Gefährlich langsame Erdbeben

Gefährlich langsame Erdbeben

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Teaserbild-Quelle: Thomas Shahan, Flickr, CC

Lange Zeit machen sie sich kaum bemerkbar – bis auch sie mit verheerender Gewalt zuschlagen: langsame Erdbeben. Das Phänomen ist erst seit rund 20 Jahren bekannt. Eines der von solchen Katastrophen gefährdeten Gebiete liegt auf der Cascadia-Verwerfung, in Kanada und den USA.

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Thomas Shahan, Flickr, CC
Geheimnisvoller Anblick: Baumstrunk des Geisterwalds an der Küste von Oregon.

Schwarze Stümpfe ragen aus dem Strand von Neskowin im Bundesstaat Oregon. Der sogenannte Geisterwald ist das Überbleibsel einer Katastrophe, die dort im 18. Jahrhundert die Küste heimgesucht hatte: Ein Beben an der Cascadia-Verwerfung. Die Verwerfung umfasst ein Gebiet von einer Länge von rund 1100 Kilometern,  vom kanadischen Vancouver bis zum nordwestkalifornischen Kap Mendocino hinunter.

Bei der Cascadia-Verwerfung handelt sich um eine Subduktionsszone. Das heisst: Hier schiebt sich die Juan-de-Fuca-Platte langsam unter die nordamerikanische Platte – um durchschnittlich vier Zentimeter pro Jahr. Dies geht mehrheitlich kaum merkbar vonstatten. Weil aber solche Verschiebungen nicht in einer einzigen langsamen, reibungslosen Bewegung geschehen, können dabei zwischendurch Erdbeben von einer Stärke von mehr als Sieben auf der Richterskala ausgelöst werden. Wie, warum, in welchem Kontext zu anderen Beben sie stehen und vor allem wann sie sich mit tödlicher Gewalt bemerkbar machen ist schwierig abzuschätzen, weil man noch zu wenig über sie weiss. Langsame Beben sind erst seit rund 20 Jahren bekannt.

Wie das amerikanische Wissenschaftsnachrichtenportal smithsonian.com berichtet, müsste verschiedenen Experten zufolge in absehbarer Zeit mit einem grossen Beben gerechnet werden. Zu weit liegt das Ereignis im 18. Jahrhundert in Oregon zurück. „Es ist ein regelrechtes Mysterium“, sagt Geophysikerin Heidi Houston von der Universität Washington in Seattle gegenüber smithsonian.com über die langsamen Erdbeben. Auch ihr Arbeitsort liegt auf der Cascadia-Verwerfung und ist bei solchen Erdbewegungen in Gefahr. „Wir studieren Erdbeben seit Jahrzehnten und wir wissen mittlerweile einiges über sie.“ Doch nun habe man das Phänomen der langsamen Beben entdeckt, und dieses unterscheide sich in manchen Aspekten völlig von den bekannten Beben. (mai)