Fusion Holcim und Lafarge: Grossinvestoren machen Druck

Fusion Holcim und Lafarge: Grossinvestoren machen Druck

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Der Druck namhafter Holcim-Aktionäre zeigt Wirkung: Die Fusion mit dem französischen Rivalen Lafarge kommt nochmals auf den Tisch. Da Holcim die Konditionen nachbessern will, droht ein neuer Verhandlungsmarathon mit ungewissem Ausgang.

Holcim/Lafarge ist keine Hochzeit unter gleichen. Das zeigte sich schon bei der Präsentation der Quartalszahlen vor einem Monat. (Holcim hat mehr verdient vom 23. 2.2015) Zudem war auch absehbar, dass es an der bevorstehenden Aktionärsversammlung zu entsprechenden Diskussionen kommen wird. Zu offensichtlich sind die Unterschiede im Potential der beiden Unternehmen. Nun kocht die Fusionssuppe schon im Vorfeld der Holcim-GV hoch. Der Verwaltungsrat hat beschlossen dass die Fusionsvereinbarung in ihrer heutigen Form nicht weiterverfolgt werden kann. Dies geht aus der jüngsten Mitteilung von Holzim hervor. So sollen Neuverhandlungen über das Aktien-Austauschverhältnis und über Führungsfragen aufgenommen werden. Der Verwaltungsrat hat beschlossen, dass die Fusionsvereinbarung in ihrer heutigen Form nicht weiterverfolgt werden kann. Dies geht aus einer Mitteilung der Holcim von heute Montag hervor. Das Unternehmen habe deshalb vorgeschlagen, Neuverhandlungen über das Aktien- Austauschverhältnis und Führungsfragen aufzunehmen.

Während Lafarge beim Aktientausch grundsätzlich Gesprächsbereitschaft signalisiert, dürfte die Zusammensetzung der neuen Führungscrew zur grösseren Knacknuss werden. Wie das Unternehmen mitteilte, können Anpassungen an den Fusionsvereinbarungen, die über die Frage des Aktientauschs hinausgehen, nicht akzeptiert werden. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Lafarge-Chef Bruno Lafont die Leitung des fusionierten Unternehmens übernimmt, während der Präsident des Holcim- Verwaltungsrats, Wolfgang Reizle, neuer Präsident wird. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Berufung auf Insiderinformationen berichtet, lehnt Holcim Lafont als neuen Chef mittlerweile ab. Holcim war für eine Bestätigung dieser Meldung am Montagvormittag nicht zu erreichen.

Zunehmender Druck von Grossinvestoren

Hintergrund des Sinneswandels bei Holcim dürfte der zunehmende Druck von Grossinvestoren sein. Diese fordern beim Umtausch eine stärkere Gewichtung der Holcim-Aktie. Ursprünglich war ein Umtauschverhältnis von eins zu eins vorgesehen. Weil insgesamt mehr Aktien von Holcim als solche von Lafarge im Umlauf sind, entspricht dies einer Gewichtung von 53 zu 47. Der aktuelle Börsenwert umgerechnet zum derzeitigen Euro-Franken-Kurs beträgt jedoch rund 58 zu 42. Einem Bericht in der "Sonntagszeitung" (Ausgabe vom 8. März) zufolge verlangt auch der grösste Holcim-Aktionär Thomas Schmidheiny, dass die Holcim-Aktionäre besser gestellt werden. Ein Vertreter von Schmidheiny sagte, die Logik, die hinter dem Zusammenschluss stehe, habe sich nicht geändert, wollte sich zum Austauschverhältnis aber nicht äussern. Schmidheiny hält ein Fünftel der Holcim- Anteile und gilt als einer der Architekten der Fusion.

Wie weiter aus dem Sonntagszeitungs-Artikel hervor geht, stellt sich zudem der Schweizer Pensionskassenberater Ethos gegen das bestehende Verhältnis. Ethos bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters lediglich, dass die Gesellschaft mit Holcim im Gespräch sei. Zuvor hatte bereits Swisscanto, der Anlagefonds der Kantonalbanken, eine Verbesserung des Umtauschverhältnisses gefordert.

Keine Fusion unter Gleichen

Die Diskussion um das Austauschverhältnis war entbrannt, nachdem die beiden Unternehmen im Februar sehr unterschiedliche Geschäftszahlen präsentiert hatten. So konnte Holcim den Reingewinn 2014 um 1,2 Prozent auf knapp 1,3 Mrd. Franken steigern, während Lafarge mit 143 Mio. nur noch auf einen Viertel des Gewinns von 2013 kam. Auch bei der operativen Marge schnitt Lafarge deutlich schlechter ab als Holcim. Daraufhin begannen Anleger begannen auf ein besseres Austauschverhältnis zu spekulieren. In der Folge entwickelten sich die Aktienkurse der beiden Unternehmen immer mehr auseinander. Auch am Montag, als die Neuverhandlungen von beiden Unternehmen offiziell bestätigt wurden, reagierten die Aktienkurse unterschiedlich. Während Holcim-Aktien bis Handelsschluss 1,3 Prozent ihres Werts verloren, nur ein leichtes Minus von 0,7 Prozent zu Buche stand, brach der Kurs der Lafarge-Titel um 6,3 Prozent ein. Die Zürcher Kantonalbank ZKB sieht Holcim für die Neuverhandlungen denn auch in einer besseren Position als Lafarge.

Doch der Druck für den Holcim-Verwaltungsrat ist gewaltig. Kommt dieser den Aktionären beim Umtausch nicht entgegen, droht an der Generalversammlung vom 13. April eine Schlappe. Die Hürde für die Zustimmung zur Fusion liegt hoch, müssen doch mindestens zwei Drittel der Holcim-Aktionäre grünes Licht geben für den Deal. (sda/mai)