Fläsch wird als vierte Bündner Gemeinde geehrt

Fläsch wird als vierte Bündner Gemeinde geehrt

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Teaserbild-Quelle: SHS
Das Bündner Weinbaudorf Fläsch hat den Wakkerpreis 2010 erhalten. Damit zeichnet der Schweizer Heimatschutz die nördlichste Bündner Gemeinde für ihre innovative Ortsplanung aus und dafür, dass sie zeitgenössische Architektur fördert.
 
 
Mit dem Wakkerpreis will der Heimatschutz Fläsch auf dem eingeschlagenen Weg unterstützen: Dank Landumlegungen sei es der Gemeinde gelungen, die charakteristischen Wein- und Obstgärten im Dorfkern zu erhalten, ohne die bauliche Entwicklung zu verhindern, heisst es in der Medienmitteilung des Schweizerischen Heimatschutzes. Den Grundstein für die bauliche Entwicklung legte Fläsch mit einem Leitbild und einer Ende 2008 von der Bevölkerung angenommen Ortsplanungsrevision. Damit sollte die intakte Dorfstruktur sowie die Obst- und Weingärten vor Überbauungen geschützt werden: Die als erhaltenswert ausgezonten Flächen gingen zum Teil in Gemeindebesitz über. Die Eigentümer erhielten Realersatz. Bauzonen mit höherer Überbauungsziffer wurden an den Ost- und Westrand des Dorfes verlegt, was dazu führt, dass die bauliche Verdichtung nicht im Kern stattfindet.

Studenten der HTW beteiligen sich an der Ortsplanung

Erarbeitet wurde die Revision der Ortsplanung des Baugesetzes von der Gemeinde übrigens in einer einzigartigen Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur, unter Leitung von Christian Wagner, Professor an der HTW und Bauberater der Gemeinde Fläsch. Die Revision der Ortsplanung und des Baugesetzes wurde dabei als Forschungsprojekt erarbeitet und begleitet. Die Studenten hatten sich dabei mit der Problematik der zahlreichen leer stehenden Ställe auseinander gesetzt. Als Teil des Ortscharakters sollten sie bestehen bleiben, es brauchte aber Vorschläge, wie sie neu genutzt werden könnten. Dazu regte die HTW die Gründung eines Vereins „Pro Fläsch“ an, mit dem Ziel neue Ideen zu finden.
 
Bei Neubauten legt Fläsch Wert auf hohe architektonische Qualität und überzeugte damit den SHS ebenfalls. Die Gemeinde setze beim Baubewilligungsverfahren vermehrt auf Beratung und Anreize, erklärt dazu der SHS in seiner Pressemitteilung. Mit dem Schulhaus des Architekten Pablo Horvath sei die Gemeinde schon 1999 mit gutem Beispiel voran gegangen. Das Wohnhaus Meuli und das preisgekrönte Weingut Ganteinbein des Architekturbürs Bearth & Deplazes oder etwa die „Casacura“ von Architekt Kurt Hauenstein zeugen von den hohen Ansprüchen, die auch private Bauherrschaften stellen.

Entwicklung des Siedlungsraums

Das stark unter Siedlungsdruck stehende Dorf in der Bündner Herrschaft mit seinen 22 Weinproduzenten ist die vierte Bündner Gemeinde, die mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet wird. Vorher war diese Ehre Guarda (1975), Splügen (1995) und Vrin (1998) zuteil geworden. - Bei der Preisvergabe achtet der Heimatschutz inzwischen weniger auf den Erhalt historischer Zentren. Im Vordergrund stehen Gemeinden, die den Siedlungsraum unter zeitgenössischen Gesichtspunkten entwickeln. Das Preisgeld von 20'000 Franken hat mehr symbolischen Charakter. Wichtig ist dem Heimatschutz die öffentliche Anerkennung vorbildlicher Leistungen. (mai/sda))