Gläubiger machen Weg für Rekapitalisierung von Meyer Burger frei

Gläubiger machen Weg für Rekapitalisierung von Meyer Burger frei

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Nach einem personellen Neuanfang hat der angeschlagene Solarzulieferer Meyer Burger die erste Hürde für eine Rekapitalisierung genommen. An einer Versammlung von heute Freitag stimmten die Gläubiger einer Anpassung der Wandelanleihe zu. Nächste Woche steht mit der Generalversammlung ein weiterer entscheidender Termin an.

Mit dem Entscheid an der Gläubigerversammlung, der mit einer Zweidrittelmehrheit zustande kam, verzichten die Obligationäre auf ihr Recht einer vorzeitigen Rückzahlung der am 24. September 2020 fälligen Wandelanleihe über 100 Millionen Franken. Im Gegenzug erhalten sie einen auf 5,5 von bisher 4,0 Prozent erhöhten Zins. Zudem soll der Wandelpreis von derzeit 11.39 Franken je Aktie deutlich gesenkt werden. Die Beschlüsse unterliegen noch der Genehmigung des Obergerichts des Kantons Bern. Dies teilte Meyer Burger mit. Mit der Zustimmung der Gläubiger sei die erste Bedingung zur Umsetzung des Rekapitalisierungsprogramms erfüllt worden, heisst es weiter. Jetzt müssen die Aktionäre an der ausserordentlichen Generalversammlung in einer Woche über eine Kapitalerhöhung von 160 Millionen Franken entscheiden. Als dritter Punkt ist die Verlängerung bestehender Bankkredite geplant.

Neue Köpfe in der Führungsetage

Nicht nur finanziell, sondern auch personell soll es einen Neuanfang geben: Meyer Burger hatte am Vorabend der Versammlung einen Chefwechsel bekannt gegeben. Damit räumt Peter Pauli nach 14 Jahren seinen Chefposten. Per 1. Januar tritt Hans Brändle, früherer Spartenchef beim Industriekonzern Oerlikon, seine Nachfolge an. Auch im Verwaltungsrat gibt es Änderungen: Alexander Vogel soll das Verwaltungsratspräsidium von Peter Wagner übernehmen. Des Weiteren werden an der ordentlichen Generalversammlung vom 27. April 2017 mit Michael Splinter und Hans-Michael Hauser zwei zusätzliche Mitglieder für den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Splinter, der aus der Halbleiterindustrie kommt, wird bereits ab dem 1. Januar den Verwaltungsrat und das Management als designierter Delegierter des Verwaltungsrats unterstützen.

Aktie im Aufwind

Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neuanfang bei Meyer Burger hatten dessen Aktien bereits im Morgenhandel zu deutlichen Avancen verholfen. Bis zu einem Handelsstopp vor Beginn der Gläubigerversammlung legten diese um 7,9 Prozent auf 1.78 Franken zu. Nach Bekanntwerden der Zustimmung der Gläubiger und der Wiederaufnahme des Handels zogen die Titel zeitweise um bis zu 15,8 Prozent an. Von ihrem diesjährigen Höchstkurs von 6.10 Franken sind die Titel allerdings noch weit entfernt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über zwei Drittel an Wert verloren.In dieser Zeit konnte Meyer Burger zwar Fortschritte vermelden, allerdings wurden diese von der drohenden Finanzierungslücke im kommenden Jahr überschattet. Das in den roten Zahlen steckende Unternehmen erzielte zuletzt zumindest vor Abschreibungen und Amortisationen wieder einen Betriebsgewinn.

Das Unternehmen muss sich seine Rückkehr zur Profitabilität hart erkämpfen: Erneut sah sich Meyer Burger gezwungen, Stellen abzubauen. Nun obliegt es der neuen Führungscrew, das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. (sda/mai)