Grimselpassstrasse leidet unter Klimawandel

Grimselpassstrasse leidet unter Klimawandel

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Teaserbild-Quelle: Adrian Michael / wikimedia.org/ GNU
Der Klimawandel verschärft das Risiko von Naturgefahren in den Alpen. Das gilt auch für den Grimsel und die Passstrasse, wo zunehmend mit Murgängen gerechnet werden muss. Eine vom Kanton Bern in Auftrag gegebene Studie listet neben den zwei bekannten Gefahrenstellen – der Rotlaui und dem Spreitgraben bei Guttannen - sechs weitere auf, an denen die Kantonsstrasse gefährdet werden könnte.
 
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Der schwindende Permfrost wirkt sich auch auf Verkehrswege aus, etwa auf die Grimselpassstrasse.
 
Weil die Durchschnittstemperaturen steigen, schmilzt der Permafrost auf rund 3‘000 Metern Höhe. Der Fels fängt an zu bröckeln, in der Folge können Niederschläge wegen des frei werdenden Gerölls und Geschiebes Murgänge auslösen.
 
Seit 2009 litt das Einzugsgebiet des Spreitgrabens immer wieder unter Murgängen. Darum gab der Kanton Bern die sogenannte Korridorstudie in Auftrag. SIe umfasst die gesamte Kantonsstrasse zwischen Innertkirchen und dem Grimselpass. Dies, weil laut man laut Berner Baudirektorin Ursula Egger-Jenzer beim Kanton davon ausgeht, dass irgendwann in den kommenden Jahrzehnten auch andernorts ähnlich Prozesse stattfinden können. Die Studie listet neben dem Spreitgraben und der Rotlaui sechs weitere Gefahrenstellen auf. Wann und in welchem Ausmass sich dort sollte Ereignisse einstellten, könne heute nicht vorausgesagt werden, teilt der Kanton Bern mit. Deshalb werden diese Stellen nun periodisch überprüft.

Einfach schnell statt aufwendig und teuer

Für die Rotlaui und Spreitgraben hat der Kanton drei mögliche Strategien für den Schutz der Kantonsstrasse überprüft. Maximalen Schutz böte die erste oder vielmehr die aufwendigste und teuerste Strategie: Die Kantonsstrasse würde verlegt und umginge damit das Gefahrengebiet. Dafür bräuchte es grosse und kostenintensive Infrastrukturbauten. Laut Kanton benötigt diese Strategie für ihre Realisierung zu viel Zeit. Zudem ist sie auch zu teuer. Etwas schneller und finanziell weniger belastend ist die zweite Strategie, sie bedarf kleinerer Infrastrukturbauten und örtlicher Strassenanpassungn. Allerdings hat auch diese Strategie laut Kanton den Nachteil, dass sie die Strasse bis zum Ende der Realisierung gefährdet ist. Die dritte Variante ist die günstigste und lässt sich am schnellsten in die Tat – innert Tagen oder Wochen -  umsetzen: Sie beschränkt sich auf die Überwachung der Gefahrenstellen auf vorbereitete Sofortmassnahmen, wenn der Ernstfall eintritt.
 
Entschieden hat man sich beim Kanton für die dritte und billigste Variante. „Wegen der unsicheren Entwicklung der Gefahrenprozesse, der hohen Kosten, welche ein Verlegen der Kantonsstrasse aus den Gefahrenzonen verursacht, aber auch wegen der langen Bauzeiten für neue Brücken und Tunnels hat sich der Kanton entschieden, sich vorläufig auf die Überwachung der Gefahrenstellen und die Vorbereitung von Sofortmassnahmen zu konzentrieren“, heisst es in der Medienmitteilung des Kantons. Parallel würden Projektierungsarbeiten für kleinräumige Strassenanpassungen vorangetrieben, sollte die Verfügbarkeit der Kantonsstrasse je in Frage gestellt sein.
 
Wie Egger-Jenzer an der Präsentation der Studie vor den Medien erklärte, will der Kanton bis Ende 2014 mit dem Bund eine Studie zur Identifikation weiterer, durch den Gletscherrückgang und den Anstieg des Permafrosts möglicher künftiger Gefahrenstellen im gesamten Berner Oberland ausarbeiten. „Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass wegen des Klimawandels ganze Täler im Berner Oberland nicht mehr bewohnbar sind“, so Egger-Jenzer. Veränderungen werde es aber geben. Diese dürften sich aber in verhältnismässig kleinen Räumen abspielen, so wie dies am Grimselpass der Fall sei. (mai)