Frauenklinik Bern: Grünes Licht für Ersatzlösung

Frauenklinik Bern: Grünes Licht für Ersatzlösung

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Teaserbild-Quelle: Bild: Inselspital
Einer der bekanntesten Bauskandale Berns geht in die nächste Runde: Die vom Kanton selbst geplante Frauenklinik Bern wird wegen statischer Mängel einen Ersatzbau für 30 bis 40 Millionen Franken bekommen. Statthalter Lerch wies Einsprachen als "unbegründet" zurück.

Fünf Jahre nach Fertigstellung der Frauenklinik Bern, die zum Inselspital gehört, wurden gravierende Mängel in der Statik entdeckt, vor denen der Generalunternehmer bereits vor Baubeginn gewarnt hatte. Die 2002 eingeweihte Berner Frauenklinik, die in Medizinerkreisen international einen guten Ruf geniesst, geriet 2009 in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass die Südfassaden-Tragkonstruktion stark beschädigt ist und bereits saniert werden muss. Im Jahr 2013 musste sogar ein Treppenhaus gesperrt werden, nachdem plötzlich eine Treppenstufe abbrach. Nun muss gar ein Ersatzbau her, der dem Vernehmen nach 30 bis 40 Millionen Franken kosten könnte, aber nur bis 2024 genutzt und dann schrittweise rückgebaut werden soll. Einsprache gegen diese Pläne erhoben hatte die Grüne Partei Bern-Demokratische Alternative. Die drei Einsprachen wurden heute vom Regierungsstatthalter als "öffentlich-rechtlich unbegründet" zurück gewiesen.

"Der Zustand des Gebäudes der Frauenklinik ist gemäss externen Fachleuten so kritisch, dass ein Zuwarten mit der Sanierung Patientinnen, Personal und Besucher gefährden könnte", teilte Lerch am Freitag mit. Mit dem Baugesuch für den provisorischen Neubau wurden drei Ausnahmebewilligungen beantragt. Diese können gemäss Lerch nur erteilt werden, "wenn besondere Verhältnisse vorliegen und keine öffentlichen Interessen verletzt werden". Die mögliche Gefährdung von Menschen und die Bereitschaft der Bauherrschaft, ein teures Provisorium für "vergleichsweise kurze Zeit" zu bauten, belegen laut Lerch diese besonderen Verhältnisse. Öffentliche Interessen - etwa der Erhalt von grossräumigen Grünflächen - werden laut Regierungsstatthalter "nur bedingt beeinträchtigt", da ein Teil der Fläche heute aus einem asphaltierten Parkplatz bestehe.
 
Das Inselspital zeigt sich zufrieden mit dem Entscheid des Regierungsstatthalters, will jedoch zunächst die 30-tägige Einsprachefrist abwarten. Ob ein Ersatz gebaut wird oder die Ersatzlösung - der vorgezogene Bau des Tumorzentrums, das provisorisch als Frauenklinik genutzt werden könnte - zum Einsatz kommt, steht ebenfalls noch in den Sternen. Nach Angaben des Inselspitals wäre das durch Lerch bewilligte Ersatzgebäude im Frühling 2016 bezugsbereit. Eine Terminaussage zum vorgezogenen Bau des Tumorzentrums sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, so das Inselspital.(tw/sda)