Geberit: Nach Sanitec-Übernahme Gewinneinbruch

Geberit: Nach Sanitec-Übernahme Gewinneinbruch

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Geberit hat an der Übernahme des Badausstatters Sanitec zu kauen: Das finnische Unternehmen bescherte Geberit zwar in den ersten neun Monaten einen Wachstumsschub, aber die Kosten für die Integration zogen das Ergebnis deutlich nach unten.

So fiel der Betriebsgewinn (EBIT) um 13,3 Prozent auf 413,9 Millionen Franken. Der Reingewinn von Geberit sank um 18,2 Prozent auf 338,4 Millionen Franken, wie das Unternehmen mit Sitz in Jona SG am Dienstag in einem Communiqué bekannt gab. Den Grund für den Gewinneinbruch ortet das Unternehmen in der Sanitec-Übernahme. Diese habe zu Kosten von 59 Millionen Franken geführt, die den Reingewinn belasteten. Ohne die Übernahme und die Auswirkungen des starken Frankens wäre der Reingewinn von Geberit lediglich um 3,8 Prozent auf 397,8 Mio. Fr. gesunken. Der Betriebsgewinn hätte sogar um 1,3 Prozent zugenommen.

Der Umsatz von Europas grösstem Sanitärtechnikkonzern kletterte derweil um 21,8 Prozent auf 1,973 Milliarden Franken. Die auf Spülkästen und Rohre spezialisierte Geberit hatte Sanitec vor einem Jahr für 1,29 Milliarden Franken gekauft und war damit ins Geschäft mit Waschbecken, Toiletten, Duschkabinen und Badspiegel vorgestossen.

Mit den vorgelegten Zahlen hat das Unternehmen die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Analysten hatten im Durchschnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP mit mehr Umsatz und deutlich mehr Gewinn gerechnet. Sie bezeichneten das Ergebnis nach neun Monaten als enttäuschend. Auch den Investoren gefiel es nicht. Die Geberit-Aktie tauchte bis gegen 13.20 Uhr um 3,1 Prozent, während der Gesamtmarkt SMI um 0,6 Prozent im Minus lag. Analysten kritisierten auch die gesenkten Sanitec-Ziele für das Gesamtjahr. Zum Wachstum habe Sanitec von Februar bis September 481 Millionen Franken beigesteuert, erklärte der neue Geberit-Chef Christian Buhl vor Medien und Analysten in Zürich. Ohne das finnische Unternehmen und Währungseffekte wäre der Umsatz lediglich um 2,1 Prozent gewachsen.

Frankenschock und Flaute der Bauindustrie

Geberit machte in den ersten neun Monaten die Flaute in der Bauindustrie in einigen europäischen Ländern zu schaffen, aber auch der Frankenschock nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken im Januar. Alleine die Wechselkurseffekte hätten 162 Millionen Franken Umsatz weggefressen, so Buhl. Geberit gewährte seinen Kunden angesichts des Frankenschocks einen Preisrabatt von 10 Prozent in der Schweiz. Hierzulande sank der Umsatz ohne Sanitec um beinahe 8 Prozent auf 211,6 Millionen Franken.

Die Integration von Sanitec sei voll auf Kurs, sagte Finanzchef Roland Iff. Dabei komme es auch zu einem Stellenabbau in den nächsten Jahren, der über die natürliche Fluktuation vollzogen werden soll, sagte Buhl am Rande im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Der Stellenabbau werde aber nicht substanziell ausfallen. Betroffen seien Länder, in denen es Überlappungen von Geberit und Sanitec gebe, wie beispielsweise Skandinavien, Deutschland oder Frankreich. Die Schweiz sei vom Stellenabbau nicht tangiert. Im Gegenteil: Hierzulande würden Jobs geschaffen, sagte Buhl weiter, ohne Zahlen nennen zu wollen. In der Schweiz arbeiten rund 1300 Personen für Geberit.

Herausforderungen bleiben anspruchsvoll

Für die Zukunft hiess es, die Herausforderungen in der Bauindustrie blieben anspruchsvoll. In Europa gehe das Volumen in der Bauindustrie insgesamt weiterhin zurück. "Mit Ausnahme einiger weniger, sich positiv entwickelnder Märkte wie Deutschland, Grossbritannien und Polen ist in den meisten übrigen Märkten keine Erholung absehbar. In Italien und Frankreich seien weitere Nachfragerückgänge zu erwarten. Auch im Nicht-Wohnungsbau sei keine Erholung festzustellen. Zu den schwierigen Rahmenbedingungen trage auch der starke Schweizer Franken bei, der Umsatz und Ergebnisse negativ beeinflusse, schrieb Geberit.

Die Unternehmensleitung erwarte für 2015 ein währungsbereinigtes Wachstum des Nettoumsatzes beim ursprünglichen Geberit Geschäft von zwei bis drei Prozent. Beim Sanitec-Geschäft werde ein währungsbereinigter Nettoumsatz unter dem Vorjahresniveau angepeilt. Zuvor hatte Geberit noch prophezeit, dass Sanitec den Umsatz im Gesamtjahr halten könne, so Iff. Das finnische Unternehmen dürfte den Reingewinn 2015 von Geberit mit rund 70 Millionen Franken belasten. (sda/mai)