Gescheiterte TransRUN sorgt für separatistische Töne

Gescheiterte TransRUN sorgt für separatistische Töne

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Dass Scheitern eines ambitionierten Bauprojektes sorgt in Neuenburg für separatistische Töne: Nachdem die TransRUN wegen des letzten Abstimmungswochenendes an der Urne knapp scheiterte, macht sich Unmut im Kanton breit. Das gilt vor allem für La Chaux-de-Fonds.
 
Bei der TransRUN handelte es sich um eine Schnellbahn, die Neuenburg mit La-Chaux-de-Fonds hätte verbinden sollen. Das Projekt hätte das Kernstück der neuen S-Bahn bilden sollen. Insgesamt hätte die neue Verbindung mit 919 Millionen Franken gekostet. Davon hätten die SBB mindestens 240 und der Bund 111 Millionen berappt. Für die restlichen gut 560 Millionen hätten Kanton und Gemeinden aufkommen müssen.
 
Dass es nun nicht so weit kommt, sorgt für dicke Luft im Kanton. Nach der Gründung der Facebook-Gruppe „Le Haut veut vivre“ und der Einreichung einer Motion hat sich gestern Donnerstagabend in La Chaux-de-Fonds eine weitere Gruppe von rund einem Dutzend Personen zusammengefunden, um über mehr Autonomie der Regionen nachzudenken. Der Gruppe gehört als „Beobachter“ auch SP-Grossrat Alexandre Houlmann aus La- Chaux-de-Fonds an. Von ihm stammt auch die Motion, die mehr Selbstbestimmung verlangt. Sie wird von Mitunterzeichnenden unterstützt, darunter Grossratspräsident Cédric Dupraz.
 
In einem Interview mit den Zeitungen „L'Impartial“ und „L'Express“ versichert Houlmann, dass er kein Separatist sei: Heute sei er es nicht, aber er könnte es werden, so Houlmann. „Spitäler, Ingenieurschulen - alles geht (nach Neuenburg) hinunter, nichts kommt herauf“, klagt Joaquim Manzoni, Mitinitiant der Reflexionsgruppe. Die Geringschätzung und Demütigung gegenüber den Berglern ist in seinen Augen so gross, dass er die Lösung entweder in der Schaffung von zwei Halbkantonen oder dem Anschluss an den Jura oder den Kanton Bern sieht. Auch die Motion von Houlmann spielt nach dem Nein zu TransRun mit dem Sezessionsgedanken. So soll jede Gemeinde, falls sie es wünscht, ihre Zukunft „ausserhalb des Kantons“ wählen können. (mai/sda)