Gesellschaft und Wirtschaft prägen die Landschaft

Gesellschaft und Wirtschaft prägen die Landschaft

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Wie stark Wirtschaft und Gesellschaft die Landschaft prägen, zeigt eine vertiefte Analyse der Arealstatistik anlässlich des internationalen Jahres des Bodens, die das Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt hat. So geht aus ihr hervor, dass die Wohngebiete zwischen 1985 und 2009 um 44 Prozent zugenommen haben und dass im Zuge des Gletscherschwunds Geröll- und Sandflächen um 321 Quadratkilometer angewachsen sind.

Die Schweizer Landschaft hat sich in den Jahren zwischen 1985 und 2009 stark gewandelt: Während dieser Jahre dehnte sich das besiedelte Gebiet um ein knappes Viertel aus. Parallel dazu stieg der durchschnittliche Flächenbedarf pro Einwohner und Arbeitsplatz um 17 Quadratmeter oder um 6,5 Prozent an. Zugenommen hat auch der Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern am Wohngebiet, und zwar um 2,4 Prozent.

Verkehr wächst...

Viel stärker gewachsen ist hingegen die Gesamtfläche der Strassen: Sie vergrösserte sich um 17,2 Prozent, allerdings haben die Leistungen im Strassenverkehr noch einiges mehr zugenommen –  im privaten motorisierten Verkehr um 22 Prozent und im Strassengüterverkehr gar um 109 Prozent. Ein grosses Ungleichgewicht zeigt sich auch beim Bahnverkehr: Das Schienennetz wuchs lediglich um 2,9 Prozent, während die Auslastungen beim Personenverkehr um 82 Prozent gestiegen sind. Im Schienengüterverkehr haben die Auslastungen um ein gutes Drittel zugenommen.

Auch der Strukturwandel in der Agrarwirtschaft verändert die Landschaft. Zwischen 1985 und 2009 ging pro Sekunde 1,1 Quadratmeter Landwirtschaftsfläche verloren. In der Talzone sei es gar doppelt so viel gewesen, schreibt das BFS. Hingegen wurden die Weideflächen um  etwas mehr als ein Viertel ausgeweitet, obwohl die Rindviehbestände um 14 Prozent abgenommen haben. Derweil sind die Feldobstflächen um die Hälfte geschrumpft.

...und die Gletscher schrumpfen weiter

Besonders dynamisch entwickelten sich der Wald und der übrige Naturraum. Gebüschwälder haben laut BFS rund vier Mal so stark zu genommen wie die übrigen Wälder.  Derweil nahmen die für Landschaftsstruktur und Biodiversität wichtigen Gehölze ab. Zudem litten 2009  4 Prozent der Waldfläche unter Naturereignissen wie Sturmschäden, Waldbränden oder Schädlingsbefall. Dramatisch verändert haben sich die Flächen mit Fels, Geröll und Sand in Höhenlagen zwischen 200 und 3200 Metern über Meer: Sie dehnten sich um 321 Quadratkilometer aus, nachdem dort 352 Quadratkilometer GLetscher- und Firnflächen verschwunden sind. Dies zeigt, dass sich erst auf einem sehr kleinen Teil Pflanzen ausgebreitet haben. (mai/mgt)

Grundlagen der Arealstatistik

Mit der Arealstatistik erhebt das Bundesamt für Statistik anhand von Luftbildern die Bodennutzung und Bodenbedeckung eines Stichprobenpunkts jeder Hektare der Schweiz und unterscheidet für die Auswertung 72 Grundkategorien. Drei methodisch einheitliche Erhebungen basieren zeitlich auf Luftbildern der Jahre 1979–1985, 1992–1997 und 2004–2009, so dass sich die Veränderungen während zwei Perioden von je zwölf Jahren Dauer beobachten lassen. Im Text dieser Medienmitteilung werden für die drei Zeitstände vereinfachend die Jahreszahlen 1985, 1997 und 2009 verwendet. (mgt)