Fleissige „Riesenbienen“ für den Orbit

Fleissige „Riesenbienen“ für den Orbit

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die Erde ist von einem riesigen Gürtel aus Weltraumschrott umgeben. Dieser ist zwar gefährlich für Flugobjekte, könnte aber auch als Materiallager dienen, um neue Satelliten mit Antennen oder Solarplatten auszurüsten. Mit besonderen Robotern will es das amerikanische Verteidigunsministerium möglich machen.
 
 
Obenstehende Animation zeigt, wie ein Roboter in einer Höhe von 35 Kilometern über der Erde einen Satelliten fertig baut.
 
„Das Problem mit ausgemusterten Satelliten und anderem Schrott ist, dass es in Höhen ohne Luftwiderstand keinen Mechanismus gibt, der sie wieder runterbringt“, erklärt Adrian Jäggi, Direktor des Astronomischen Instituts der Universität Bern. Überall, wo es Satelliten gebe, sei auch Schrott vorhanden, der gefährlich für aktive Satelliten und theoretisch auch für Menschen im All sei. Doch der Schrott ist nicht nur eine Gefahr, sondern könnte auch als Materiallager dienen: so könnten etwa Antennen oder Solarplatten von kaputten Satelliten wiederverwendet werden. Sie sind eine Ressource, die bisher ungenutzt im All umhertreibt. Deshalb forscht die das Tochterunternehmen des US-Verteidigungsministeriums Defence Advanced Research Projects Agency (Darpa) schon länger, wie solche Teile effizient reziklieren lassen. Eine besonders kostengünstige Möglichkeit sehen die Darpa-Experten im Einsatz von Robotermechanikern.
 
Die Weltall-Recycling-Pläne der Darpa betreffen alte Kommunikationssatelliten auf einer Umlaufbahn in 35 Kilometern Höhe. „In dieser Zone ist Platz besonders wertvoll, weshalb ausgemusterte Satelliten oft auf eine Friedhofsbahn gelenkt werden“, so Jäggi.
 
Aber noch gibt es keine Werkzeuge, mit denen das Demontieren und Wiederanbringen von Teile im Orbit möglich ist. Darum soll Honeybee Robotics entsprechende Maschinenarme und -hände entwickeln. Die amerikanische Firma will zwei verschiedene Prototypen entwickeln. Bei Erfolg werden die Arme auf Servicesatelliten montiert, die sich damit an andere Satelliten andocken und Teile an- oder abbauen. „Das Phönix-Programm ist ein wichtiger Schritt in Richtung Instandhaltung im Orbit. Dadurch könnte die Lebensdauer von Satelliten auf ökonomische Weise verlängert werden“, sagt Honeybee-Chef-Robotiker Jason Herman.

Roboter sind keine Müllmänner

Am Problem des Weltraummülls, der in zahllosen Umlaufbahnen um die Erde schwirrt, ändern die Pläne des US-Militärs allerdings nichts. Schliesslich bleiben die ausgeweideten alten Satelliten weiterhin im Orbit und gefährden auch nach der Entfernung der brauchbaren Teile andere Flugobjekte im All.
 
„Derzeit beschränken sich die Gegenmassnahmen auf Bestandsaufnahmen. Mit Teleskopen, Radar und seit neustem auch Laserstrahlen wird der Weltraumschrott kartografiert. So können Kollisionen vermieden werden“, erklärt Jäggi. Für aktive Gegenmassnahmen gebe es zwar Ideen, eine Umsetzung sei gegenwärtig aber noch nicht möglich, obwohl das Problem akut sei. „Ein Aufsammeln mit Satelliten ist schwierig, weil sie sich nicht beliebig steuern lassen, sondern immer einer Bahn folgen.“
 
Für das US-Militär ist eine Wiederverwendung von Teilen alter Kommunikationssatelliten hauptsächlich deshalb interessant, weil sie so Netzwerke günstig instand halten können und die weltweite Kommunikation nicht unterbrochen wird. (mai/mgt)
 
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Satelliten sollen mit Roboterhilfe im All fertig gebaut werden.