„Grösster Bypass der Schweiz“ im Glattal?

„Grösster Bypass der Schweiz“ im Glattal?

Gefäss: 

Der Zürcher Kantonsrat hat im Richtplan eine neue Glattalautobahn sowie die Erweiterung der A1 bei Winterthur auf acht Spuren festgesetzt – trotz des Widerstands von linker Seite.

Die Autobahn A1 im Raum Glattal/Winterthur gilt laut Regierungsrat als einer der bedeutendsten Engpässe im Schweizer Nationalstrassennetz. „Die Kapazitätsgrenze dieses Autobahnabschnitts, der mitten durch einen der am dichtesten besiedelten Räume der Schweiz führt, wird heute regelmässig erreicht“, hält er in seinem Antrag fest.

Die Richtplaneinträge zeigen auf, wie die Staus verschwinden sollen: Die neue Glattalautobahn, die zwischen Baltenswil und Zürich-Nord unterirdisch unter Dietlikon und Opfikon durchführt, soll die A1 und das Brüttiseller Kreuz entlasten. Überdies ist vorgesehen, die A1 auf der Strecke zwischen Baltenswil bis Winterthur von sechs auf acht Spuren auszubauen. Erst durch die Kombination von Glattalautobahn und Spurausbau ergibt laut Regierungsart „ein Korridor mit homogener Auslastung auf der gesamten Strecke vom Limmattaler Kreuz bis Oberwinterthur“.

Bis das Aus- und Neubauprojekt realisiert werden kann, bedarf es allerdings noch zahlreicher Schritte. Und so ist denn auch der Realisierungshorizont für die Glattalautobahn im Richtplan auf „mittelfristig“ festgesetzt worden - und der weitere Planungsverlauf gilt gemäss Antrag der Regierung als "ungewiss". Dennoch kam es im Zürcher Kantonsrat zu einer Grundsatzdebatte: Die Linke verlangte, dass auf die Einträge gänzlich verzichtet werde. Der geplante Ausbau im Glattal wäre der „grösste Bypass der Schweiz“, sagte Thomas Forrer (Grüne, Erlenbach). Dieser Bypass werde aber am Ende nur neue Verkehrsinfarkte an anderen Orten produzieren, da es sich um eine reine Symptombekämpfung handle. Derweil sprach Felix Hoesch (SP, Zürich) von einer "Autodiskussion, die man seit den 1960er Jahren“ führe. Die bürgerliche Seite wolle mit einem "gigantischen Ausbau" alle Schleusen öffnen. Dabei finde eine Mobilitätswende statt, die passieren werde, bevor diese Autobahnen gebaut seien.

Volkswirtschaftliche und ökologische Kosten

Auf bürgerlicher Seite war klar, dass die A1 immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt und damit dringender Handlungsbedarf besteht, wie es Orlando Wyss (SVP, Dübendorf) formulierte. Auch eine Mobilitätswende werde daran nichts ändern, meinte Christian Schucan (FDP, Uetikon am See). „Elektrische oder selbstfahrende Autos brauchen ebenfalls Platz auf der Strasse.“ Die chronischen Überlastungen auf der A1 hätten volkswirtschaftliche und ökologische Kosten zur Folge, sagte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon). Eine Glattalautobahn sei notwendig.

Dem Richtplaneintrag zur Glattalautobahn stimmte der Kantonsrat am Montag mit 121 zu 52 Stimmen zu, dem Acht-Spur-Ausbau mit 107 zu 63 Stimmen. (mai/sda)