Gewerkschaften gehen auf Baumeister zu

Gewerkschaften gehen auf Baumeister zu

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Die Gewerkschaften Unia und Syna wollen die Verhandlungen um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) wieder in Gang setzen. Sie gehen auf die Arbeitgeber zu und sind bereit, den bestehenden Vertrag um zwei Monate zu verlängern und eine Lohnanpassung von 1,5 Prozent zu akzeptieren.
 
"Dieser Schritt war nicht einfach für uns," sagte Ernst Zülle, Branchenleiter Baugewerbe Syna, getern vor den Medien in Zürich. Ursprünglich hatten die Gewerkschaften 100 Franken mehr Lohn für alle gefordert, was einem Aufschlag von 1,8 Prozent entsprechen würde. Die Arbeitgeber hatten für 2012 eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent angeboten. Die Gewerkschaften wollen die Situation nun deblockieren, sagte Zülle, um einen Weg zu einem neuen Landesmantelvertrag (LMV) genannten GAV zu finden. Ein vertragsloser Zustand solle damit verhindert werden. Der bestehende LMV läuft Ende des Jahres aus. Die Verhandlungen für einen neuen LMV hatten bereits im Februar begonnen, waren jedoch Anfang November gescheitert. Nach Protestaktionen auf dem Bau hatten die Baumeister eine Verletzung der Friedenspflicht beklagt und weitere Verhandlungen von verschiedenen Bedingungen abhängig gemacht, darunter der bedingungslosen Verlängerung des bestehenden LMV. Eine unbefristete Vertragsverlängerung kommt für die Gewerkschaften nicht in Frage. Dies sei eine unakzeptable Bedingung, sagte Hansueli Scheidegger, Branchenleiter Baugewerbe Unia. "Dann gibt es keine Motivation sich zu einigen und die Verhandlungen verlaufen im Sande." Nun liege es am Schweizerischen Baumeisterverband (SBV), an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

"Entgegenkommen in unserer Richtung"

In einer ersten Reaktion begrüsste der SBV den Vorstoss der Gewerkschaften. "Das ist ein Entgegenkommen in unsere Richtung", sagte Martin A. Senn, Vize- Direktor SBV. Jetzt sei wieder eine Basis da, auch wenn nicht alle Bedingungen erfüllt seien. Schade sei, dass es so lange gedauert habe. Ob eine Einigung tatsächlich innerhalb der vorgeschlagenen Frist erreicht werden kann, sei fraglich. "Es wäre wunderbar, wenn man es in zwei Monaten schaffen könnte," sagte Senn. Auch der Baumeisterverband wolle nicht endlos verhandeln. Auf alle Fälle müsse ein vertragsloser Zustand verhindert werden. Darin sind sich SBV und Gewerkschaften einig.

Verhandlungsbedarf: Schlechtwetter und Londumping

Die Arbeitnehmerseite geht jedoch davon aus, dass zwei Monate ausreichen, um einen neuen LMV abzuschliessen. Während dieser Zeit wollen die Gewerkschaften auf öffentliche Aktionen verzichten. Die Verhandlungen sollen nicht in den Medien geführt werden. Daher wollen die Gewerkschaften die externe Kommunikation in dieser Zeit mit den Arbeitgebern absprechen. Aus Sicht der Gewerkschaften gibt es noch bei zwei Themen Verhandlungsbedarf: beim Schlechtwetter-Schutz und beim Lohndumping. Vor allem letzteres ist noch strittig. Die Bauarbeiter verlangen verstärkten Schutz vor Lohndumping durch Subunternehmer. Das Thema Solidarhaftung müsse auf den Tisch Kritik übten die Gewerkschaften an der zurzeit laufenden Unterschriftenaktion des SBV mit der Forderung "Kein vertragsloser Zustand!" Inhaltlich könnten sich die Gewerkschaften der Forderung anschliessen. Die Durchführung der Aktion sei jedoch eine Nötigung und ein Versuch, Gewerkschaften und Bauarbeiter zu spalten. (aes/sda)