Frankenstärke macht Sika zu schaffen

Frankenstärke macht Sika zu schaffen

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Der starke Franken macht dem Bauchemie- und Klebstoffhersteller Sika weiterhin zu schaffen. Der Umsatz schrumpfte im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf 5,49 Milliarden Franken. Das ist der erste Umsatzrückgang in Schweizer Franken seit dem Krisenjahr 2009.

Dabei brummten rund um den Globus die Geschäfte von Sika weiter. In Lokalwährungen wäre der Umsatz um 6,2 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen mit Sitz in Baar ZG in einem Communiqué mit. Damit wäre die Umsatzwarnung vom Oktober unnötig gewesen, denn mit den ausgewiesen Zahlen hat Sika die ursprünglichen eigenen Erwartungen erfüllt.

Schub verlieh vor allem das Schlussquartal 2015. Hier konnte Sika das Umsatzwachstum auf 8,3 Prozent beschleunigen. "Wir hatten so ein starkes viertes Quartal. Das hatten wir selbst nicht erwartet", sagte Sika-Sprecher Dominik Slappnik auf Anfrage.

Sika sei erfreut über das Wachstum, das trotz weltweit sich verschlechternden Marktbedingungen zustande gekommen sei, erklärte Firmenchef Jan Jenisch im Communiqué. Denn in China, Russland und Brasilien seien die Verkäufe eingebrochen, sagte Jenisch in einer Telefonkonferenz.

Damit hat Sika die Prognosen der Finanzgemeinde übertroffen. Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt mit einem Umsatz von 5,467 Mrd. Fr. gerechnet. An der festeren Schweizer Börse legte die Aktie bis kurz vor Handelsschluss um 4,1 Prozent zu.

Die Angst vor negativen Folgen der Turbulenzen in den Schwellenländern habe sich offenbar als übertrieben erwiesen, hiess es in Marktkreisen. In der Region Asien/Pazifik sei der Nachfrageeinbruch in China durch andere Länder aufgefangen worden. Dasselbe gelte für Brasilien in Lateinamerika. Insgesamt habe Sika die Erwartungen in allen Regionen übertroffen, urteilten Analysten.

Überproportionale Zuwächse gab es im Mörtelgeschäft, das Sikas profitabelster Geschäftsbereich ist. Der Umsatz legte um 12,9 Prozent zu. Das Wachstumsgeschäft Mörtel konnte im vergangenen Jahr durch fünf neue Fabriken und drei Akquisitionen weiter ausgebaut werden.

Insgesamt hat Sika in den vergangenen zwölf Monaten neun neue Fabriken und drei neue Ländergesellschaften gegründet. "Diese werden für künftige Wachstumsimpulse sorgen", teilte Sika mit. Sika habe im letzten Jahr 450 bis 500 neue Stellen geschaffen, sagte Finanzchef Adrian Widmer.

Rekordjagd fortgesetzt

Beim Gewinn setzt der Konzern trotz der Frankenstärke die Rekordjagd weiter fort. "Für das Gesamtjahr 2015 rechnen wir mit einer überproportionalen Steigerung des Betriebsergebnisses und einer EBIT-Marge von 11,5 bis 12 Prozent", schrieb Sika. Damit würde nach Berechnungen der Nachrichtenagentur sda ein EBIT von knapp 660 Millionen Franken erreicht, was eine Steigerung von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr wäre.

Zum Reingewinn für 2015 machte Sika noch keine Angaben. Nach dem dritten Quartal lag der Nettogewinn um 9 Prozent über dem Vorjahreswert – trotz Frankenstärke. Damit hatte Sika eine weitere Rekordmarke erreicht.

Weil die Vorgaben der Strategie 2018 bereits erreicht seien, habe der Verwaltungsrat die Ziele angehoben, teilte Sika weiter mit. Statt wie bisher eine EBIT-Marge von über 10 Prozent würden neu 12 bis 14 Prozent angestrebt.

Ungebrochener Widerstand gegen Saint-Gobain

Nichts Neues lässt Sika im Übernahmestreit mit Saint-Gobain verlauten. Verwaltungsrat, Konzernleitung, die 160 Senior Manager sowie Arbeitnehmervertreter seien nach wie vor gegen den "feindlichen Übernahmeversuch", weil das Zusammengehen ihrer Meinung nach Sikas Erfolgsgeschichte in Frage stellen würde.

Die Sika-Erben-Familie, die mit nur rund 16 Prozent Kapital die Mehrheit von 52 Prozent am Konzern kontrolliert, will ihre Aktien der französischen Industriegruppe verkaufen. Ein Angebot an die restlichen Aktionäre ist nicht geplant. Die Sika-Führung blockiert deswegen den Verkauf über diverse juristische Züge. (sda)