Grossbasels verborgene Schätze in einem Buch

Grossbasels verborgene Schätze in einem Buch

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Teaserbild-Quelle: Foto: zvg

Schon im Mittelalter hatte Basel mehr Verkehr als die Strassen aufnehmen konnten. Ein grosses Strassenprojekt reihte sich ans andere. Zum Glück scheiterten viele und die mittelalterliche Bausubstanz blieb erhalten. Ein Buch über die Altstadt von Grossbasel zeigt jetzt die erhaltenen Schätze.

«Bücher über Basel gibt es viele. In meinem geht es weder um ein perfektes Wochenende in Basel noch um 101 Orte die man gesehen haben muss», räumt Autor Martin Möhle ein, «schlimmer noch: Der Titel ist an Trockenheit kaum zu überbieten. Er heisst «Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel‐Stadt. Die Altstadt von Grossbasel, Teil 2, Profanbauten.»  Auch wenn «schmackhaft machen» mit Sicherheit anders aussieht – Leser wird er finden. Denn das Buch birgt eine Fleissaufgabe sondergleichen, die ihn zehn Jahre gekostet hat.

Martin Möhle hat dafür sämtliche Häuser mit historischer Bausubstanz zwischen dem heute längst überdeckten Birsig in der Stadtmitte und der ebenfalls verschwundenen ehemaligen Stadtmauer besucht.  Jedes einzelne hat er akribisch vom Keller bis zum Dachstuhl wissenschaftlich dokumentiert.

Tatsächlich wurde ihm zu nahezu jedem dieser Häuser Zutritt gewährt – keine Selbstverständlichkeit. «Viele Basler sind sich der Geschichte ihrer Häuser bewusst und aufgeschlossen, wenn sich jemand dafür interessiert. Manchmal konnte ich auch Rätsel für sie lösen, etwa warum an einem seltsamen Ort eine Nische vorhanden war. Das erklärt sich dann zum Beispiel durch die spezifischen Bedürfnisse der einstigen Bewohner, etwa weil neben der Nische früher ein Kachelofen stand, der vom Nebenraum aus zu beheizen war.» Oder Löcher in Balken im Dachwerk, die den heutigen Bewohnern Rätsel aufgeben. «Sie weisen darauf hin, dass diese als Floss zusammengebunden den Rhein hinab transportiert worden waren.»

Möhles Ziel war, den Kontext der Häuser darzustellen, statt nur Haus für Haus die jeweiligen Besonderheiten herauszuheben: «Die Stadt ist nicht einfach eine Ansammlung von Häusern. Sie ist ein Gefüge, das mehr ist als die Summe der Einzelteile.» Baugeschichtlich interessante Objekte bekommen in Möhles Buch den breiteren Raum, den sie benötigen. Anderen widmet er teils nur wenige Sätze. Die Gewichtung tut dem Band gut. Und so manches Rätsel etwa um sich scheinbar willkürlich verbreiternde oder abknickende Strassen oder sprunghafte Baulinien wird nebenbei auch noch gelüftet.

«Das Ganze lässt sich mit dem Bestandskatalog eines Museums vergleichen», so Möhle. Wobei es sich dank aufschlussreichen Kartenmaterials aus den Archiven, hunderten von aktuellen und historischen Fotos, Exkursen zur Stadtplanung der Vorväter und zur Stadtentwicklung deutlich spannender liest. Hier schöpft jemand aus einer überschäumenden Fülle von Wissen, das er ordnen und für andere erschliessen möchte.(ava)



Den kompletten Artikel lesen Sie am 7. April in der nächsten Ausgabe des Baublatts.
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Informationen zum Buch:

Die Buchreihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz» ist ein Grundlagenwerk für Baukultur, Kunst und Geschichte. Ziel ist die Gesamtdarstellung aller architektonischen und kunstgeschichtlichen Besonderheiten der Schweiz. Sie erscheint seit 1927. Pro Jahr gehen zwei Bücher in Druck. Zum Kanton Basel-Stadt sind seit 1932 sieben Bände erschienen. Die ersten vier Bände thematisieren die Frühgeschichte der Stadt, das Stadtbild, die Befestigungswerke, das Rathaus, den Münsterschatz und die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Basels. Seit 1992 werden die Profanbauten der Basler Altstadt inventarisiert. Bereits erschienen sind Bände zur Altstadt Kleinbasels (2004) und zu Grossbasel I (Münsterhügel und Talstadt rechts des Birsigs, 2006). Zwei weitere Inventarwerke zu den mittelalterlichen Vorstädten und zum Basler Münster sind in Arbeit.

Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt VIII. – Die Altstadt von Grossbasel II, Profanbauten, Autor: Martin Möhle, 500 Seiten, 666 Abbildungen, Reihe: Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 130, Verlag: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, ISBN: 978-3-03797-236-6, Preis: 110 CHF