Geldsegen für Hauseigentümer

Geldsegen für Hauseigentümer

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Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen ist ein Erfolg: Bis Ende Juni sind rund 14'000 Fördergesuche mit einer Summe von 123 Millionen Franken eingegangen. Zur Verfügung stehen dieses Jahr 200 Millionen Franken aus der CO2-Abgabe. Am häufigsten werden Fenster saniert.
 
zvg
 
Der Schweizer Gebäudepark ist stark überaltert. Von den Gebäuden, die zwischen 1960 und 1990 erstellt wurden, sind zwischen 75 und 90 Prozent noch nie saniert worden. Dass diese Liegenschaften kaum den heutigen Massstäben für Energieeffizienz entsprechen, versteht sich von selbst. Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen will diesem unbefriedigenden Zustand mit Fördergeldern abhelfen.
 

Grosses Interesse

Aus der CO2-Abgabe stehen dieses Jahr 200 Millionen Franken für energietechnische Sanierungen zur Verfügung. Die Kantone steuern darüber hinaus weitere 80 bis 100 Millionen Franken bei für die Förderung erneuerbarer Energien, Abwärmenutzung und Haustechnik. Das Förderprogramm wurde im Januar lanciert. Nun liegen die ersten statistischen Ergebnisse vor, die Aufschluss geben über die Zahl der eingereichten und bewilligten Fördergesuche sowie die Verwendung der Gelder. Das Gebäudeprogramm stösst bei den Hausbesitzern auf grosses Interesse; dies lässt sich schon nach sechs Monaten sagen. Rund 14000 Gesuche mit einer Fördersumme von 123 Millionen Franken wurden seit Januar eingereicht. Bewilligt wurden 7500 Gesuche im Umfang von total 61 Millionen Franken. Ausbezahlt wurden jedoch lediglich 152 Gesuche mit einer Fördersumme von 430000 Franken. Die Bauherren haben zwei Jahre Zeit für die Realisierung ihrer Sanierungsmassnahmen. Ausbezahlt werden die Fördergelder erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten.
 
Rund 8800 Franken an Fördergeldern wurden im Durchschnitt pro Gesuch beantragt. Bewilligt wurden im Durchschnitt rund 8100 und ausbezahlt lediglich 2800 Franken. Dies hat damit zu tun, dass die Fördergelder erst nach der Umsetzung der Sanierungsmassnahmen ausbezahlt werden und grössere Sanierungsvorhaben eine sorgfältige Planung erfordern. Deshalb wurden im ersten Halbjahr 2010 vor allem kleinere, rasch realisierbare Projekte in die Tat umgesetzt, zum Beispiel der Ersatz von Fenstern.
 
In absoluten Zahlen betrachtet wurden im Kanton Bern die meisten Fördergesuche eingereicht, nämlich 1186. Es folgen die Kantone Zürich mit 791, Aargau mit 630 und St. Gallen mit 555 Gesuchen. Ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man die Gesuche je 100000 Einwohner betrachtet: Mit 299 Gesuchen pro 100000 Einwohner bildet der Kanton Uri die Spitze, gefolgt von Appenzell Ausserrhoden mit 260, Appenzell Innerrhoden mit 257 und Obwalden mit 238. Der Halbjahresbericht zum Gebäudeprogramm macht hier aber einen Vorbehalt: Da einzelne Kantone den Status «Gesuch eingereicht» nicht berücksichtigen, wird ein Teil der Gesuche erst erfasst, wenn diese bereits bearbeitet, also bewilligt oder abgelehnt worden sind. Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass die Zahl der Gesuche stark von den kantonalen Förderprogrammen der Vorjahre abhängig ist.
 

Spendable Kleinkantone

Die bewilligte Gesamtfördersumme schwankt zwischen 7,4 Millionen Franken im Kanton Zürich, 4,8 Millionen im Kanton Graubünden und 280000 Franken im Kanton Appenzell Innerhoden. Das heisst aber nicht, dass die Hausbesitzer im «reichen» Kanton Zürich mehr Geld für ihre Sanierungsprojekte erhalten. Die bewilligte durchschnittliche Fördersumme pro Gesuch schwankt nämlich von Kanton zu Kanton erheblich: So erhalten kantonalzürcher Liegenschaftsbesitzer umgerechnet 9355 Franken pro Gesuch, die Innerrhödler 6911 und die Bündner sogar 13884 Franken. Die Kantone Nidwalden und Obwalden mit Gesamtfördersummen von 630000 und 830000 Franken gewähren sogar 11228 respektive 10150 Franken pro bewilligtes Baugesuch. Diese sehr ungleiche Verteilpraxis erstaunt, zumal gerade Kantone wie die beiden Appenzell sowie Graubünden und Obwalden, aber auch andere Kantone, erhebliche Summen aus dem Finanzausgleich beziehen, während ein Nettozahler wie der Kanton Zürich mit über 550 Millionen Franken einen Drittel des eidgenössischen Ausgleichstopfes füllt. Man fragt sich, ob einige Kantone ihre grosszügige Förderpraxis ohne den Finanzausgleich aufrecht erhalten könnten.
 

