Feuer unter dem Dach gelöscht?

Feuer unter dem Dach gelöscht?

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Stolpersteine dürften den Weg zum Bau des neuen Berner Feuerwehrstützpunkts jetzt nicht mehr stören. Der Streit um den Bau des 53,9 Millionen Franken teuren Projekts ist beendet. Die Stadtbauten Bern (StaBe) und der Architekt haben einen Vergleich akzeptiert.
 
Während der vergangenen zwei Jahre hatte das Projekt bei den StaBe und der Ralph Baenziger Architekten AG aus Zürich für heisse Köpfe gesorgt. Doch nun scheint ausser den Bäumen, die dem neuen Feuerwehrstützpunkt weichen müssen, dem Projekt nichts mehr im Wege zu stehen. Der Streit zwischen den StaBe und der Ralph Baenziger Architekten AG aus Zürich ist beendet. Wie die StaBe mitteilen haben sie und die Ralph Baenziger Architekten einen Vergleich abgeschlossen.

Frust beim Architekten…

Vor vier Jahren hatte Ralph Baenzigers Büro den Architekturwettbewerb für den neuen Feuerwehrstützpunkt gewonnen. In der Botschaft zur Abstimmung über den für den neuen Feuerwehrstützpunkt nötigen Kredit war von 35 Millionen Franken die Rede gewesen. Doch rund ein Jahr später, im Sommer 2009, gaben die StaBe bekannt, dass der Bau 53,9 Millionen Franken kosten wird. Darauf erhielt Baenziger den Laufpass. Ein neues Team sollte den Feuerwehrstützpunkt nach dessen Plänen realisieren. Den Zuschlag für die Umsetzung erhielt die Itten + Brechbühl AG.
 
Das liess der Baenziger nicht auf sich sitzen. Er wehrte sich vehement gegen das Vorgehen der StaBe. Diese hätten ihm nie einen stichhaltigen Grund für die Auflösung der Zusammenarbeit angegeben. Er sei vielmehr als Sündenbock für die Mehrkosten vorgeschoben worden, betonte Baenziger seither immer wieder. Denn Schuld an den Mehrkosten sei nicht sein Büro. Um das Projekt in der Volksabstimmung durchzubringen, hätten die Bauherrin und der Stadtberner Gemeinderat wohl absichtlich tiefe Kosten vorgegaukelt, vermutet Baenziger. Nach der Abstimmung sei das Architekturbüro ständig mit neuen Wünschen und Bedürfnissen konfrontiert worden. Die Stadtbauten hätten versäumt, die Bedürfnisse der Feuerwehr genügend abzuklären.

…und Ärger bei den StaBe

Wie die Stadtbauten Bern in ihrer Medienmitteilung schreiben, sehen sie die Gründe für die Auflösung der Zusammenarbeit in „fundamental auseinandergehenden Auffassungen bezüglich Rolle und Aufgaben von Auftraggeber und Planer“. Architekt Ralph Baenziger wehrte sich gegen das Vorgehen der StaBe mit verschiedenen Beschwerden sowie einer Entschädigungsklage. Vor der entsprechenden Gerichtsverhandlung im August hatte der Gerichtspräsident den Parteien einen Vergleichsvorschlag unterbreitet. Nach einer Bedenkzeit hat Baenziger dem Vorschlag nun zugestimmt. Dies teilten die StaBe mit. Nach Ansicht der StaBe liegt der von Baenziger akzeptierte Betrag deutlich unter seiner ursprünglich geforderten Summe von rund 1,2 Millionen Franken für Honorare und Schadenersatz. Baenziger habe ebenfalls versprochen, die hängigen Beschwerden gegen die Neuvergabe des Planerauftrags zurückzuziehen. Ausserdem verzichte er auf seine urheberrechtlichen Ansprüche.Damit seien die Verfahren, die noch Jahre hätten dauern können, abgeschlossen, schreiben die StaBe. Die Beschwerden und die Zivilklage der Ralph Baenziger AG hätten insgesamt zu einer Projektverzögerung von rund einem Jahr geführt.
 
Er habe den Vergleich „nolens volens“ akzeptieren müssen, sagte der Architekt auf Anfrage der Zeitung „Der Bund“. Inklusive Auslagen habe er zwei Millionen Franken verlangt, bekommen habe er 230'000. Bern sei ein Filz, ein Biotop, in dem Auswärtige willkürlich ausgebootet würden, wird der Zürcher weiter zitiert. Er habe vor der „juristischen Perfidie“ der Gegenseite kapitulieren müssen. Den Fall bis vors Bundesgericht zu ziehen birgt für ihn zu viele finanzielle Risiken. (mai/sda)