Günstiger wohnen Dank Raumplanung

Günstiger wohnen Dank Raumplanung

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Teaserbild-Quelle: Im Bild: Zürich mit Agglomeration.
Immer mehr Städte und Gemeinden kämpfen mit steigenden Immobilienpreisen. Mancherorts können sich Normalverdienende keinen Wohnraum mehr leisten und sind gezwungen, wegzuziehen. Dazu hat die Schweizerische Vereinigung für Landesplanung VLP-ASPAN im Auftrag des Bundes eine Studie erarbeitet, in der sie aufzeigt, wie diese Situation entschärft werden kann.
 
swiss-image.ch/Philipp Giegel
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Im Bild: Zürich mit Agglomeration.
Von steigenden Immobilienpreisen und Mieten sind vor allem attraktivgelegene Städte und Gemeinden betroffen.
 
Während der letzten Jahre hat die Bevölkerung stark zu genommen. Der daraus resultierende steigende Wohnflächenkonsum führte in vielen Städten und Gemeinden zu einem Mangel an Wohnraum, aber auch zu hohen Immobilienpreisen und Mieten. Dies betrifft vor allem grosse Städte und Gemeinden an attraktiven Lagen. Hier können immer mehr Leute die hohen Wohnkosten nicht bezahlen und sind dadurch gezwungen, in Randgebiete zu ziehen. In den von Wohnungsknappheit betroffenen Städten und Gemeinden finde eine „Entmischung“ der Bevölkerung statt und die Pendlerdistanzen nähmen zu, schreibt dazu die VLP in einer Medienmitteilung. In ihrer Studie zeigt die VLP auf, dass mit raumplanerischen Massnahmen in solchen Gebieten das gemeinnützige Wohnungsangebot ausgeweitet und langfristig preisgünstiger Wohnraum für wirtschaftlich schwächere Bevölkerungsgruppen geschaffen werden kann.

Flächenanteilpläne als Lösung

Die grösste Wirkung verspricht sich die VLP davon, die Wohnanteile für den gemeinnützigen Wohnungsbau in der kommunalen Bau- und Zonenordnung fest zu legen. Danach würde in bestimmten Zonen ein Anteil der zu erstellenden Bruttogeschossfläche für den gemeinnützigen Wohnungsbau reserviert werden. Das Vorbild dafür lieferten die Wohnanteilpläne grosser Städte, die verhindern sollen, dass Wohnraum von Büro- und Gewerbenutzungen verdrängt wird; aber auch Erstwohnanteilpläne in Tourismusorten. Flächenanteile für gemeinnützigen Wohnungsbau würden dabei in der Regel nicht für das gesamte Gemeindegebiet ausgeschieden, sondern nur für bestimmte Zonen, führt dazu die VLP in ihrer Pressemitteilung aus. „Sie dürfen vorab bei Neueinzonungen und bei der Umnutzung von Industriebrachen und anderer grösserer Areale zur Anwendung gelangen“, heisst es weiter. „Zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus kann sich die Gemeinde bei Neueinzonungen ein Kaufsrecht an einem bestimmten Anteil des künftigen Baulandes ausbedingen und dafür sorgen, dass auf dieser Fläche preisgünstiger Wohnraum entsteht. Die Gemeinde kann nach Ausübung des Kaufsrechts den Wohnraum selber erstellen oder aber das Bauland durch Verkauf oder im Baurecht an gemeinnützige Wohnbauträger abgeben. Diese können für die Finanzierung ihrer Vorhaben auf die Wohnraumförderung des Bundes zurückgreifen. Eine entsprechende Regelung kennt die Gemeinde Oberägeri im Kanton Zug.“

Klare Definitionen sind wichtig

Werden raumplanerische Massnahmen zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus ergriffen, empfiehlt die VLP, dafür zu sorgen, dass die Planungsabsichten langfristig sichergestellt werden. Instrumente hierfür seien Zweckentfremdungsverbote, Kaufs- und Vorkaufsrechte der Gemeinden, die im Grundbuch eingetragen werden können, sowie die Führung von Katastern über die mit Nutzungspflichten belegten Grundstücke. Als wichtig erachtet die VLP auch, eine klare Definition, was genau unter „gemeinnützigem“ oder „preisgünstigem“ Wohnungsbau“ verstanden wird. Denn nur so könnten die rechtlichen Vorgaben umgesetzt und die mit den raumplanerischen Massnahmen verfolgten Anliegen erreicht werden. (mai)