Forscher „fischen“ Uran aus dem Meer

Forscher „fischen“ Uran aus dem Meer

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In den Weltmeeren befinden sich laut Schätzungen Milliarden Tonnen des für die Atomenergie wichtigen Urans. Mit speziell präparierten Schnüren wollen Forscher dieses Element nun „anlocken“ und herausfischen.

Wer Kernenergie erzeugen will, braucht Uran. Denn dieses Element ermöglicht Kernspaltungs-Kettenreaktionen. Doch die Sache hat einen Haken: Uran ist nicht unendlich verfügbar. Schätzungen zufolge sollen die natürlichen Vorkommen in 100 Jahren verbraucht sein – an Land. Deshalb schielt man auf respektive in die Weltmeere hinein. Dort nämlich sollen sich Forschern des Oak Ridge National Laboratory (ORNL) in Tennessee zufolge etwa vier Milliarden Tonnen des Materials befinden. Dieses zu bergen und weiter zu verarbeiten, haben sie sich zur Aufgabe gemacht.

Wie die Newsplattform ingenieur.de berichtet, verfolgen sie dabei den Ansatz von Wissenschaftlern der japanischen Atomenergie-Behörde, denen es in den 90er-Jahren gelungen war, winzige Mengen an Uran an Platten haften zu lassen, die im Meer schwammen und mit Absorbermaterialien behaftet waren. Doch die amerikanischen Forscher setzen nicht auf Platten, sondern auf Schnüre. Sie bestehen aus Polyethylen-Fasern und enthalten Amidoxim. Das sind Verbindungen auf Stickstoff- und Kohlenstoffbasis – und diese organischen Moleküle ziehen Uran im Wasser stark an. Sie dienen sozusagen als „Lockstoff“ für das begehrte Element. Hängen die präparierten Schnüre lange genug im Wasser, kann das daran haftende Uran anschliessend isoliert werden – so die Theorie der Forscher.

Und tatsächlich: Während eines 49 Tage dauernden Tests sammelten sich an den Schnüren fast sechs Gramm Uran pro Kilogramm Absorbermaterial. Durch eine Säurebehandlung konnten danach Uranyl-Ionen freigesetzt und weiterverarbeitet werden. Laut den Forschern ist das Absorbermaterial auf den Schnüren für die meisten Meeresorganismen nicht schädlich. (mt/pd)