Galina Balaschowa sorgte im All für Gemütlichkeit

Galina Balaschowa sorgte im All für Gemütlichkeit

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Farbstudie für den Wohnbereich des Raumschiffs Sojus-M , 1970–1974, Entwurf wurde nicht realisiert. (Archiv Galina Balschowa /DAM)

Dafür, dass sich die Kosmonauten im All zu Hause fühlten, sorgte Galina Balaschowa: Während Jahrzehnten war die  ausgebildete Architektin für die Inneneinrichtungen der russischen Raumfähren verantwortlich. Ab kommendem Wochenende widmet ihr das Deutsche Architekturmuseum eine spannende Ausstellung.

Entfernt erinnert das Logo der Apollo-Sojus-Mission von 1975 – der ersten US-amerikanisch-sowjetischen Kooperation in der Weltraumfahrt – an ein Yin-Yang-Zeichen: ein jeweils blauer  und roter in einander verschlungener Kreis. Zwar war damals das prägnante Zeichen überall in den Medien zu sehen. Aber dass es die russische Architektin Galina Balaschowa entworfen hatte, und dass Balaschowa auch die Inneneinrichtung der Sojus gestaltet hatte, wusste keiner.  Denn was Balaschowa, die als Designerin und später als leitende Ingenieurin für das russische Raumfahrtprogramm arbeitete, schuf, war streng geheim.

Angeblich sollen die US-Astronauten neidisch geworden sein, als sie das Innere der Sojus sahen. „Die waren begeistert“, erinnert sich die heute über 80jährige Architektin in einem Interview mit dem „ZEIT magazin“. „Die Apollo war eher technisch-funktional eingerichtet, sie hatte nicht einmal einen Salon. Wir hatten in der Sojus einen schönen runden Salon.“  Bei den Amerikanern habe sich wahrscheinlich keine Frau mit der Innenarchitektur beschäftigt, vermutet sie. Denn die Raumfähre sollte auch Gemütlichkeit ausstrahlen, damit sich die ihre Bewohner  darin wohl fühlen. Darum gehörte nicht nur ein Sofa und ein Klapptisch zur Einrichtung, sondern auch eine Vitrine für persönliche Gegenstände und ein Sideboard für Bücher. Zudem liess sie an den Wänden Gummibänder anbringen, damit die Kosmonauten persönliche Bilder aufhängen können.

Innenarchitektur zu konzipieren, die auch im All funktioniert, stellt besondere Anforderungen: Das gilt laut Balaschowa vor allem für die Schwerelosigkeit, weil man alles befestigen muss, und für die Orientierung, weil es kein Oben und Unten gibt und alles entsprechend markiert werden muss. Darum dachte sie sich ein besonderes Farbkonzept aus: Die Wände waren gelb, der Boden Grün.  „Gelb leuchtet besonders hell und Grün erinnert an Gras.“ Allerdings ist die Sojus nicht die einzige Raumfähre, die Balaschowas Handschrift trägt. Davor gestaltete sie das Innenleben der Woschod und später das der Raumstationen Mir und Buran.

Die Designerin war selbst übrigens nie im Orbit und schon gar nicht im All. Sie habe nie daran gedacht, sagte sie im Interview mit dem „ZEIT magazin“. Der Weltraum habe sie nur bei der Arbeit interessiert. „Für mich gibt es keinen besseren Beruf als Architektin.“

Längst unterliegt ihre Arbeit nicht mehr der Geheimhaltung und längst ist Galaschowa pensioniert. Ironie der Geschichte: Sie hat während all der Jahre nie eine Lohnerhöhung erhalten und bessert ihre Pension mit dem Malen von Aquarellen auf. Wie sie neulich in einem Interview erklärte, lebt sie heute besser als zu der Zeit, als sie im Dienst der Raumfahrt stand. (mai)

Ausstellung "Design für die sowjetische Raumfahrt", 27. Juni bis 15. November
Deusches Architekturmuseum, Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Interview mit Galina Balaschowa im Zeit-Magazin: www.zeit.de/zeit-magazin/2014/47/raumfahrt-galina-balaschowa-raumstation-sowjetunion