Fachkräftemangel: SBV unterstützt Berufsgruppen-Modell

Fachkräftemangel: SBV unterstützt Berufsgruppen-Modell

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Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich hat einen Indikator entwickelt, der die Intensität des Fachkräftemangels misst – bei Berufen statt Branchen. Für den Schweizerischen Baumeisterverband ist dieses Modell wie massgeschneidert für Bauberufe.

Das Zürcher Berufsgruppenmodell misst bei 97 Berufen und in acht Berufsgruppen, wie gross der Fachkräftemangel ist. In einem zweiten Schritt wird geprüft, wie wichtig ausländische Erwerbstätige für die Besetzung von Stellen sind. Die Berechnung stützt sich auf vier Variablen: Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung, das Verhältnis von offenen Stellen zu Stellensuchenden, die Dauer der Stellenausschreibung sowie die Dauer der Stellensuche. Damit kann die Intensität des Fachkräftemangels in verschiedenen Berufen berechnet werden, wobei ein hoher Wert überdurchschnittlicher Mangel bedeutet und ein niedriger respektive negativer ein geringer Mangel.

„Massgeschneidert“

Das Modell wurde heute Donnerstag an einer gemeinsamen Medienkonferenz des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich sowie des Schweizerischen Baumeisterverbands vorgestellt.  Letzterer findet, dass das Modell der Situation in der Bauwirtschaft sehr gut Rechnung trägt. Denn in der Baubranche seien die Verhältnisse je nach Berufsgruppen sehr unterschiedlich: So bestehe bei den tiefer qualifizierten Mitarbeitern durchaus noch Potenzial für die Anstellung von Inländern, während bei den Berufsgruppen mit höherer und höchster Qualifikation – etwa Ingenieure und Bauführer – der Arbeitsmarkt sehr stark ausgetrocknet sei. „Dank dem Berufsgruppen-Modell könnten die Bauunternehmen die seit Jahren grossen Lücken bei den Fachkräften auch weiterhin unbürokratisch mit Fachpersonal aus dem Ausland decken. Gleichzeitig verpflichtet sich die Baubranche, bei den tiefer qualifizierten Nicht-Mangelberufen den Inländervorrang anzuwenden“, hiess es. Verbandspräsident Gian-Luca Lardi bezeichnete das Modell gar als „massgeschneidert für die Eigenheiten der Bauberufe“. Es schaffe auf Regionen und Berufe optimal zugeschnittene Rahmenbedingungen.

Gegen Kontingente

Eine Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative mit Branchenkontingenten lehnt der SBV entschieden ab. „Dann dürften unsere Firmen keine Ingenieure und auch keine Bauführer mehr aus dem Ausland anstellen, wenn auf dem RAV Arbeitslose gemeldet wären, die früher einmal als Hilfsarbeiter auf dem Bau gearbeitet haben“, so Lardi.

Die staatspolitische Kommission des Nationalrats hat sich letzte Woche auf einen Kompromiss bei der Umsetzung der SVP-Initiative geeinigt, wobei sich die Mehrheit für einen sanften Inländervorrang unter Verzicht auf Kontingente und Höchstzahlen aussprach. Das Parlament berät den Vorschlag in der Herbstsession. (mt/sda)