Goldenes Ei im Flüelatal

Goldenes Ei im Flüelatal

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Teaserbild-Quelle: Bild: Kecko/flickr
Ob in zwei Wochen am World Economic Forum (WEF) in Davos das goldene Ei gelegt wird, aus dem die Weltwirtschaft als Phönix neu ersteht, bleibt abzuwarten. Im Bündner Flüelatal ging kurz zuvor jedoch ein Luxushotel in gleicher Gestalt auf.

Erst vor drei Tagen beklagte sich WEF-Gründer Klaus Schwab auf handelsblatt.ch über mangelnde Gastfreundschaft in Davos. Neue Luxushotels, eine gute Infrastruktur und Tausende abkommandierte Soldaten und Polizeikräfte reichen ihm offenbar nicht. Schwab sagte in der Schweiz am Sonntag, seine Gäste – globale Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Entertainment – sollten sich nicht wie Milchkühe fühlen, wenn sie nach Davos kommen.

Wenngleich die Gäste den Ausblick auf Flüelatal und Davoser See vielleicht mit mancher Milchkuh teilen, so müssen sie in den 216 Luxuszimmern und -suiten sowie 38 Eigentumswohnungen des neuen Intercontinental sicher weder Heu noch Wildkräuter verzehren. Nicht weniger als 200 Angestellte, darunter 45 Köche in drei Restaurants, sorgen für das Wohl der Gäste. Verschiedene Bars und ein Spa-Bereich mit immerhin 1200 Quadratmetern tun ein Übriges, um sich hier willkommen zu fühlen. Laut hoteliertv.net sind alle 216 Zimmer des 5-Sterne-Superior-Hauses während des WEF, das diesjährig unter dem Motto Normal 0 21 false false false MicrosoftInternetExplorer4 «Die Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Normal 0 21 false false false MicrosoftInternetExplorer4 » steht, ausgebucht.

Das Projekt, entworfen von Stararchitekt Matteo Thun und ausgeführt für die Stilli Park AG durch die Baulink Generalunternehmung, wurde erst am letzten Wochenende offiziell eröffnet. Grund war unter anderem ein Wasserschaden, wie im Herbst bekannt wurde.

Hohlkasten

Die gestalterische Visitenkarte des neuen Luxushotels im Kanton Graubünden ist neben seiner Form sicher die stufig mäandernde Metallfassade, die die deutsche Firma Seele montierte. Es handelt sich um 804 eloxierte Stahlbänder, die je nur drei Millimeter stark sind und als luftdichter Hohlkasten auf einer Lasten ableitenden Primärkonstruktion ausgeführt wurden. Im Innern des 125 Meter langen und etwa 50 Meter hohen Eis in Massivbauweise dominieren indes die Materialien Holz und Stein.

Der geplante Baubeginn im Jahr 2009 war mehrmals verschoben worden, bis im Juli 2011 erstmals die Bagger auffuhren. Rund 250 Millionen Franken – geplant waren 155 Millionen –, drei Jahre Bauzeit, 90 000 Kubikmeter Aushub, 5300 Tonnen Stahl und knapp 100 000 Quadratmeter Schalungen später verfügt die Intercontinental Group mit dem goldenen Ei, das am Ort der 1896 eröffneten und 2007 abgerissenen Basler Heilstätte steht, nun über das dritte Haus ihrer Luxusmarke in der Schweiz.

Der Verkauf der 38 Luxuswohnungen in der sechsstöckigen Terrassensiedlung, die alle Einrichtungen des Luxushotels nutzen und das Projekt mitfinanzieren sollten, lief dem Vernehmen nach bisher schleppend.(tw)