Gewässerökologie in Liedform: Renaturierung rockt

Gewässerökologie in Liedform: Renaturierung rockt

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Wissenschaftler stehen oft vor der Schwierigkeit, ihre Aktivitäten so zu präsentieren, dass auch Laien verstehen, worum es geht. Eine Forscherin des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin liess von Schweizer Musikern ein Lied über ihre Arbeit schreiben. Der Song „Flussfisch“ dürfte es auf Anhieb an die Spitze der Wasserforschungs-Hitparade schaffen.

Die Forscherin Simone Langhans befasst sich am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin mit der Planung von Flussrenaturierungsprojekten. Um herauszufinden, wie sich die Effizienz und der Erfolg solcher Vorhaben steigern liessen, experimentiert sie unter anderem mit Algorithmen und Verfahren zur multikriteriellen Entscheidungsanalyse.

Sag's mit einem Lied

Wie kann man der Welt den Inhalt und die Bedeutung eines solchen Forschungsgegenstands vermitteln? – In aller Regel geschieht das in umständlichen wissenschaftlichen Publikationen, die ausserhalb des eigenen Forschungsbereichs kaum jemand versteht. Simone Langhans hat einen anderen Weg gewählt, um der breiten Öffentlichkeit ihre Tätigkeit zu erklären und beauftragte die Schweizer Band Knuts Koffer, ein Lied über ihre Arbeit zu komponieren.

„Die Idee dazu kam mir in einer Kneipe in meiner Heimatstadt Rapperswil, beim Bier mit dem Sänger der Band und einem gemeinsamen Freund“,  sagt Langhans. „Mir gefiel die Idee, wissenschaftliche Erkenntnisse mit Hilfe von Kunst zu vermitteln.“ Unterstützt wurde das ungewöhnliche Vorhaben der Forscherin von der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Das Resultat ist der Song „Flussfisch“. Darin besingt die Band das Leid der Fische in Havel und Spree und macht so auf die Dringlichkeit von Revitalisierungsmassnahmen aufmerksam.

Lyrik aus sperrigen Fachbegriffen

Die Übersetzung von Wissenschaftssprache in einen lyrischen Songtext sei anspruchsvoll gewesen, sagt Frédéric Zwicker, der Texter und Komponist der Band. „Die grössten Schwierigkeiten bestanden einerseits darin, die wichtigsten Aussagen aus einer siebenunddreissigseitigen Forschungsarbeit in vier Strophen zusammenzufassen. Andererseits galt es, diverse eher sperrige Fachbegriffe in einem rhythmischen, sich reimenden Text unterzubringen“, sagt Zwicker. „Die Musik habe ich so komponiert, dass sie einerseits die Tragik des Status quo reflektiert, andererseits die Hoffnung auf eine bessere Zukunft dank Frau Langhans‘ Forschung.“

Das Lied zeigt, dass ein wissenschaftliches Thema durchaus künstlerisch fruchtbar gemacht werden kann. Zugleich ist die unkonventionelle Idee der Forscherin ein Beweis dafür, dass sich auch komplexe Forschung breitenwirksam vermitteln lässt, sofern man das will. (mrm)