Geld für geplante Luzerner Salle Modulable

Geld für geplante Luzerner Salle Modulable

Gefäss: 

Einigung auf allen Ebenen: Butterfield Trust hat der Stiftung Salle Modulable die ursprünglich in Aussicht gestellten 120 Millionen Franken für die Realisierung eines neuen Luzerner Musiktheaters zugesichert. Entstehen soll ein flexibel nutzbarer Aufführungsraum.

Es gebe keinen Verlierer und keinen Gewinner. "Profitieren tut einzig die Salle Modulable", freute sich die Luzerner Stadträtin Ursula Stämmer-Horst am Donnerstag vor den Medien. Stämmer-Horst, Bildungsdirektor Reto Wyss und alle anderen im Musiktheater- Projekt Involvierten hatten tatsächlich allen Grund zur Freude: Vertreter der Stiftung Salle Modulable und der Butterfield Trust in Bermuda verkündeten im KKL die wichtigsten und durchwegs positiven Folgen der am vergangenen Montag unterzeichneten Vereinbarung. Einerseits beendet sie den jahrelangen Rechtsstreit zwischen der Stiftung und dem Trust. Anderseits belegt sie auch, dass beide Parteien daran glauben, dass in Luzern ein den Vorstellungen des verstorbenen Mäzens Christof Engelhorn entsprechendes Musiktheater gebaut und betrieben werden kann.

Zudem listet die Vereinbarung sämtliche Bedingungen auf, die erfüllt sein müssen, damit Butterfield Trust das Projekt mit 120 Millionen Franken finanziert. Dieser Betrag entspricht der Summe, die der Vermögensverwalter 2007 ursprünglich in Aussicht gestellt hatte. Zu den Bedingungen gehören unter anderem eine Machbarkeitsstudie und alle von Stadt und Kanton erforderlichen Zusagen. Von den 120 Millionen Franken abgezogen werden 5,75 Millionen, welche Butterfield Trust bereits für Vorarbeiten zur Projektierungen bezahlt hatte. Die restlichen Verpflichtungen belaufen sich somit noch auf 114,25 Millionen Franken. Nach Abzug weiterer Kosten für Projektierung, Rechtliches, Buchhaltung und Administration dürften rund 80 Mllionen übrig bleiben. Wer im Einigungsverfahren wie viel bezahlt oder erhalten hat, bleibt geheim. "Diese Zahlen kommen nie auf den Tisch", sagte Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable. Für ihn ist der Neustart "ein historischer Moment". Die Freude sei gross, die Erleichterung auch. Nie habe er aufgehört an die Vision Salle Modulable zu glauben. Er definiert das Musiktheater als "flexiblen, modulablen Aufführungsraum". Und: "Innerhalb einer Gebäudehülle soll man alles bewegen können", sagte er.

"Lange, intensive Gespräche"

Zur Einigung im Rechtsstreit war es nach "langen, intensiven Gesprächen und Verhandlungen" gekommen, wie Trust-Vertreter Ernst F. Schmid sagte. Deshalb sei es nun der erklärte Wunsch der Angehörigen des verstorbenen Christof Engelhorn, den Willen ihre Vaters und Grossvaters zu erfüllen und der Salle Modulable eine Chance zu geben, sagte er. Mit der Vereinbarung haben sich die Parteien auch hinsichtlich der Nutzung einigen können: Das Theaterhaus soll eine international anerkannte Plattform in den Bereichen Oper, Musiktheater, Tanz und Schauspiel bieten. Der Trust hatte sich einst auf den Standpunkt gestellt, dass die Gelder nur für ein Opernhaus verwendet werden dürfen. Der Butterfield Trust kann sich nun nicht wieder aus dem Projekt zurückziehen. Der finanzielle Beitrag sei für die gesamte Projektdauer durch eine Bankgarantie einer Schweizer Bank abgesichert, sagte Schmid.

Machbarkeitsbeweis bis 2018

Als erster Schritt soll eine Machbarkeitsstudie vom Beratungsunternehmen Arup erstellt. Arup machte sich unter anderem mit den Opernhäusern von Sydney und Oslo, aber auch dem KKL und der Fondation Beyeler einen Namen. Geprüft werden drei Standortoptionen: Bahnhof/Theaterplatz, Carparkplatz Inseliquai oder Schotterplatz Alpenquai. Innerhalb der nächsten 12 Monate soll die Studie abgeschlossen sein. Die früher erstellte Studie bleibe in der Schublade, sagte Achermann. Auch hier wollen die Parteien einen Neustart. In einem zweiten Schritt muss der Machbarkeitsbeweis erbracht werden. Das heisst, der politische Entscheidungsprozess muss abgeschlossen und die Finanzierung von Bau und Betrieb müssen sichergestellt sein. Die Stiftung hat dafür bis am 31. Dezember 2018 Zeit. Anschliessend folgt die Bildung der Trägerschaft für Bau und Betrieb, die Festlegung des architektonischen Designs sowie Bewilligungsverfahren und Baubeginn. Stiftung und Trust wollen in Zukunft "eng zusammenarbeiten". Das Projekt Salle Modulable wird in das Gesamtkonzept "Neue Theater Infrastruktur" (NTI) von Stadt und Kanton Luzern integriert. Die Einigung sei eine grosse Chance für Luzern, sagte Bildungsdirektor Wyss.

Bewegte Geschichte

Die turbulente Geschichte der Salle Modulable beginnt im Jahr 2007. Der Intendant des Lucerne Festivals, Michael Haefliger, gibt Pläne für ein neues Musiktheater in Luzern bekannt. Realisiert werden sollte das Projekt mit Geldern des damals in Luzern lebenden Deutschen Mäzens Christof Engelhorn. Nach Engelhorns Tod 2010 entfachte ein Rechtsstreit. Unklar war, ob der Stiftung Salle Modulable die 120 Millionen Franken zustanden, welche Engelhorn für den Bau des Musiktheaters zur Verfügung stellen wollte. Denn der Vermögensverwalter Butterfield Trust auf Bermuda zog das Geld zurück. Er begründete den Schritt mit Unsicherheiten bei der Projektrealisierung. Die Stiftung Salle Modulable beschritt den Rechtsweg.

Im Februar taxierte ein Gericht auf Bermuda den Rückzug des Geldes im Jahr 2010 als unrechtmässig. Seither suchten die beiden Parteien nach einer Einigung. Die Appellationsfrist lief am Montag zum vierten Mal ab. (sda)