Fusion von AFG und Looser

Fusion von AFG und Looser

Gefäss: 

Der Bauausrüster AFG, Hersteller von Türen, Fenstern und Heizkörpern,kauft die Industriegruppe Looser. Aus dem Zusammenschluss soll ein führender europäischer Gebäudezulieferer entstehen. Das Unternehmen soll bis 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Franken erzielen, wie AFG heute in einer Mitteilung schreibt. Die Transaktion ist eine halbe Milliarde Franken schwer, wobei AFG die Mehrheit von 53 Prozent an Looser von den bisherigen Familienaktionären, Verwaltungsratsmitgliedern und der Geschäftsleitung erwirbt. Der Kaufvertrag wurde am Mittwoch unterzeichnet. Nach dem Zusammenschluss der Unternehmen, die beide in Arbon ihren Hauptsitz haben, sollen die Geschäftsaktivitäten unter dem neuen Namen Arbonia weitergeführt werden.

Die Unternehmensgruppe Looser hat 2015 einen konsolidierten Nettoumsatz 436,4 Millionen Franken erzielt und einen Konzerngewinn von 23,6 Millionen Franken. Die Gruppe, die 2200 Mitarbeitende beschäftigt, ist in den Segmenten Türen, Beschichtungen, Industriedienstleistungen tätig.

Im Segment Türen betrug 2015 der Umsatz 215.1 Millionen Franken. Der Geschäftsbereich Beschichtungen, mit dem das Unternehmen 2015 einen Umsatz von 135.6 Millionen Franken erreicht, umfasst insbesondere Industrielacke und Beschichtungen. Industriedienstleistungen bietet ist die zum Unternehmen gehörende Condecta-Gruppe an. Zu den Produktgruppen, die letztes Jahr rund 56 Millionen Franken des Umsatzes ausmachten, gehören Schnellmontage-Krane, mobilen Raumsysteme und Sanitäreinheiten sowie Bodenschutzsysteme. Im Nettoumsatz ist laut Geschäftsbericht 2015 das Segment Temperierung bis November 2015 (11 Monate) im Umfang von 29.8 Millionen Franken enthalten. Der Bereich wurde Ende 2015 verkauft.

Durch den Zusammenschluss zähle die Gruppe in Zentraleuropa zu den Marktführern in den Bereichen Fenster und Türen wie auch auf dem Gebiet der wasserbasierten Wärmeübertragung in der Gebäudetechnik, schreibt AFG weiter. Zudem wäre die Gruppe in der Schweiz laut AFG einer der Marktführer im Bereich mobile Infrastrukturen.

Wert von 511 Millionen Franken

Zu den gleichen Bedingungen macht die Gruppe nun den Publikumsaktionären ein Kauf- und Tauschangebot: Für eine Looser-Aktie bietet AFG fünfeinhalb neu auszugebende Namenaktien der AFG sowie 23 Franken in bar. Das Angebot entspricht einer Prämie von 38,8 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch. Insgesamt will AFG maximal 87,4 Millionen Franken für den Kauf ausgeben. Mit dem Angebot wird Looser mit 511 Millionen Franken bewertet.

AFG plant, nach Abschluss ihres Kaufangebots an die Publikumsaktionäre von Looser die Looser-Aktien von der Börse zu nehmen. Durch ein Squeeze-Out- Verfahren, bei dem verbliebene Aktionäre herausgedrängt werden, soll Looser vollständig in den Besitz von AFG übergehen. Der Verwaltungsrat von Looser empfiehlt den Aktionären, das Kauf- und Tauschangebot anzunehmen.

10 Millionen Franken Synergien

Durch den Zusammenschluss werden zudem jährliche Einsparungen von rund 10 Millionen Franken ab 2018 angestrebt. Ab 2020 sollen die jährlichen Synergien auf 15 Millionen Franken steigen. Einerseits sollen die Kosten sinken, andererseits Vorteile beim Einkauf genutzt werden.

Mittelfristig sollen sich die Synergien erhöhen durch Zusatzerträge über den gegenseitigen Marktzugang in Deutschland und der Schweiz, sowie die Möglichkeit, in den für die neue Gruppe relevanten Türenmärkten als Komplettanbieter auftreten zu können, wie AFG schreibt.

AFG will in ihrem Spezialtürengeschäft schon seit längerem die Abhängigkeit vom Schweizer Markt verringern. Mit dem Kauf von Looser will das Unternehmen daher von dessen starken Stellung in Deutschland und Polen profitieren.

Nach Fusion 8400 Mitarbeitende

AFG hat im vergangenen Jahr 941,4 Millionen Franken umgesetzt. Wegen Verlagerungskosten schrieb das Unternehmen einen Verlust von 177,1 Millionen Franken. AFG befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Restrukturierungsprozess. Das Unternehmen litt unter Import- und Preisdruck und verlagerte deshalb die Fensterproduktion in die Slowakei und nach Deutschland.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 6200 Mitarbeitende.

Die Aktien der AFG Arbonia-Forster-Holding AG gaben am Morgen nach Bekanntwerden der Übernahme rund 11 Prozent nach, erholten sich aber bis Nachmittag wieder deutlich. Dagegen schossen die Aktien der Looser Holding AG um über 30 Prozent. (sts/Material der SDA)