Grossprojekte der Bahn sind auf Kurs

Grossprojekte der Bahn sind auf Kurs

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Der neueste Standbericht des Bundesamtes für Verkehr (Bav) zu den Bahn-Grossprojekten zeichnet ein positives Bild: Termin- und Kostenprognosen für die Neat, die Lärmsanierungen des Bahnnetzes und den Hochgeschwindigkeitsanschluss der Schweiz sind 2009 konstant geblieben. Auch die Umrüstung auf das Zugsicherungssystem ETCS und die laufenden Abschlussarbeiten der Bahn 2000 kommen laut BAV gut voran.
 
93,4 Prozent des Gotthard-Basistunnels sind ausgebrochen: Nachdem im September die zweite Röhre zwischen Erstfeld und Amsteg durchschlagen wurde, ist für den Herbst 2010 der Hauptdurchschlag zwischen Sedrun und Faido geplant. Eröffnungstermin bleibt der Dezember 2017. Für den zweiten Basistunnel unter dem Ceneri, dessen Ausbruch am Hauptlos dieses Jahr begonnen wurde, ist die Betriebsaufnahme auf Ende 2019, geplant. Weiterhin rechnet das BAV mit Endkosten für die NEAT von 18,7 Milliarden Franken (Preisstand 1998). Damit dürfte der Verpflichtungskredit von 19,1 Milliarden Franken nicht ausgeschöpft werden.
 
 
Auslastung des Lötschberg-Basistunnels liegt bei 77 Prozent: Seit seiner Eröffnung sind schon 63'500 Züge durch den Lötschberg gefahren. Seine Auslastung im fahrplanmässigen Betrieb liegt gegenwärtig bei 77%. Die Zuverlässigkeit der Infrastruktur liegt über 99 Prozent.
 
Fortschritte beim Hochgeschwindigkeits-Anschluss: Hohe Priorität geniessen die Anschlüsse der Ost- und Westschweiz an das europäische Einsenbahn-Hochleistungsnetz (HGV). Die Bauarbeiten im Jurabogen (Strecke Lausanne/Bern-Paris) sind abgeschlossen. Zudem genehmigte der Bundesrat letztes Jahr drei Finanzierungsvereinbarungen (Spange SOB, Doppelspur Hüntwangen - Rafz, Neigezug-Anpassung St. Gallen - St. Margrethen). Zudem konnte im April 2009 die Finanzierungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn für die Ausbauten Lindau-Geltendorf (Strecke Zürich-München) unterschrieben werden. Schon mit dem nächsten Fahrplanwechsel, Ende 2010 wird der Betrieb auf der beschleunigten Strecke Genf-Paris aufgenommen. Die Fahrzeit in die französische Metropole wird sich damit auf gut drei Stunden reduzieren.
 
Bahn 2000, erste Etappe vor dem Abschluss: Sämtliche Massnahmen für das Angebotskonzept Bahn 2000, erste Etappe, sind per Ende Dezember 2008 definitiv umgesetzt worden. Im vergangenen Jahr waren noch Abschlussarbeiten im Gange. Die Gesamtkosten belaufen sich gemäss Prognose auf 5,9 Milliarden Franken (Preisstand 1993) und liegen damit 1,5 Milliarden unter dem Verpflichtungskredit. Diese Mittel stehen im FinöV-Fonds für weitere Projekte zur Verfügung.
 
Lärmsanierte Güterwagen: Das vierte FinöV-Grossprojekt, die Lärmsanierung des Schweizer Bahnnetzes, übertrifft die Erwartungen. Abgeschlossen ist die Lärmsanierung der Reisezugwagen. Bei den Güterwagen sind bis Ende 2009 bereits 5500 Waggons der SBB auf lärmarme Bremsausrüstungen umgebaut worden. Das sind 85 Prozent des Bestandes. Mit der Lärmsanierung von 4’000 Privatgüterwagen wurde bereits begonnen. Das BAV rechnet mit einem Abschluss dieser Sanierungsmassnahmen bis 2015. Kontrollmessungen ergeben, dass die sanierten Güterwagen die Lärm-Grenzwerte einhalten.
 
Bauliche Lärmsanierung: Zur baulichen Lärmsanierung gehört der Bau von Lärmschutzwänden auf voraussichtlich rund 285 Streckenkilometern. Davon sind 124 Kilometer bereits ausgerüstet. An Gebäuden wurden in im Rahmen dieses Programms 14'000 Fenster schallisoliert, weitere 30'000 kommen noch dazu. Die gemäss Prognose 1,267 Milliarden Franken Endkosten (Preisstand 1998) für das Massnahmenpaket zur Lärmsanierung liegen 32 Prozent unter dem Verpflichtungskredit. Die verbleibenden 500 Millionen Franken sollen für weitergehende Massnahmen verwendet werden, worüber 2011 eine Vernehmlassung durchgeführt wird.
 
Vollständige Umrüstung des Bahnnetzes auf ETCS bis 2017: ETCS, das europäisch standardisierte Signal- und Zugsicherungssystem (European Train Control System) wurde auf der Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist und im Lötschberg Basistunnel erfolgreich eingeführt. Es erlaubt kürzere Zugfolgezeiten und höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitiger Steigerung der Sicherheit. Es ist die Grundlage für eine euopaweite Interoperabilität der Eisenbahnen. In der Schweiz waren Ende 2009 über 600 Lokomotiven, Steuerwagen und Triebzüge mit ETCS-Ausrüstung im Einsatz. Infrastrukturseitig wird ETCS in einer für Geschwindigkeiten bis 160 km/h ausgelegten Version (ETCS Level 1, Limited Supervision) auf dem gesamten Normalspurnetz zum Tragen kommen. Gemäss heutigem Stand soll die Bahninfrastruktur ab 2013 umgerüstet werden. Zuerst werden die Güterverkehrsachsen über die Bergstrecken am Lötschberg und am Gotthard bis 2015 auf ETCS-Standart gebracht, anschliessend das übrige Netz bis 2017. (pd/mai)