Fünf Religionen unter einem Dach

Fünf Religionen unter einem Dach

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Eine lange Geschichte kommt zu einem Ende. Das Haus der Religionen in Bern-Ausserholligen - ein Zentrum, in dem Christen, Moslems, Hindus, Buddhisten und Aleviten nebeneinander beten und sich begegnen – wird nach mehr als zwölfjähriger Vorbereitung gebaut. Heute Mittwoch fand der Spatenstich statt.
 
Die Idee zu diesem besonderen Gebäude mit Sakral- und Begegnungsräumen für fünf Religionen gibt es seit zwölf Jahren (siehe Box). Es ist Teil des Europlatz-Projekts, bei dem es sich um einen Gebäudekomplex handelt, der ein Hotel, Büros, Wohnungen und Geschäfte beinhaltet. Nachdem 2007 bereits eine Baubewilligung erteilt worden war, drohte das Vorhaben an der Suche nach Investoren zu scheitern. Zuletzt übernahm die Zürcher Halter AG die Bauherrschaft und präsentierte im Frühling 2010 ein überarbeitetes, auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtetes Projekt. Heute konnten die Bauarbeiten an dem ambitionierten Projekt nun mit dem Spatenstich offiziell starten. Damit kann das Zentrum voraussichtlich im Herbst 2014 bezogen werden.
 
„Der Weg war nicht geradlinig“, sagt Balz Halter, Inhaber der Halter Gruppe. „Das Zusammenführen aller Kriterien und Interessengruppen ist sicher gelungen und wurde modellhaft und mit grossem Erfolg abgeschlossen.“ Diese Arbeit geschah in enger Zusammenarbeit mit dem Berner Büro Bauart Architekten und Planer. Es hatte bereits im 2002 eine Machbarkeitsstudie für das Projekt entwickelt und wirkte auch nach derÜbernahme des Projekts durch die Halter Unternehmungen an der Planung und Umsetzung des Vorhabens am Europaplatz mit.
 
Das Bauvolumen beträgt rund 75 Millionen Franken, das Haus der Religionen kostet 10 Millionen Franken. Ankermieter wird der Grossverteiler Coop, der am Europaplatz nebst einem Laden auch eine Apotheke einrichten will. Auch Denner wird vertreten sein.
 
Halter-Projektleiter Campi machte vor den Medien deutlich, dass Halter wegen der guten Verkehrserschliessung des Gebiets, aber auch wegen der neuen Dynamik in Bern West am Projekt festhielt, obwohl dessen Entwicklung lange dauerte und schwierig war. Er verwies auf das neue Bildungszentrum Pflege am Europaplatz und auf das Einkaufszentrum Westside. „Städtebaulich hat dieses Zentrum für Bern eine grosse Bedeutung“, sagte Stadtratspräsidentin Marti. So werde der Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen weiter gestärkt. Der neue Gebäudekomplex werde zu einem wichtigen Verbindungsglied zwischen Stadtkern und Bern West. (mai/sda)
 

Hintergrund

Das Haus der Religionen geht auf zwei Initiativen zurück: Zum einen veröffentlichte das Berner Stadtplanungsamt 1998 eine Studie mit dem provokativen Titel „Ohne Grund geht niemand nach Bümpliz“ zum Image von Bern West in der Öffentlichkeit. Um dieses Bild zu korrigieren, schlug der Autor Christian Jaquet vor, dort ein schweizweit einmaliges Haus der Kulturen und Religionen zu bauen. Zum anderen gab es bereits seit den 90er-Jahren in Bern Bestrebungen, den interreligiösen Dialog zu stärken. Im Jahr 2000 wurde Jaquets Idee an einem Runden Tisch der Religionen erstmals konkret. 2002 wurde der Verein „Haus der Religionen - Dialog der Kulturen“ gegründet, der auch tatsächlich ein Haus der Religionen als Ort mit Kultusräumen verschiedener Religionen einrichtete. Allerdings ist dieses mittlerweile dreimal umgezogen und befindet sich heute in der Nähe des Berner Rosengartens. 2006 wurde eine Stiftung gegründet, die sich der Aufgabe verschrieb, die zehn Millionen Franken zu sammeln, welche das neue Haus der Religionen kostet. Ende des vergangenen Jahres war das Geld beisammen. (sda)