus (–6%), was sich vor allem in der Nachfrage nach Ingenieuren und technischen Fachkräften niederschlägt. Mehr Personal wird im Vergleich zum Juni 2014 lediglich im Espace Mittelland (+2%) gesucht.

Grosse Unterschiede zwischen den Branchen

Spitzenreiter bei den positiven Tendenz im Vergleich mit dem Vorquartal ist der Bereich Finanz und Treuhand (+12%). Der in der Folge der Finanzkrise längere Zeit auf tiefem Niveau stagnierende Zweig scheint sich etwas zu erholen. Auch in Industrie und Bau sowie in Management und Organisation ist der Personalbedarf angestiegen (je +4%). Allerdings muss bei Industrie und Bau etwas differenziert werden: Hier wird in erster Linie im Ausbaugewerbe Personal gesucht.

Stabil ist die Personalnachfrage in den Sparten Medizin und soziale Dienstleistungen (+1%) sowie im Verkauf und Marketing (±0%). Weniger Personal wird in der Technik und Informatik (–4%) gesucht. Dieser Umstand gründet laut Medienmitteilung der Adecco in der verminderten Nachfrage in der Informatikbranche und im Ingenieurwesen. In dieser Sparte scheinen sich die Unsicherheiten der im Hochtechnologiebereich agierenden Schweizer Exportwirtschaft am deutlichsten zu manifestieren. Leicht abgenommen hat ausserdem die Nachfrage nach Personal in den Bereichen Gastgewerbe und persönliche Dienstleistungen (–3%) sowie Büro und Verwaltung (–1%). „Die Tendenz im Markt ist generell eher vorsichtig“, sagt Adecco-Mediensprecher José M. San José. „Wir spüren, dass vor allem kleinere und mittlere Unternehmen abwarten und mit Neuanstellungen zurückhaltend sind.“

Kühlere Brise  für Ingenieure und Informatiker gegenüber letztem Jahr

Der Vorjahresvergleich ist bei den einzelnen Branchen von deutlichen Rückgängen geprägt: Substantiell ist die Negativentwicklung in den Bereichen Technik und Informatik (–22%) sowie Büro und Verwaltung (–20%). Die persönlichen Dienstleistungen sowie die Industrie und das Baugewerbe weisen eine Abnahme von je 15 Prozent auf. Etwas geringer ist der Rückgang in den Sparten Verkauf und Marketing (–8%) sowie Management und Organisation (–4%). Zugenommen hat der Personalbedarf einzig bei den medizinischen und sozialen Dienstleistungen (+6%) sowie im Finanz- und Treuhandsektor (+5%). (mai/mgt)