Grössere Artenvielfalt auf Stadtbäumen als auf Landbäumen

Grössere Artenvielfalt auf Stadtbäumen als auf Landbäumen

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Auf Bäumen in Städten können mehr Insekten- und Spinnensorten leben, als auf Bäumen im Agrargebiet. Möglich ist dies aber nur, wenn es in urbanen Räumen genug Grünzonen gibt. – Dies geht aus einer Studie der Universität Bern hervor, für welche die Städte Zürich, Chur, Bern, Basel, Genf und Locarno analysiert wurden.

Die Städte sind rasant gewachsen und tun es noch immer. Heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Räumen. Trotzdem fanden Städte als Lebensraum für Tiere und Pflanzen lange Zeit kaum Beachtung. Erst in den letzten Jahren hat sich die Stadtökologie als neue Forschungsdisziplin etabliert. Bisher ist noch wenig untersucht, wie sich die Biodiversität in den Städten von jener auf dem Land unterscheidet, und wie die Biodiversität innerhalb der Städte beeinflusst wird.

In einer Studie haben nun Tabea Turrini und Eva Knop vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern die Artenvielfalt der Städte mit der Artenvielfalt genutzter Agrarlandschaften verglichen. Daneben  haben sie untersucht, welche Landschaftsstrukturen in der Stadt die Biodiversität fördern.

Käfer, Spinne und Co. als Massstab

Als Mass für die Biodiversität dienten den Forscherinnen baumbewohnende Käfer, Wanzen, Zikaden und Spinnen. Für die Untersuchungen wurden die Tierchen mit Hilfe einer Art Riesenstaubsauger wurden sie den Bäumen geholt. Allerdings beschränkten sich die Forscherinnen auf ähnlich grosse Birken, die weder geschnitten noch chemisch behandelt waren, um um grossräumige Effekte unabhängig von lokalen Bewirtschaftungsmassnahmen untersuchen zu können. Zudem kam der Entscheid, statt naturnaher Gebiete  Agrarland als ländliches Vergleichsökosystem heranzuziehen nicht von ungefähr: „Der Grossteil der unbewaldeten ländlichen Gebiete in Mitteleuropa dient heutzutage der Agrarwirtschaft“, erklärt Turrini. Der Grossteil dieser Agrarflächen werde intensiv genutzt. Deshalb wollten Turini und ihre Kollegin wissen, ob sich Städtebau anders auf die Biodiversität auswirkt als intensive Landwirtschaft.

Das Ergebnis: Je nach Tiergruppe ist die die Anzahl der Arten oder vielmehr der Biodiversität, in der Stadt gleich hoch oder sogar höher als im intensiv genutzten Agrarland. „Dieses Ergebnis war auch für uns überraschend“, sagt Knop. Die Resultate zeigen laut Knoü, dass sich  intensive Agrarwirtschaft negativ auf die Biodiversität auswirkt. Diese Auswirkung könne offensichtlich sogar grösser sein als der Einfluss der Verstädterung.

Wo es grünt da lebt es auf den Bäumem

Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch, dass Stadt nicht gleich Stadt ist. Entscheidend für die Artenvielfalt auf den untersuchten Bäumen in der Stadt war nämlich die umgebende urbane Landschaft. Bäume, die innerhalb von 500 Metern von viel Grün umgeben waren, wiesen bei allen vier Tiergruppen eine bedeutund höhere Artenzahl auf als Bäume, bei denen dies nicht der Fall war. Bei der Studie wurden keine Proben von Bäumen in der Umgebung grösserer Parks entnommen. Deshalb weisen die Ergebnisse vor allem auf die grosse Bedeutung von über die Stadt verstreuten Grünelementen hin, etwa von kleinen Gärten und Einzelbäumen.

„Städte müssen so geplant werden, dass sie ausreichend Grünelemente bieten“, folgert Turrini aus der Studie. Nur so können die negativen Effekte der allgemeinen Verstädterung auf die Biodiversität verringert werden. Dies sei eine grosse Herausforderung, da gleichzeitig Städte kompakt gehalten werden sollten, um die Ausweitung in die umgebende Landschaft einzudämmen. (mai/mgt)

Birken im Visier

Im Gegensatz zum Gros der bisherigen Studien war die Studie von Turrini und Knop nicht auf eine einzige Stadt beschränkt, weil sie in verschiedenen Städten forschten, sowie im jeweiligen umgebenden Agrarland. „Auf diese Weise konnten wir Aussagen treffen, die eine grössere Allgemeingültigkeit haben“, sagt Turrini. Die Forscherinnen untersuchten ausschliesslich Birkenbäume, die alle ähnlich gross waren und nicht geschnitten oder chemisch behandelt waren. Dadurch konnten sie grossräumige Effekte untersuchen – unabhängig von lokalen Bewirtschaftungsmassnahmen. Dies war wichtig, um das urbane Ökosystem mit dem Agrarökosystem zu vergleichen. (mai/mgt)