Fenster auf Platz eins

Bei weitem am häufigsten wurden in den letzten sechs Monaten Gesuche für Massnahmen an Fenstern bewilligt, nämlich insgesamt über 3200. An zweiter Stelle rangieren 980 Gesuche für Verbesserungen an Dächern. Lediglich etwas mehr als 300 bewilligte Gesuche betrafen Massnahmen an Aussenwänden. Insgesamt wurden knapp elf Millionen Franken für Massnahmen an Fenstern und 10,3 Millionen für Verbesserung von Dachisolationen bewilligt. Für die Isolation von Aussenwänden wurden 2,7 Millionen Franken bewilligt. Die durchschnittliche Fördersumme pro Gesuch lag im Bereich Fenster bei 3200 Franken, im Bereich Dächer bei 10500 und im Bereich Aussenwände bei 8800 Franken.
 
Über vier Fünftel (86 Prozent) der bewilligten Gesuche betrafen Privatliegenschaften natürlicher Personen, lediglich 6,8 Prozent Liegenschaften juristischer Personen. Gleichzeitig bezogen juristische Personen knapp 20 Prozent der gesamten Fördersumme, was laut Halbjahresbericht darauf hindeutet, dass deren Liegenschaften grösser und im grösseren Stil saniert werden als diejenigen natürlicher Personen.
 
Rund 70 Prozent der bewilligten Gesuche betrafen Ein- oder Zweifamilienhäuser und etwas mehr als 24 Prozent Mehrfamilienhäuser. 5,8 Prozent der Gesuche betrafen öffentliche bauten wie Schulhäuser, Sporthallen, Spitäler und Versammlungslokale sowie Gewerbe- und Industriebauten. Je knapp 40 Prozent der bewilligten Fördersumme wird für Projekte an Ein- oder Zweifamilienhäusern sowie an Mehrfamilienhäusern eingesetzt.
 
Die eingegangenen Fördergesuche liegen zahlenmässig zurzeit über den Erwartungen. Nach Aussagen der kantonalen Bearbeitungsstellen hat sich die Zahl der eingehenden Fördergesuche auf einem hohen Niveau stabilisiert, das heisst, sie steigt nicht mehr wesentlich an. Da zugleich eine Abnahme der aus dem Internet heruntergeladenen Gesuchsformulare registriert worden ist, wird davon ausgegangen, dass in absehbarer Zeit auch weniger Gesuche eingereicht werden. Massimo Diana
 

Stichwort Gebäudeprogramm

Ältere, länger nicht sanierte Gebäude verbrauchen unnötig viel Energie. Mit einer Sanierung kann deshalb viel bewirkt werden: In einigen Gebäuden sinkt dadurch der Wärmebedarf um mehr als die Hälfte. Dank dem Gebäudeprogramm soll in den nächsten zehn Jahren der Energieverbrauch im Schweizer Gebäudepark erheblich reduziert und der CO2-Ausstoss gesenkt werden.
 
Das Gebäudeprogramm unterstützt die verbesserte Wärmedämmung von Einzelbauteilen in bestehenden, beheizten Gebäuden, die vor dem Jahr 2000 erbaut wurden. Einzelbauteile sind Fenster, Wände, Böden und das Dach. Darüber hinaus leisten die Kantone individuelle Zusatzförderungen, zum Beispiel für Gesamtsanierungen und für den Einsatz von erneuerbaren Energien.
 
Mit einer Wärmedämmung von Fenstern, Wänden, Böden und Dach werden die Innenräume eines Gebäudes besser gegen das Aussenklima geschützt. Dichte und gut isolierte Fenster spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Wärmedämmung kann aber auch gegen den Wärmeverlust zwischen Innenräumen und unbeheizten Räumen oder dem Erdreich angebracht werden. Beispiele dafür sind die Wärmedämmung des Estrichbodens und der Kellerdecke.
 
Das Gebäudeprogramm legt für diese Massnahmen Unterstützungsbeiträge pro Quadratmeter fest. Nur gut dämmende Einzelbauteile werden unterstützt. Minimale Dämmwerte müssen daher nachgewiesen werden. Ein Nachweis des Minergie-Moduls wird als gleichwertig akzeptiert.
 
Die Grundlage für das Gebäudeprogramm ist das CO2-Gesetz. Darin verankert ist die CO2-Abgabe als Lenkungsabgabe, die den sparsamen Umgang mit fossilen Brennstoffen fördern soll. Sie beträgt derzeit 36 Franken pro Tonne CO2. Dies entspricht einem Aufpreis von rund 9 Rappen pro Liter Heizöl. Durch die CO2-Abgabe kommen im Jahr 2010 voraussichtlich 600 Millionen Franken zusammen. Im Hinblick auf den dringenden klimapolitischen Handlungsbedarf haben die eidgenössischen Räte im Juni 2009 eine Teilrevision des CO2-Gesetzes beschlossen: Ein Drittel der CO2-Abgabe soll klimafreundliche Gebäudesanierungen und den Einsatz erneuerbarer Energie in Gebäuden unterstützen. (pd)