«Geisterwohnungen» bei rund 100 Bauten

«Geisterwohnungen» bei rund 100 Bauten

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In Einsiedeln SZ wurden in rund 100 Fällen neue Wohnungen ohne entsprechende Bewilligung gebaut. Aufgeflogen sind die illegalen Bauten beim Vollzug von Bundesvorschriften. Die Bezirksverwaltung überprüft zurzeit die Fälle.
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Einsiedeln, hier eine Ansicht des Klosters
 
Auf die illegalen Bauten stiess man laut Rita Newnam, Abteilungsleiterin in der Bezirksverwaltung Einsiedeln, beim Vollzug von Aufgaben, die der Bund vorgegeben hat: der Register-Harmonisierung und der Neuschätzung der Grundstücke. Da sei entdeckt worden, dass es viel mehr Wohnungen gibt, als gemeldet. Beim Kommunaluntersuch Ende Januar sei die Regierung darauf aufmerksam gemacht worden. Inzwischen wurde bekannt, dass selbst die Bauvorsteherin des Bezirks, Berta Gyr (FDP), indirekt betroffen ist. Im Dachstock der Liegenschaft ihres Mannes wurde 2005, ein Jahr vor ihrem Amtsantritt, illegal eine Wohnung eingebaut.
 
Es sei nur eine einfache Wohnung, sagte Bauvorsteherin Gyr gegenüber der «NZZ am Sonntag». Und abgesehen davon: «Es braucht für ein Baugesuch ja X Papiere, Zettel und weiss der Güggel was.» Bei den kommenden Erneuerungswahlen tritt Gyr nicht mehr an.
 

In diesem Ausmass aussergewöhnlich

Laut Peter Reuteler, Vorsteher des Schwyzer Sicherheitsdepartementes, gibt es zwar immer wieder punktuelle Fälle von Bauen ohne Baubewilligung. «Aber in diesem Ausmass wie in Einsiedeln ist es schon aussergewöhnlich.» Er schreibe nun an alle Gemeinden, um sie auf dieses Problem aufmerksam zu machen, sagte Regierungsrat Reuteler gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. «Ich hoffe allerdings nicht, das es noch andere Gemeinden gibt, sie so viele illegale Wohnungen haben.» Es gibt laut Reuteler zwar grosse Unterschiede bei der Arbeit der Gemeinden, doch die meisten arbeiteten gut. Manchmal fehle es an Ressourcen, weil man sparen wolle. Zuweilen fehle es auch an Kompetenz. Deshalb will Reuteler die Gemeinden motivieren, vermehrt zusammenzuarbeiten und Kompetenzzentren zu schaffen.
 

Aufarbeitung bis Herbst

Rund hundert illegale Bauten werden derzeit im Bezirk Einsiedeln überprüft; bei der Hälfte davon handelt es sich um Wohnungen. Fälle ausserhalb von Bauzonen müssen dem Kanton gemeldet werden, da dieser für die Baubewilligung zuständig ist. Reuteler rechnet damit, dass die Aufarbeitung in Einsiedeln bis im Herbst 2010 dauert. Für die illegal erstellten Bauten müssen nachträglich Baugesuche eingereicht werden. Die Gesuchsteller müssen mit Bussen - maximal 50000 Franken - rechnen. Im Extremfall, wenn beispielsweise die zulässige Ausnützungsziffer überschritten wurde, kann auch ein Rückbau angeordnet werden. (sda)