Härtere Zeiten für die Bauwirtschaft

Härtere Zeiten für die Bauwirtschaft

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Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe stiegen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr leicht, und zwar um 2,5 Prozent. Der weiterhin hohe, allerdings sinkende Arbeitsvorrat (-5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) deutet auf erste Abschwächungstendenzen im Baugewerbe hin. Dies geht aus der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des SBV hervor.
 
Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 1. Quartal auf rund 3.2 Millliarden Franken. Sie waren damit etwa gleich hoch wie im Vorjahresquartal. Allerdings täuscht dieser Vergleich, weil sowohl das erste Quartal dieses Jahres als auch dasjenige von 2009 durch einen aussergewöhnlich kalten und überdurchschnittlich langen Winter geprägt waren. Auf vielen Baustellen musste die Arbeit zeitweise eingestellt werden, auf andern wurde die Arbeit gar nicht aufgenommen. Die Zahlen zeigen deutlich, in welch starkem Ausmass vor allem im Winterquartal das Wetter die Bautätigkeit beeinflusst: Im Vergleich zum milden ersten Quartal 2008 fällt auf, dass die Umsätze in den Vergleichquartalen 2009 und 2010 jeweils um über 10% eingebrochen sind. Erfahrungsgemäss wird die ausgefallene Bautätigkeit in den Folgequartalen nachgeholt.
 
Der Auftragsbestand Ende März dieses Jahres verzeichnete gegenüber dem Vorjahr einen starken Rückgang um -5,8 Prozent auf 11.7 Milliarden Franken. Für diese Entwicklung waren vor allem rückläufige Arbeitsvorräte im Tiefbau verantwortlich (-6,9 Prozent). Dies dürfte mit dem Vergaberhythmus der öffentlichen Hand im Jahresablauf zusammen hängen.

Wohnungsbau weiterhin stabil

Der Wohnungsbau konnte gegenüber dem Vorjahresquartal sogar gesteigert werden (+6,9%). Bei den Auftragseingängen wurde jedoch eine deutliche Abschwächung zu verzeichnet (-8.4%). Die Arbeitsvorräte blieben gegenüber dem Vorjahr in etwa konstant (-0,8%) und deuten auf keine unmittelbar bevorstehende Abkühlung im Wohnungsbau hin.
Die Nachfrage nach Wohnungen konnte sich durch die Krise bisher überraschend gut halten. Der abnehmende, aber weiterhin positive Wanderungssaldo (2009: + 65'600) und die seit Kurzem wieder positive Vorzeichen aufweisende Konsumentenstimmung vermögen die Nachfrage nach Wohnungen nicht mehr im bisherigen Umfang zu stützen. Zudem betrachten die meisten Ökonomen moderate Zinserhöhungen ab Mitte Jahr als wahrscheinlich, was sich dämpfend auf die Nachfrage nach Wohnungen auswirken dürfte.
 
Regional sind im Wohnungsbau wie üblich grosse Differenzen feststellbar. So ging dieser in den Kantonen Zürich überraschend (-17,1%), im Wallis (-7,8%) und in Graubünden (-8,2%) grösstenteils wetterbedingt massiv zurück, während er in einigen Kantonen, so in Bern (+25,1%) und Thurgau (+24,1%) deutlich zulegte. Diese divergierenden Tendenzen unterstreichen den lokalen Charakter des Baumarktes in der Schweiz.

Wirtschaftsbau im Minus

Das Volumen im gewerblich-industriellen Bau entwickelte sich im 1. Quartal stark rückläufig (-14,8%). Auch das deutliche Minus von 9,0% bei den Auftragseingängen lässt erahnen, dass sich diese konjunkturell sensitive Bausparte noch nicht definitiv erholt hat. Diese Entwicklung stimmt mit den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen überein: Der Wirtschaftsbau reagiert vor allem auf die Investitionszyklen der Firmen und somit besonders sensibel auf Abschwächungen der Realwirtschaft. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass der Wirtschaftsbau im eingesetzten Aufschwung als erste Sparte wieder einen substantiellen Wachstumsbeitrag leisten kann.

Tiefbau verliert an Fahrt

Der öffentliche Tiefbau hat sich in den letzten zwei Jahren als Schrittmacher der Bauwirtschaft erwiesen und die nachlassende Nachfrage in andern Bereichen mehr als wettmachen können; so auch im ersten Quartal 2010 (+5,8%). Die rückläufigen Arbeitsvorräte (-9,3%) lassen nun darauf schliessen, dass aus dem öffentlichen Tiefbau mittelfristig keine entscheidenden Wachstumsimpulse mehr zu erwarten sind. Trotzdem ist nicht von unmittelbar bevorstehenden Umsatzeinbrüchen auszugehen. Denn mit Blick auf die letzten zehn Jahre sind die aktuellen Arbeitsvorräte weiterhin sehr hoch und dürften bis Ende Jahr für befriedigende Umsätze sorgen.

Leichter Anstieg beim Stammpersonal

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe erhöhte sich auf rund 78'800, was einer Zunahme von 2,6% gegenüber dem Vergleichsquartal 2009 entspricht. Trotz des kalten Winters ist es damit im Bauhauptgewerbe zu wenigen (vorübergehenden) Entlassungen gekommen. Dies deutet auf die Zuversicht der Bauunternehmer hin, welche in den nächsten Quartalen mit einer weiterhin hohen Bautätigkeit rechnen und somit auf ihr verlässliches Stammpersonal zurückgreifen möchten.

Stahlpreise machen Unternehmen zu schaffen

Aus Unternehmerkreisen ist die erneute Sorge über explodierende Stahlpreise unüberhörbar. Durch den anhaltend hohen Bedarf der Wirtschaftsmacht China haben sich seit Beginn des Jahres die Stahlpreise dramatisch erhöht. Diese teilweise extremen Preisschwankungen können nicht immer oder im vollen Umfang auf die Baupreise übergewälzt werden. Das Risiko wird somit fast vollständig von den Bauunternehmungen getragen.

Unsichere mittelfristige Perspektiven

Das Bauhauptgewerbe ist das Jahr 2010 mit verhaltener Zuversicht angegangen. Die abnehmenden aber weiterhin hohen Arbeitsvorräte (11.7 Milliarden Franken) werden für ansprechende Umsätze bis in die zweite Jahreshälfte hinein sorgen. Allerdings signalisieren vorlaufende Indikatoren wie der Bauindex Schweiz, dass der Baukonjunktur eine gewisse Abkühlung auf hohem Niveau bevorsteht. (mgt)